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MotoGP

Casey Stoner: So will er die MotoGP verbessern

Auch nach seiner Karriere macht sich Casey Stoner Gedanken über die MotoGP. Er hat Ideen für besseres Racing, geringe Kosten und mehr Sicherheit gesammelt.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - 2012 beendete Casey Stoner seine Laufbahn als Rennfahrer in der MotoGP. Anschließend bekleidete er noch Testfahrerrollen für Honda und Ducati, zog sich schließlich aber völlig aus der Königsklasse zurück. Den Sport verfolgt er nach wie vor intensiv. Stoner äußerte sich zuletzt in einer Pressekonferenz in Portimao kritisch über das aktuelle Regelwerk der MotoGP.

Stoner schlägt Regeländerungen vor: Was taugen seine Ideen?: (17:56 Min.)

"Das Reglement ist definitiv nicht so, wie ich mir das wünschen würde. Ich hätte in diesem Bereich gerne etwas zu sagen, auch wenn es sicher zu Kontroversen führen würde", erklärte Stoner. Drei Bereiche sind dem zweifachen MotoGP-Champion dabei besonders wichtig.

Weniger Aerodynamik

Seit Ducati 2015 erstmals Winglets an seine Desmosedici montierte, ist der Aerodynamik-Sektor zu einem der wichtigsten Entwicklungsfelder der MotoGP geworden. Die Hersteller investieren große Summen, um sich hier Vorteile zu erarbeiten. Eine Entwicklung, die Stoner missfällt. Das Wort 'Aerodynamik' nahm er zwar nicht in den Mund. Aus seinen Ausführungen geht aber klar hervor, worüber die MotoGP-Legende spricht.

"Es gibt Dinge in diesem Sport, die nicht nötig sein. Sie tragen definitiv nichts zur Sicherheit bei und lassen die Entwicklungskosten durch die Decke gehen", findet Stoner. "Wir versuchen immer, die MotoGP kosteneffektiver zu machen, gleichzeitig haben wir sie mit diesen Dingen aber praktisch in eine Formel 1 auf zwei Rädern verwandelt. Ich würde das gerne wieder aus unserem Sport verschwinden sehen."

Katar 2007: Keine Spur von Winglets - Foto: Ducati

Weniger Elektronik

"Im Bereich der Elektronik brauchen wir eine strikte Beschränkung", fährt Stoner fort. Seit 2016 sind die teuren Elektronikpakete der einzelnen Hersteller ja verboten und die MotoGP setzt auf eine Einheits-ECU von Magneti Marelli. Die gewünschte Eindämmung des Elektronik-Wildwuchses sei damit aber nicht gelungen, glaubt Stoner: "Die Einheits-ECU war sofort besser als im Jahr zuvor. Es war der nicht der Schritt zurück, den alle erwartet hatten. Genau diesen brauchen wir aber."

Durch die ausgeklügelte Elektronik der MotoGP-Bikes sei das Racing zu eindimensional geworden: "Bei geringerer Unterstützung durch die ECU würden wir mehr Slides und mehr Fehler sehen. Manche Fahrer würden gut starten und dann zurückfallen, andere könnten aufholen. Die Zweikämpfe würden besser werden, weil Überholen nicht nur auf der Bremse möglich wäre. Aktuell kommen alle Fahrer und Motorräder praktisch gleich gut aus der Kurve. Mit weniger Elektronik gäbe es dort Probleme und ein Fahrer könnte seinen Gegner ausbeschleunigen. Das Setup der Motorräder würde auch wieder wichtiger werden. Ich glaube, dass wir hier mit kleinen Anpassungen viel besseres Racing ermöglichen könnten."

Fahrhilfen wie Anti-Wheely-System oder Traktionskontrolle waren für Stoner nie wichtig - Foto: Ducati

Weniger Auslaufzonen, härtere Strafen

Auch das Thema Sicherheit ist Stoner ein großes Anliegen. Vor allem in den kleineren WM-Klassen und Nachwuchsserien musste die Motorradszene in diesem Jahr Tragödien hinnehmen. Mit Jason Dupasquier, Hugo Millan und Dean Berta Vinales verunglückten gleich drei Teenager tödlich. FIM und Dorna haben sich mittlerweile auf Regeländerungen geeinigt. Starterfelder wurden begrenzt und Alterslimits angehoben. Für Stoner aber nur ein Teil der Lösung.

"Ich glaube, dass das Alter der Fahrer nicht allein entscheidend ist. Viele ältere und erfahrene Piloten machen dieselben Fehler. Das liegt daran, dass die Strafen nicht hart genug und auch nicht klar genug sind. Wäre die Rennleitung strenger, müssten sich die Fahrer besser unter Kontrolle haben", ist Stoner überzeugt.

Neue Regeln für mehr Sicherheit: Die richtigen Schritte?: (11:02 Min.)

Er sieht den Grund für die chaotischen Rennen der Moto3 oder ähnlicher Klassen aber auch in den Strecken, auf denen sie ausgetragen werden: "Für mich sind diese riesigen Auslaufzonen das Schlimmste, das dem Motorradrennsport passieren konnte. Es gibt viel zu großen Spielraum. Die Strecke hat praktisch keine Begrenzung mehr, nur etwas grüne Farbe am Rand. Die Fahrer haben dadurch keine Furcht mehr. Sie schieben ihre Gegner einfach von der Fahrbahn, weil dort ja eh noch genug Platz ist. Das hätte es früher, als neben dem Asphalt Gras war, nicht gegeben."