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Interview: So arbeitet KTM an Österreichs MotoGP-Star

KTM hat einen Traum: Ein Österreicher soll eine der orangen MotoGP-Maschinen fahren. Wie das klappen soll, verraten zwei führende Köpfe des Projekts.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Spätestens seit dem Vorjahr ist KTM ein Teil der MotoGP-Elite. Fünf Rennen hat man in den letzten beiden Saisons gewonnen, ein erster Titelgewinn in der Königsklasse scheint in absehbarer Zeit machbar. Beim Heimrennen in Spielberg konnte man bereits zwei Mal triumphieren. Doch eines fehlt: Ein österreichischer MotoGP-Star, der die Begeisterung der zigtausenden Fans am Red Bull Ring auf eine neue Stufe hebt.

Aktuell gibt es mit Maximilian Kofler einen Österreicher in der Motorrad-Weltmeisterschaft. Bei bislang 28 Grand-Prix-Starts schaffte er es aber nur drei Mal in die Punkte. Mehr Nachwuchs braucht die Motorradnation, daran gibt es keinen Zweifel. Der Austrian Junior Cup, der 2021 seine Premierensaison feierte, soll zusammen mit der im nächsten Jahr beginnenden MiniGP Series dafür sorgen.

KTM ist als Motorradlieferant und Partner im Austrian Junior Cup engagiert. Motorsport-Magazin.com hat KTM Österreich Geschäftsführer Chris Schipper und Jens Hainbach, Vice President Motorsports Road Racing zum Interview getroffen:

Motorsport-Magazin.com: Was bewegt ein Unternehmen wie KTM dazu, sich als Motorradlieferant in einer Nachwuchsserie wie dem Austrian Junior Cup zu engagieren? Geht es rein darum, junge Fahrer an das Unternehmen zu binden?
Chris Schipper: Das ist gar nicht so wichtig. Natürlich wollen wir zeigen, dass KTM im Rennsport sehr aktiv ist. Viel mehr ist es uns aber ein Anliegen, deutschsprachigen Talenten eine Plattform zu geben, um den Rennsport professionell ausüben zu können und sich weiterzuentwickeln. Das ist unsere Hauptintention. Denn unser Sport bekommt aktuell in den Medien verglichen mit Fußball beispielsweise überhaupt keine Präsenz, obwohl die Jugendlichen hier so viel einsetzen müssen, um ihre Leistungen zu bringen.

Für KTM wäre es natürlich cool, einen österreichischen Fahrer zu haben. Österreich ist aber ein kleines Land. Wäre es da von einem wirtschaftlichen beziehungsweise marketingtechnischen Standpunkt her nicht reizvoller, einen Fahrer aus einem großen Markt wie den USA unter Vertrag zu haben?
Jens Hainbach: Was das Marketing betrifft sicher. Aber man hat ja doch auch eine gewisse Verantwortung gegenüber dem Land, in dem man ansässig ist. Diese wollen wir auch wahrnehmen. Was wäre da also besser, als ein österreichischer Sieger beim österreichischen Grand Prix auf einem österreichischen Motorrad mit österreichischen Partnern. Das war jetzt ganz schön viel Österreich für einen Deutschen, aber das wäre das ideale Szenario.

Chris Schipper: Ich glaube auch nicht, dass für die Autoindustrie die Niederlande besonders reizvoll sind. Dennoch kann ein Fahrer dort eine unglaubliche Fangemeinde mobilisieren.

Also würde KTM tatsächlich wirtschaftlich auf gewisse Vorteile verzichten, um einen Österreicher auf einem seiner Motorräder zu haben?
Chris Schipper: Ja, wenn die Leistung stimmt.

Jens Hainbach: Wir verzichten ja jetzt schon auf wirtschaftliche Vorteile, weil wir in dieses Projekt investieren. Wenn man aber hier nicht den Anfang macht, dann darf man nicht erwarten, dass am Ende etwas dabei herauskommt. Da wir dieses Thema selbst in die Hand nehmen wollen, müssen wir auch investieren.

