MotoGP

Katalonische Zweiradartistik

Die Stimmung wird gut, die Ränge voll und die Zielgerade lang. Nach Mugello sollte auch das Rennen in Katalonien wieder ein Fest werden.
von Falko Schoklitsch

Motorsport-Magazin.com - Am kommenden Wochenende begibt sich die Motorrad-Weltmeisterschaft wieder zu einer Strecke, die gut besucht sein wird, die eine lange Start-Ziel-Gerade hat und wo die meisten gerne fahren. Nein, es wurde nicht entschieden, zweimal hintereinander in Mugello zu fahren, weil die Rennen dort so spektakulär waren. Der Teamtross begibt sich nach Spanien, wo etwa 20 Kilometer nördlich von Barcelona der Circuit de Catalunya seine Pforten für das nächste spannende Motorradwochenende öffnet.

Im vergangenen Jahr kamen über 106.000 Besucher zum Großen Preis von Katalonien, um Gibernau, Pedrosa, Rossi und all die anderen anzufeuern. In diesem Jahr könnten es sogar noch mehr werden. Die Tribünen wurden aufgestockt, wodurch nun pro Tag rund 76.000 Sitzplätze zur Verfügung stehen.

Die Atmosphäre von gut gefüllten Rängen beflügelt natürlich auch die Fahrer. Trotzdem werden diese in erster Linie darum Fahren, WM-Punkte zu holen und erst dann den Fans ihre Aufmerksamkeit schenken. Allen voran Valentino Rossi, der auch in Spanien eine große Anhängerschaft hat. Das vorige Rennen in Mugello konnte der amtierende Weltmeister zwar gewinnen, in der Weltmeisterschaft liegt er aber immer noch 34 Zähler zurück. Seine Yamaha lief in den vergangenen beiden Rennen allerdings wieder gut, weswegen der Italiener wieder ein ganz heißer Kandidat für den obersten Podestplatz sein dürfte. Bei allem Speed sollte ihn aber nicht wieder der Motor seiner Maschine im Stich lassen, wie es vor zwei Rennen in Le Mans der Fall war, als Rossi eigentlich einem ungefährdeten Sieg entgegenfuhr.

Das verhindern wollen sicher die spanischen Fahrer. Allen voran Sete Gibernau und Dani Pedrosa. Gibernau hat in Mugello gezeigt, dass er seine Ducati mittlerweile recht flott um einen Kurs bewegen kann. Sollte er sich bei seinem Heimrennen noch etwas steigern und vor allem eine konstante Leistung bringen, dann wird er sich mit seinem italienischen Arbeitsgerät auf das Podium fahren können.

Dani Pedrosa seinerseits war auf der für ihn noch neuen MotoGP-Maschine schon früh in der Saison schnell. Sogar so schnell, dass er beim vierten Saisonlauf in Shanghai den Sieg holte. Vor heimischem Publikum wird das der junge Spanier gerne wiederholen wollen. In Mugello war Pedrosa auch wieder gut unterwegs, musste sich nach einer guten Leistung allerdings mit zwei Sekunden Rückstand auf Sieger Rossi mit Rang vier begnügen.

Die beiden, die neben Rossi noch vor dem Spanier ins Ziel kamen, gehören auch in Spanien wieder zum engsten Favoritenkreis. Der Eine ist Pedrosas Teamkollege bei Repsol Honda, Nicky Hayden. Der Andere ist der Teamkamerad von Sete Gibernau, Loris Capirossi. Dieses Duo teilt sich momentan die Führung in der Weltmeisterschaft, fährt also bislang eine starke Saison. Allerdings hat Capirossi bereits einen Saisonsieg auf dem Konto, während Hayden noch auf seinen ersten Triumph in diesem Jahr warten muss. Katalonien war allerdings in den vergangenen Jahren mit einem fünften und einem neunten Platz sowie einem Ausfall kein besonders gutes Pflaster für den Amerikaner. Also könnte es mit dem ersten Sieg 2006 noch etwas dauern.

Nicht außer Acht darf man noch die starken Fahrer Marco Melandri und Casey Stoner lassen. Melandri hat immerhin bereits zwei Rennen in diesem Jahr gewonnen. Allerdings neigt der Italiener auch ein wenig zur Hitzköpfigkeit, was ihm in Mugello durch einen kurzen Abstecher ins Graz einen absoluten Spitzenplatz gekostet hat. Auch Stoner wagt sich gerne nah ans Limit heran oder darüber hinaus. Dieses Risiko hat der Australier in Italien mit einem heftigen Abflug bezahlen müssen. Doch Stoner ist bereits früher spektakulär abgeflogen und sollte in Katalonien ohne mentale Blockade an den Start gehen.

Für Alex Hofmann wird es in Spanien vor allem darauf ankommen, die Reifen weiterzuentwickeln. Am Anschluss an die vergangenen beiden Rennen hatte der Deutsche jeweils heftige Kritik an Reifenausstatter Dunlop geübt und nach Mugello hatte sich auch Teamchef Luis D´Antin geäußert, da man der Meinung war, gegenüber dem zweiten Dunlop-Team, Tech 3 Yamaha, benachteiligt worden zu sein. Aber egal ob die Reifen in Katalonien besser funktionieren oder nicht, ein Quantensprung wird bei Hofmann nicht zu erwarten sein. Er wird sich wahrscheinlich wieder im hinteren Drittel des Feldes einordnen.

125cc

In der Achtelliterklasse wird wohl wieder Aprilia Tonangebend sein. Dabei vor allem die Fahrer der Aspar-Mannschaft, die vier der bisherigen sechs Saisonrennen für sich entscheiden konnten. Deren schärfste Konkurrenten werden Mika Kallio auf KTM und Lukas Pesek auf seiner Derbi sein. Honda ist wieder das große Fragezeichen im Feld. Der Sieg, den Thomas Lüthi in Le Mans holen konnte, war vor allem den wechselnden Wetterbedingungen zuzuschreiben. Dennoch kann man vor allem dem Weltmeister aus der Schweiz und auch Gabor Talmacsi durchaus einen guten Platz zutrauen.

Sandro Cortese zeigte zuletzt durchaus ansprechende Leistungen, auch wenn die Resultate das nicht bestätigten. Ein Platz in den Punkterängen ist dem Deutschen durchaus zuzutrauen. Die beiden Fahrer im KTM-Junior-Team, Stefan Bradl und Michael Ranseder, sollten auch einmal mit guten Ergebnissen aufwarten können. Sie hatten sechs Rennen, um sich an die Bedingungen in der Weltmeisterschaft anzupassen. Jetzt wäre es an der Zeit, aus der Erfahrung auch Kapital zu schlagen.

250cc

Bei den 250ern wird es spannend zu beobachten, ob Jorge Lorenzo nach dem Sieg in Mugello jetzt wieder mit jener Dominanz zu Werke geht, die er in den ersten beiden WM-Läufen gezeigt hat. Der Rest der Klasse hat sich in den Rennen danach sehr ausgeglichen präsentiert, so dass eigentlich sechs oder sieben Fahrer in Frage kommen, die gewinnen könnten, sollte Lorenzo doch nicht den Turbo zünden. Die Siegkandidaten neben dem Spanier wären: Andrea Dovizioso, Alex de Angelis, Yuki Takahashi, Hiroshi Aoyama, und Roberto Locatelli. Hector Barbera ist wegen eines gebrochenen Arms nicht am Start.

Nicht unter den Favoriten ist Franz Aschenbrenner, der sein zweites Rennen als Ersatzfahrer von Dirk Heidolf bestreitet. In Mugello fuhr der Deutsche ein anständiges Rennen und erreichte das Ziel. Für ihn wird es wichtig sein, seine Zeiten mehr denen an der Spitze anzunähern. Die gute Stimmung des Publikums sollte ihn dabei nicht ablenken, schließlich kennt er das ja schon aus Mugello.


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