Ihre Gefühlswelten könnten aktuell kaum unterschiedlicher sein. Während Marc Marquez mit drei Siegen in den letzten vier Grands Prix zum Mann der Stunde aufgestiegen ist, befindet sich Marco Bezzecchis Angriff auf die MotoGP-Weltmeisterschaft 2026 im drastischen Sinkflug. Nach den Vorfällen von Ungarn, Brünn und Assen verletzte er sich am vergangenen Wochenende am Sachsenring auch noch und könnte jetzt sogar den Auftakt zur zweiten Saisonhälfte in Silverstone (7. bis 9. August) verpassen - sehr zur Freude einiger vermeintlicher MotoGP-Fans.

MotoGP-Fans bezeichnen Verletzung von Marco Bezzecchi als Karma

In den sozialen Netzwerken war unter den Posts zur Verletzung von Bezzecchi nämlich häufig ein Wort im Speziellen zu lesen: "Karma". Warum? Ganz einfach: Im vergangenen Herbst war es der Aprilia-Pilot gewesen, der Marc Marquez im Indonesien-GP mit einem etwas übermotivierten Manöver abschoss und so entscheidenden Anteil an dessen abermaliger Schulterverletzung hatte. Speziell bei den Fans des neunmaligen Weltmeisters hatte Bezzecchi, der als VR46-Academy-Mitglied auch noch Schützling von Valentino Rossi ist, seither keinen leichten Stand.

Als sich Bezzecchi am Sachsenring nun selbst verletzte, konnten sie sich ihre Schadenfreude nicht verkneifen. Der 27-Jährige aus Rimini hätte es nicht anders verdient, würde nun den Preis für seine Kollision mit der Nummer 93 in Mandalika zahlen. Deshalb auch die häufige Verwendung des Wortes 'Karma', dessen Ursprung in indischen Religionen wie Hinduismus und Buddhismus liegt. Es sagt aus, dass jede Handlung eine unweigerliche Folge hat - positiv wie negativ. Wer Gutes tut, dem werde selbst Gutes widerfahren. Und wer Schlechtes tut, dem werde auch Schlechtes widerfahren. So einfach die Rechnung und laut einiger MotoGP-Anhänger eben genau das, was Bezzecchi nun widerfuhr. Doch ausgerechnet Marquez hält von dieser Ansicht nur wenig.

Marc Marquez verurteilt Schadenfreude über Bezzecchi-Verletzung

"Karma existiert nicht", machte der Ducati-Pilot seine Ablehnung der schadenfrohen Kommentare gegenüber Bezzecchi deutlich. Und warum er dieser Ansicht ist, erklärte er im Anschluss mit eigenen Erfahrungen. "Ich höre das Wort 'Karma' schon seit 2015 immer wieder und ich habe danach noch sechs Weltmeisterschaften gewonnen. Wenn das also Karma sein soll, dann heiße ich es gerne Willkommen", lachte er in Anspielung auf den 'Sepang-Clash', den ihm so manche Rossi-Fans bis heute nicht verziehen haben.

Marc Marquez hatte auch seit Sepang 2015 viel Grund zur Freude, Foto: MotoGP Press
Marc Marquez hatte auch seit Sepang 2015 viel Grund zur Freude, Foto: MotoGP Press

Danach wurde Marquez aber auch schnell wieder ernst. "Alle Fahrer nehmen dort draußen große Risiken auf sich", erinnerte er. Die Kollision in Mandalika habe er Bezzecchi längst verziehen. "Ich wünsche Marco nur das Beste", stellte er klar. Und weiter: "Ich habe schon nach Indonesien gepostet, dass die Leute nicht auf Marco einschlagen sollen. Diese Dinge passieren beim Rennfahren nun mal."

"Müssen wir in Zukunft verhindern" - Marc Marquez kritisiert MotoGP-Kiesbetten

Abschließend war es Marquez noch ein Anliegen, die Entscheidungsträger der MotoGP in die Verantwortung nehmen. Nicht aber wegen der Kommentare gegen Bezzecchi, sondern wegen dessen Verletzung und ihres Ursprungs. "Da ist etwas passiert, das wir in Zukunft verhindern können", wurde der 33-Jährige aus Cervera deutlich und erinnerte: "Bezzecchi und Fermin [Aldeguer, Anm.] in Assen, ich in Indonesien. Wir alle haben uns an dieser Stufe verletzt, als wir ins Kiesbett gerutscht sind." Gemeint ist damit der unsanfte Übergang zwischen Strecke und Kies, der die Fahrer bei ihrem Eintritt ins Kiesbett in die Luft schleudert und für unsanfte Landungen sorgt. Auch Bruder Alex hatte sich letztes Jahr schon über genau diese Stufe beschwert. "Ich hoffe auf eine gute Erholung für Bezz und darauf, dass wir dieses Problem in Zukunft endlich lösen können", beschloss Marc Marquez seine Ausführungen.

Der MotoGP-Superstar und Marco Bezzecchi waren natürlich auch Thema in der neusten Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins mit unserem Experten Tom Lüthi. Hier könnt ihr euch die Folge zum Deutschland-GP in voller Länger ansehen:

Ogura als WM-Anwärter? Lüthi: Aprilia will Werksteam vorne habe (33:49 Min.)