Chris Schipper: Die Idee zum Austrian Junior Cup ist ja über die vergangenen vier Jahre immer weiter gereift und der Antrieb war stets, was da am MotoGP-Wochenende auf der KTM-Tribüne so los war. Wir hätten niemals gedacht, dass da solche Emotionen entstehen können. Das ist der absolute Wahnsinn. Es wird von Jahr zu Jahr mehr und wir fragen uns natürlich, wie wir das noch steigern können. Wir haben schon zwei MotoGP-Heimrennen gewonnen. Das kann man nur noch toppen, indem man einen Österreicher nach oben bringt. Dafür müssen wir aber erst einmal unten anfangen.

Chris Schipper träumt von einem österreichischen MotoGP-Star - Foto: Michael Jurtin

Es wird dann wohl ein paar Jahre dauern, bis man die Früchte der Arbeit einfahren kann.
Jens Hainbach: Ja. Es ist aber allen Partnern in diesem Projekt klar, dass man nicht einfach nur einmal investieren kann und dann sofort ein Ergebnis hat. Hier braucht es einen langen Atem. Bei KTM haben wir die Rückendeckung unserer Chefs, dass es diesen auch geben wird. Die Historie zeigt ja auch, dass KTM noch in keinem Projekt frühzeitig den Stecker gezogen hat, sondern immer die Ausdauer gehabt hat, um es bis zum Ziel zu führen. So wird es auch hier sein. Jetzt haben wir einmal den Startschuss gesetzt. Es gibt immer viele Leute die sagen: 'Warum haben wir das nicht? Warum können wir dies nicht? Warum tun wir nicht so?' Jetzt sagt eben mal jemand, wie wir es machen.

In der Vergangenheit war auch oft zu hören, dass derartige Projekte mit dem österreichischen Motorsportverband AMF beziehungsweise seinem Vorgänger OSK nur sehr schwer umzusetzen sind. Habt ihr da zuletzt eine Veränderung erkannt?
Chris Schipper: Der Verband hat finanziell gesehen eingeschränkte Möglichkeiten, wobei 'eingeschränkt' schon höflich formuliert ist. Die Bereitschaft etwas zu machen war dort aber immer groß. Egal ob es um Unterstützung bei der Ausarbeitung des Reglements oder um Themen wie die Sportfunktionäre geht. Da wird nicht viel geredet, sondern sofort Bereitschaft hergestellt. Fakt ist: Der Verband kann eine Serie wie den Austrian Junior Cup aus eigener Kraft nicht stemmen. Jetzt gibt es aber Partner wie Red Bull, Projekt Spielberg oder KTM die in unserem Land für Motorsport stehen. Wir liefern quasi die Muskelkraft und der Verband bildet das Skelett.

Jens Hainbach: Man muss sich ja auch immer fragen, was der Verband davon hat. Wir als KTM profitieren davon, aber der Verband kann nicht viel gewinnen. Deshalb brauchen sie Partner, die das bezahlen. Dann kann der Verband Unterstützung leisten. Es braucht alle Parteien, um so ein Projekt auf die Beine zu stellen und erfolgreich zu machen.

Dann könnten wir ja in ein paar Jahren mehr Österreicher als Deutsche in der Motorrad-Weltmeisterschaft sehen.
Jens Hainbach: Wenn es so weiter geht, dann ja. Vielleicht hilft unsere Initiative aber auch dabei, andere Länder oder Verbände aufzurütteln. Sie sehen was wir hier veranstalten und denken sich: 'Das können wir auch!' Oder sie kommen sogar zu uns und man schließt sich zusammen. Dann ist ja allen geholfen. Die Probleme sind wohl in vielen Ländern die gleichen, aber dort fehlt jemand, der trotzdem sagt: 'Wir machen das!' Natürlich sind manche Dinge im kleinen Rahmen auch oft leichter zu realisieren. Dennoch muss so etwas auch in Deutschland funktionieren können.


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