Barcelona, Mugello, Brünn und Assen - KTM erlebte an vier der letzten sechs MotoGP-Rennwochenenden mindestens einen Defekt. Zumeist rollte Pedro Acosta aus, aber auch Brad Binder und die Tech3-Piloten blieben in den letzten Grands Prix nicht von derartigen Zwischenfällen verschont. "Es ist jetzt Zeit, dass KTM ein paar Antworten liefert", hatte Acosta deshalb schon nach dem Tschechien-GP gefordert - und sein Arbeitgeber würde auch gerne, kann offensichtlich aber nicht.
Denn wie die spanischen Kollegen von 'Motorsport.com' herausgefunden haben, hätte KTM die gerade begonnene Sommerpause eigentlich gerne dazu genutzt, dem Ursprung der eigenen Technikprobleme auf den Grund zu gehen. Dazu hätten die Ingenieure in Mattighofen und Wunderfing die betroffenen Motoren öffnen und inspizieren wollen, um einen genaueren Blick ins Innere ihrer Triebwerke zu werfen.
Nur Aprilia stimmt zu: MotoGP-Rivalen blocken KTM-Vorstoß
Als Hersteller in Concession-Rang C unterliegt KTM jedoch dem Engine-Freeze. Ihre Motoren sind seit Saisonstart in Buriram versiegelt und dürfen nur mit Zustimmung der MSMA - also aller anderen MotoGP-Hersteller - geöffnet werden. Am Sachsenring soll es mehrere Treffen des Herstellerbundes gegeben haben, in dem KTM-Motorsportchef Pit Beirer und Co. die Konkurrenz davon zu überzeugen versuchte, die eigenen Motoren öffnen zu dürfen. Doch es gab offenbar drei Vetos.
"Ich möchte Fabiano Sterlacchini und Massimo Rivola von Aprilia dafür danken, dass sie versuchen, uns zu helfen", verriet Beirer im Gespräch mit 'Sky Italia' dann auch, welcher aktuelle MotoGP-Hersteller KTMs Vorstoß als einziger zugestimmt hatte. Es sind Ducati, Honda und Yamaha, die sich zum Frust der Orangenen querstellen. "Die Situation ist nicht einfach. Innerhalb unserer Motoren stimmt etwas nicht. Wir wissen, dass es bei ein paar Teilen Risiken gibt. Es gibt ein Problem, das wir lösen müssen und dafür würden wir die Sommerpause gerne nutzen", haderte Beirer.
Motorenöffnung ohne Zustimmung? KTM würde Disqualifikation drohen!
Es scheint, als könnte das jetzt aber schwierig werden. Denn was passiert, wenn Motorensiegel ohne Erlaubnis gebrochen werden, hat erst vor einigen Wochen der Fall von Leopard Racing gezeigt. Dort wurde Adrian Fernandez nachträglich von sämtlichen Grands Prix der laufenden Saison disqualifiziert, in denen er mit einem illegalen Motor unterwegs war. KTM wird ein ähnliches Szenario sicher vermeiden wollen, auch wenn die beiden Fälle natürlich ganz anders gelagert sind. Während Leopard die Motoren öffnete, um insgeheim einen unfairen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu erlagen, handelt es sich bei KTM gewiss um eine Frage der Sicherheit.
Wie folgenschwer unerwartete technische Defekte enden können, hat der Katalonien-GP eindrucksvoll gezeigt. Hier kamen Alex Marquez und Co. nur mit ganz viel Glück um das Schlimmste herum. Es sollte also auch im Sinne der MotoGP sein, dass KTM die Zuverlässigkeitsprobleme gelöst bekommt. Womöglich könnte in den kommenden Tagen und Wochen also auch die MGP-Group um CEO Carmelo Ezpeleta noch ein gutes Wort für KTM bei der MSMA einlegen. Die nächsten Gespräche vor Ort wären zwar erst in Silverstone (7. bis 9. August) möglich, aber danach wartet zumindest nochmal eine Pause von drei Wochen auf die Motorrad-WM, ehe es Ende August in Aragon weitergeht. Es ist die letzte mehrwöchige MotoGP-Auszeit bis zum Saisonfinale in Valencia. Wenn noch etwas passieren soll, dann also in diesem Zeitraum.
Doch warum blockieren Ducati, Honda und Yamaha den KTM-Vorstoß eigentlich? Darüber lässt sich aktuell nur Mutmaßen. Die wahrscheinlichste Erklärung: Das Trio fürchtet, dass KTM durch die Lösung der Technikprobleme wieder an Performance gewinnen könnte. Speziell für Ducati ein Problem, wenn sich im engen WM-Kampf an schlechten Tagen noch bis zu vier KTMs zwischen die Aprilias und die eigenen Piloten drängen könnten. Honda und Yamaha wiederum könnten noch seltener auf den vorderen Plätzen auftauchen, wenn ihnen die KTMs künftig wieder davonziehen sollten. Und doch wäre eine Überdenkung der eigenen Position im Sinne der Sicherheit sicher sinnvoll. Zuletzt konnte man sich diesbezüglich ja auch auf eine Anpassung des Grids und den Verzicht der Holeshot-Devices einigen.
Wie das Fazit der MotoGP-Piloten nach den ersten Rennstarts mit vergrößerten Abständen in der Startaufstellung ausfällt, verrät euch Tobias in diesem Artikel:



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