Bis vor ein paar Wochen stand Raul Fernandez noch ohne Vertrag für die MotoGP-Saison 2027 da und musste ernsthaft um seine Zukunft in der Königsklasse bangen. Doch eben jene Wochen haben gezeigt, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Mittlerweile muss man Fernandez als ernsthaften Titelanwärter in Betracht ziehen und er scheint gerade erst so richtig angekommen zu sein. Seine Formkurve zeigt über die vergangenen Rennen hinweg konstant nach oben. Greift der Trackhouse-Pilot jetzt sogar noch einmal aktiv in den Titelkampf ein?

Zu diesem und vielen weiteren Themen rund um das Rennwochenende in Silverstone gibt uns MotoGP-Experte Tom Lüthi einen Einblick in unserer neusten Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins:

Marquez klagt über Schulter - Lüthi: Nur ein Teil der Probleme! (36:32 Min.)

Erste Erkenntnis bereits im Warm-Up: „Raul hat bewusst versucht, seinen Reifen zu zerstören“

Im Warm-Up vor dem Rennen versuchte Raul Fernandez gezielt, in den vier möglichen Runden, die Aprilia RS GP an ihre Grenzen zu bringen. „Er hat versucht, im Warm-Up hart zu pushen und den Reifen über das Limit zu bringen. Er wollte ein sogenanntes „Graining“ [Entstehung von Abrieb auf der Reifenoberfläche, d. Red.] provozieren und ihn zerstören“, sagte MotoGP-Experte Tom Lüthi im Interwetten MotoGP Magazin. „Als dies nicht funktionierte, gab es ihm nochmal mehr Selbstvertrauen in sich und das Motorrad.“ Während die Konkurrenz über das gesamte Wochenende hinweg mit Problemen am Hinterreifen zu kämpfen hatte, konnte Fernandez voll auf seine Reifen bauen und dementsprechend mehr Risiko eingehen. Zusammen mit einem guten Start waren dies perfekte Voraussetzungen für seinen Sieg im Rennen.

Raul Fernandez dominiert die MotoGP in Silverstone
Raul Fernandez mit bärenstarkem Auftritt in Silverstone, Foto: IMAGO / CordonPress

Doch war Raul Fernandez nur wegen seiner Reifen so stark oder waren die anderen Fahrer einfach zu sehr im Verwaltungsmodus unterwegs? Zahlreiche Piloten hatten bereits im Sprint am Samstag mit Hinterradproblemen und „Graining“ zu kämpfen. Lüthi meint: „Einige andere Fahrer hatten im Sprint Probleme und waren somit vorsichtiger unterwegs. Marc Marquez war zum Beispiel über das komplette Wochenende nicht in der Lage zu gewinnen und wollte nicht noch einmal so einbrechen mit dem Hinterrad wie bereits am Samstag.“ Viele waren wohl im Sicherheitsmodus unterwegs. Aprilia-Kollege Jorge Martin hatte zudem am Start ein Problem mit dem Ride-Height-Device und verlor dabei wertvolle Sekunden auf Fernandez.

Gewissheit über Zukunft in der MotoGP stärkt Fernandez den Rücken: Leistungen kommen nicht von ungefähr

Einen weiteren Grund für die starken Leistungen von Fernandez sieht Tom Lüthi auch in seinem neuen MotoGP-Vertrag bis 2028. Gestärkt und voller Gewissheit über seine Zukunft kann er nun die zweite Saisonhälfte in Angriff nehmen. „Es geht an keinem spurlos vorbei, wenn man nicht weiß, ob man nächstes Jahr noch in derselben Klasse fährt“, betont Lüthi. „Die Vertragsgespräche sind unterbewusst im Kopf verankert und beeinflussen jeden Menschen. Letztendlich sind es auch nur Menschen, die auf Motorrädern sitzen.“

Noch mehr Infos zu Raul Fernandez und dessen neuem MotoGP-Vertrag bei Trackhouse Racing gibt es im folgenden Artikel: