Der heftige Startunfall beim letzten MotoGP-Rennen in Ungarn, in dessen Folge gleich fünf Piloten zu Boden gingen, bleibt auch zwei Wochen später das bestimmende Thema. Am Donnerstag vor dem Tschechien-Grand-Prix äußerte sich nun Auslöser Jorge Martin erstmals öffentlich zur Kollision, nachdem seine Medienrunde am vorletzten Sonntag am Balaton Park noch gestrichen worden war. Der Weltmeister von 2024 zeigte dabei Reue, verteidigte sich aber auch.

Jorge Martin erklärt: So kam es zur Startkollision in Ungarn

"Ich will mich nochmal bei allen involvierten Fahrern und Herstellern entschuldigen. Das war mein erster Gedanke, nachdem ich das Desaster gesehen habe, das ich verursacht hatte. Als Rennfahrer willst du niemals stürzen. Du willst niemals mit anderen Fahrern kollidieren und ganz besonders nicht nach dem, was ich letzte Saison durchgemacht habe. Ich will wirklich niemanden verletzen. Deshalb war es für mich nach diesem Sonntag speziell auch mental schwer zu akzeptieren, was passiert war", begann der 'Martinator' in seiner Medienrunde.

Jorge Martin riss in Ungarn gleich vier Piloten zu Boden, Foto: IMAGO / NurPhoto
Jorge Martin riss in Ungarn gleich vier Piloten zu Boden, Foto: IMAGO / NurPhoto

Wie es genau zum Unfall gekommen war? "Sobald ich die Bremse berührt habe, habe ich die Front etwas verloren. Darum habe ich die Bremse wieder etwas gelöst. Weil das eine Erste-Gang-Kurve war, war ich in dem Moment, indem ich die Bremse wieder gelöst habe, aber viel schneller als alle anderen. Ich habe dann nochmal versucht, zu bremsen. Dabei habe ich die Front aber noch mehr und letztlich auch völlig die Kontrolle verloren. Ich habe dann wirklich gehofft, sie nochmal zurück zu erlangen, aber das war schlicht unmöglich", beschrieb Martin und nahm den Unfall damit klar auf seine Kappe.

Kritik an der Strafe - einer doppelten Longlap-Penalty für den nächsten Grand Prix, an dem er teilnimmt - gab es daher nicht, im Gegenteil. "Es ist schon lustig, denn ich war in der Sicherheitskommission der Erste, der sich für härtere Strafen ausgesprochen hatte, wenn jemand in Kurve eins [im Balaton Park, Anm.] einen Unfall verursachen sollte. Ich war der Erste, der nicht wollte, das genau so etwas passiert", zeigte der gebürtige Madrilene Reue. Anschließend ordnete er aber auch ein: "Das ist Racing. So etwas kann passieren, wir müssen nur aus unseren Fehlern lernen. Vermutlich hätte ich zwei Meter früher bremsen sollen und das nächste Mal, das ich im Balaton Park fahre, werde ich vorsichtiger sein. Aber ich habe nichts Verrücktes gemacht."

Kritik von Aprilia-Boss Massimo Rivola? Jorge Martin reagiert unbekümmert

Eine Ansicht, die sein Boss zuletzt nicht geteilt hatte. Aprilias Racing-CEO Massimo Rivola wurde nach dem Ungarn-GP vielmehr deutlich und sprach von einem Fehler, der einem Weltmeister wie Martin schlicht nicht passieren dürfe. "Das ist seine Meinung und am Ende des Tages darf jeder seine eigene Meinung haben", spielte der WM-Zweite diese Kritik kühl herunter. "Wie gesagt: Ich war der Erste, der nicht wollte, dass so etwas passiert. Es tut mir leid für alle beteiligten Teams und ich werde versuchen, aus meinen Fehlern zu lernen. Aber letztlich ist das Racing. Mal passiert mir das, mal werde ich von anderen Fahrern mitgerissen. Jeder Fahrer kann in einen anderen Fahrer stürzen. Wir müssen einfach nur daraus lernen."

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Ob Martin das getan hat oder noch tun wird, muss aber bezweifelt werden. Im Anschluss stellte die Nummer 89 nämlich auch klar: "Ich werde meinen Hunger dadurch nicht verlieren. Ich werde weiterhin versuchen, in Kurve eins so viele Fahrer wie möglich zu überholen. Das ist mein Instinkt und deshalb werde ich so weitermachen. Wenn ich diese Einstellung eines Tages verliere, kann ich auch zuhause bleiben."

Zuspruch gab es am Donnerstag übrigens von Unfallgegner Fermin Aldeguer. "Jeder Fahrer kann solche Fehler machen. Natürlich ist es nicht schön, wenn du stürzt und vier andere Piloten mit dir nimmst, aber das passiert manchmal. Das ist Racing", sagte der Gresini-Youngster, der allerdings auch als guter Freund des 'Martinators' gilt. Raul Fernandez könnte da vielleicht anderer Meinung sein, der Trackhouse-Pilot konnte am Donnerstag aber erneut nicht über den Unfall sprechen. Seine Medienrunde musste kurzfristig abgesagt werden. Wie Trackhouse bekanntgab, soll sich Fernandez schon seit Mittwoch unwohl fühlen und sich mehreren Tests unterzogen haben. Das Ergebnis dieser ist nicht bekannt, einem Start am Trainingsfreitag in Brünn soll aber nichts im Weg stehen.

Raul Fernandez war eines der Unfallopfer in Ungarn, Foto: IMAGO / NurPhoto
Raul Fernandez war eines der Unfallopfer in Ungarn, Foto: IMAGO / NurPhoto

Nicht bei 100 Prozent sieht sich übrigens auch Martin, der im Vorfeld des Tschechien-GPs über Rückenschmerzen klagte. "Ich hoffe, dass das keine größeren Auswirkungen haben wird. Die Ärzte werden mir im Umgang mit den Schmerzen helfen", gab er zu Protokoll. Mit Blick auf die doppelte Longlap-Penalty scheint ihm am Sonntag also noch eine zweite Bürde zu drohen. Großer Profiteur könnte Marc Marquez werden, der im WM-Kampf dann weiter Boden gutmachen könnte. Vielleicht auch deshalb beschwor Martin abschließend den Aprilia-Teamgeist: "Ich denke, dass es jetzt an der Zeit ist, enger als jemals zuvor zusammenzurücken. Mit eins gegen eins [Martin vs. Marco Bezzecchi, Anm.] behindern wir uns nur gegenseitig, das macht keinen Sinn. Wir müssen intelligent agieren und genau das werde ich jetzt tun."

Was meint ihr: Hat Jorge Martin seine Lektion aus der Startkollision am Balaton Park gelernt? Sagt es uns in den Kommentaren!

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