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Sam Lowes wütet gegen Aprilia: Dort arbeiten Idioten

Sam Lowes' MotoGP-Abenteuer mit Aprilia endete in einer Katastrophe. Auch Jahre später wütet der Brite noch gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber.
von Sophie Riga

Motorsport-Magazin.com - Die MotoGP-Saison 2017 war bisher das einzige Jahr, in dem Sam Lowes in der Königsklasse unterwegs war. Die Chance gegeben hatte ihm zu diesem Zeitpunkt Aprilia, die Beziehung zwischen den Italienern und dem Briten endete aber in einer Katastrophe. Bereits nach einem knappen halben Jahr verkündete das Team, dass man im Folgejahr nicht mehr mit Lowes arbeiten werde. Diese Behandlung macht den Briten auch Jahre später noch wütend - und dementsprechend gnadenlos fällt auch heute noch sein Urteil über Aprilia aus.

"Wenn nach mir jemand auf der Aprilia gesessen hätte und es gut gelaufen wäre, würde ich heute anders denken. Aber am Ende ist es immer noch ein Witz", fasst Lowes seine Einstellung gegenüber Aprilia in einem Interview mit 'the-Race.com' knapp vier Jahre nach seinem Aus bei dem italienischen Hersteller zusammen. Seinem Nachfolger Scott Redding erging es ähnlich wie Lowes, auch er wurde nach nur einer Saison vor die Tür gesetzt.

Lowes zeigt sich von der Behandlung seines Landsmannes bei Aprilia enttäuscht, lobt aber dessen Verhalten angesichts seiner schwierigen Situation im Jahr 2018. "Am Ende hat er praktisch nur noch über Aprilia gelacht", erklärt Lowes. "Er hat nach seinem letzten Rennen in Valencia seine Rennkombi in die Menge geworfen. Aber genau so lassen sie dich bei Aprilia fühlen. Jetzt ist er wieder vorne mit dabei, weil er ein beschissen großartiger Fahrer ist."

Sam Lowes über Aprilia: Wer macht sowas?

Auch über das Verhalten Aprilias gegenüber seinen aktuellen Piloten kann Lowes nur den Kopf schütteln. "Sie haben ihre Fahrer für die Saison 2021 bekanntgegeben, ohne sie bekanntzugeben", kommentiert er die Situation um Bradley Smith und Lorenzo Savadori, die sich in der Off-Season als Testfahrer um den freien Platz neben Aleix Espargaro im Werksteam bemühen sollen. Für Lowes eine völlig unbegreifliche Lage.

"Wie kannst du das höchste Level im Rennsport erreichen, dich ein Werksteam nennen und dann sowas machen?", fragt Lowes. "Aber für mich ist es gut, denn das zeigt mir, dass sich dort nichts verbessert hat."

Der Brite holt sogar noch weiter aus und wütet: "Es liegt allein daran, dass dort einige Idioten arbeiten. Idioten, die nur ihren eigenen Arsch retten wollen und nicht verstehen, wie es läuft. Sie respektieren andere Leute nicht, aber Rennsport basiert nun mal auf Respekt. Und sie haben keinen."

Sam Lowes' Zeit in der MotoGP war nur von kurzer Dauer - Foto: Tobias Linke

Smith oder Savadori? Lowes' Entscheidung eindeutig

Genau dieser fehlende Respekt kennzeichnet für Lowes auch die derzeitige Fahrerlage bei Aprilia. Für den Briten steht eindeutig fest, wer den Platz neben dem älteren Espargaro verdient hat. "Es ist nicht nett, was sie Bradley mit der ganzen Situation um Lorenzo antun", findet er. "Wenn man nur diese zwei Fahrer zur Auswahl hat, ist es offensichtlich, dass Bradley den Platz behalten sollte. Das ist ein No-Brainer."

In diesem Zusammenhang spekuliert Lowes über die Gründe Aprilias für ein solches Verhalten: "Es muss bei dieser Entscheidung noch um etwas anderes gehen. Warum würde man sie sonst so verkaufen? Das lässt dich einfach nur dumm aussehen. Die ganze Situation ist sehr seltsam und es tut mir leid für die beiden."

Lowes-Comeback in der MotoGP?

Ein Comeback des Briten bei Aprilia wird es also ganz gewiss nicht geben. Eine Rückkehr in die Königsklasse will Lowes aber dennoch nicht ausschließen. Die Moto2-Saison 2020 war für ihn die erfolgreichste seiner gesamten GP-Karriere, sogar um den WM-Titel in der mittleren Kategorie konnte er mitkämpfen. Mit mittlerweile 30 Jahren wäre es zwar ein spätes Comeback, für Lowes aber durchaus denkbar.

"Das Problem ist, dass ich mittlerweile 30 Jahre alt bin und das Alter immer einen Unterschied macht. Aber wenn ich die Moto2-WM gewinnen könnte, würde die Situation anders aussehen", ist er sich sicher. "Dann hätte ich nochmal eine Chance in der MotoGP. Ich denke, ich würde mich gut schlagen. Ich bin jetzt ein anderer Fahrer als damals. Das Jahr 2020 hat mich sehr verändert."


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