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MotoGP-Analyse: Quartararos berechtigte Ducati-Sorgen

Ducati trumpfte in Portimao groß auf. Das bereitet MotoGP-Weltmeister Fabio Quartararo Sorgen - vor allem in Hinblick auf 2022.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Das MotoGP-Rennen in Portimao gehörte definitiv nicht zu den spannendsten der laufenden Saison. Mit Francesco Bagnaia gab es einen souveränen Sieger, der sich vor einem nicht minder soliden Joan Mir durchsetzte. Erst ab dem dritten Rang wurden offene Duelle ausgefochten, die aber interessante Facetten zu bieten hatten. Vor allem Fabio Quartararo sorgte für Aussagen, die wir in dieser Analyse genauer unter die Lupe nehmen werden.

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Der souveräne Francesco Bagnaia

Francesco Bagnaia ist seit Wochen in Hochform. In Portimao stellte der Italiener dies bereits in den Trainings unter Beweis, in denen er zwei Bestzeiten und zwei zweite Plätze holte. Im Qualifying sicherte er sich im Anschluss seine fünfte Pole Position in Serie und startete im Rennen gut.

So konnte er einen souveränen Start/Ziel-Sieg feiern und schaffte es zum vierten Mal binnen fünf Rennen auf das Podest. Im Soloflug an der Spitze war Bagnaia einmal mehr eine Klasse für sich. Alle seine fliegenden Runden befanden sich in einem Fenster von nur 0,692 Sekunden. Mit einer Rundenzeit von 1:39,467 Minuten als Bestzeit (Lap 5) und einem Wert von 1:40,159 Minuten (Lap 23) als schwächster Zeit. Zum Vergleich: Bagnaias schlechteste fliegende Runde war besser als die schnellste Rennrunde von fünf Fahrern: Valentino Rossi, Stefan Bradl, Franco Morbidelli, Luca Marini und Andrea Dovizioso.

Differenz zwischen bester und schlechtester Runde der Top-5

Fahrer Beste Runde Schlechteste Runde Differenz
Bagnaia 1:39,467 1:40,159 0,692 Sek.
Mir 1:39,5721:40,462 0,890 Sek.
Miller 1:39,5391:40,986 1,447 Sek.
A.Marquez 1:39,6181:40,978 1,360 Sek.
Zarco 1:39,4841:40,577 1,093 Sek.

Gegen Bagnaia war somit am Sonntag kein Kraut gewachsen. Nicht einmal für den ebenfalls souverän agierenden Vorjahres-Weltmeister Joan Mir, der mit Platz zwei sein bestes Ergebnis seit dem ersten Spielberg-Rennen einfahren konnte. Mir war ähnlich konstant wie Bagnaia und brachte sämtliche seiner fliegenden Runden in einem Fenster von 0,890 Sekunden zwischen Zeiten von 1:39,572 (Lap 5) und 1:40,462 Minuten (Lap 20) unter. Dennoch war er nur in sechs der 23 beendeten Runden schneller als Bagnaia, weshalb er bis zum Abbruch 2,478 Sekunden auf den Sieger verloren hatte.

Die Leiden des Fabio Quartararo

Der frischgebackene Weltmeister Fabio Quartararo war in den Trainings auf einem Niveau mit Bagnaia. Er holte beide Bestzeiten am Freitag, landete in FP3 auf dem zweiten Rang und im abschließenden 4. Training immerhin auf Platz 5. Das Qualifying ging allerdings in die Hose, sodass er mit Startplatz 7 sein zweitschlechtestes Quali-Ergebnis der laufenden Saison holte.

Da er in der ersten Runde sogar noch eine Position einbüßte (an Iker Lecuona), erwartete ihn in Portimao ein hartes Rennen. Denn er musste sich über weite Strecken der Renndistanz mit dem Ducati-Duo Jorge Martin und Johann Zarco abmühen. "Ich hätte die Pace von Pecco (Sieger Bagnaia) mitgehen können, aber stattdessen musste ich 15 Runden hinter Martin herfahren, der fast eine Sekunde langsamer war als ich", ärgerte sich der Weltmeister.

Tatsächlich sieht man bei einem Blick auf die Abstandsentwicklung im MotoGP-Rennen von Portimao, dass Quartararo in Runde 2 und 3 sogar kurzzeitig auf Sieger Bagnaia aufholen konnte und im dritten Umlauf sogar zwischenzeitlich die schnellste Rennrunde innehatte. Doch dann fuhr er sich an Jorge Martin fest, der ihm den Weg nach vorne blockierte, weil Quartararo einfach nicht an ihm vorbeikam.

Im Gegenzug konnten die Verfolger sogar aufholen: Zarco konnte binnen sieben Runden nicht nur 1,2 Sekunden Rückstand aufholen, sondern in Lap 12 Quartararo sogar überholen. Auch Pol Espargaro machte Boden gut auf den Weltmeister: Aus 1,8 Sekunden Rückstand in Lap 11 wurden in Runde 20 weniger als fünf Zehntelsekunden. Unter diesem Druck und mit dem Ärger über sein Festhängen hinter Martin und Zarco, übertrieb es Quartararo in der 21. Runde und schied aus.

"Ich habe viel zu spät gebremst und wollte dann einlenken. Ich musste in diesem Moment einfach probieren, wie weit ich es treiben kann", gab er nach dem Rennen zu. Nachdem Quartararo ausgeschieden war, brach "Prellbock" Martin völlig ein. Er verlor in den letzten drei Runden zweieinhalb Sekunden auf Bagnaia und musste Zarco und Pol Espargaro passieren lassen.

Fazit

Bagnaia machte sich mit dem Sieg in Portimao nicht nur selbst zum MotoGP-Vizeweltmeister, sondern fixierte für Ducati damit auch den neuerlichen Gewinn der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Gemeinsam mit Miller schob er das Werksteam zudem in der Team-Wertung vor dem letzten Rennen in Führung vorbei an Yamahas Factory-Truppe. Das Momentum ist eindeutig auf der Seite von Ducati, was vor allem Fabio Quartararo Sorgen machen sollte.

Nach dem Rennen ließ der amtierende Weltmeister daher einmal mehr mit Kritik an seinem Arbeitgeber aufhorchen. Für die MotoGP-Saison 2022 bringt das eine brisante Ausgangsposition. Vor allem, weil über den Winter vermutlich schon die ersten Vertragsgespräche für die Jahre ab 2023 beginnen werden.