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Höchststrafe für Iannone: Vier Jahre Sperre nach Doping-Fall

Im Doping-Fall Andrea Iannone ist endlich eine Entscheidung gefallen: Der Internationale Sportgerichtshof hat ihn zur Höchststrafe verurteilt.
von Sophie Riga

Motorsport-Magazin.com - Höchststrafe für Andrea Iannone: Nachdem der Italiener monatelang auf ein Ergebnis in seinem Doping-Fall aus dem Vorjahr warten musste, gibt es nun endlich eine Entscheidung. Die dürfte aber weder ihm, noch dem Aprilia-Team gefallen: Der 'Maniac' wurde vom Internationalen Sportgerichtshof CAS für vier Jahre gesperrt und erhält damit die ursprüngliche Höchststrafe.

Das teilte der Motorradweltverband FIM am Dienstagvormittag in einem Statement des CAS mit. Iannone war im Rahmen des letztjährigen Malaysia-GP in Sepang positiv auf das anabole Steroid Nandrolon getestet worden. Für diesen Verstoß gegen die Doping-Statute der FIM hätte der Italiener für maximal vier Jahre gesperrt werden können, der Motorradweltverband drückte die Strafe allerdings auf 18 Monate, da Iannone argumentiere, dass es sich bei diesem Zwischenfall nicht um absichtliches Doping, sondern um eine Kontaminierung von Lebensmitteln gehandelt habe.

Mit dieser Reduzierung seiner Strafe war Iannone allerdings immer noch nicht zufrieden und zog so in letzter Instanz vor den Internationalen Sportgerichtshof, um eine Annullierung seiner Strafe zu fordern. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA mischte sich dann ebenfalls in den Fall ein und forderte vom CAS die ursprüngliche Höchststrafe von vier Jahren für Iannone. Diese beiden Fälle gingen am 15. Oktober 2020 vor den CAS. Knapp einen Monat später gibt es jetzt eine Entscheidung, die nicht zu Iannones Gunsten ausfällt.

"Das CAS-Gremium lehnte die von Andrea Iannone eingelegte Beschwerde ab und bestätigte die der WADA", heißt es in der Presseaussendung deutlich. In Folge dessen wird die Strafe der FIM von 18 Monaten ausgesetzt und die Entscheidung des CAS tritt in Kraft. Das bedeutet für Iannone eine Sperrfrist von vier Jahren, die am 17. Dezember 2019 begonnen hat. Zusätzlich werden ihm alle Punkte, Pokale oder Preise, die er ab dem 1. November 2019 eingefahren hat, aberkannt.

Dies bedeutet auch das Ende von Iannones Karriere als professioneller Rennfahrer. Erst im Januar 2024 dürfte der Italiener, der zu diesem Zeitpunkt dann 34 Jahre alt wäre, wieder an einer Veranstaltung teilnehmen. Zum letzten Mal auf einem Rennmotorrad hat er dann im November 2019 gesessen.

Keine Chance auf erneute Anhörung

Eine Chance, die Entscheidung des CAS noch einmal anzufechten, hat Iannone nicht. Der Internationale Sportgerichtshof ist die letzte Instanz in solchen Belangen, die jetzt getroffene Entscheidung ist endgültig. Damit sind alle Versuche Iannones, seine Karriere im Motorradrennsport am Leben zu halten, gescheitert. Auch Arbeitgeber Aprilia, die bis zuletzt an dem Italiener festhielten, müssen sich nun nach einer Alternative umsehen - und sind damit sehr spät dran.

Als Grund für die kategorische Ablehnung von Iannones Fall gibt der CAS einen klaren Grund an: Der ehemalige MotoGP-Pilot hat während seiner Anhörung keinerlei Beweise oder Indizien vorlegen können, die seine Erklärung unterstützen würden, er habe die verbotene Substanz durch eine Lebensmittelverunreinigung aufgenommen.

"Das CAS-Gremium stellte fest, dass Andrea Iannone weder die genaue Art des von ihm verzehrten Fleisches noch die Herkunft des Fleisches nennen konnte", heißt es in der Erklärung konkret. Ebenfalls konnten weder Iannone, noch die ihn unterstützenden Experten nachweisen, dass überhaupt eine Fleisch-Kontaminierung mit der betroffenen Substanz in Malaysia existiert. "Das Gremium war daher der Ansicht, dass ein Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln begangen wurde", heißt es im Statement weiter.

CAS zweifelt an Iannones Sicht

"Andrea Iannone verließ das Gremium im Wesentlichen mit Protesten der Unschuld, seiner sauberen Bilanz und seinem angeblichen Mangel an Anreiz zu Drogen", gibt das CAS weitere Gründe für die Höchststrafe des Italiener an. "Diese Faktoren reichten jedoch nicht aus, um ein Gleichgewicht in der Wahrscheinlichkeit, dass Iannone nicht absichtlich gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen hat, herzustellen."

"Es ist Aufgabe des Athleten zu beweisen, wie wahrscheinlich sein unbeabsichtigter Verstoß gegen die Anti-Doping-Regelungen war", erinnert der CAS abschließend in seinem Statement. "Iannones Unfähigkeit hierbei bedeutet, dass er einen absichtlichen Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln begangen hat."

Im Klartext heißt das für Iannone: Egal, ob sein Doping-Vergehen nun beabsichtigt war oder nicht, da er letzteres nicht beweisen kann, heißt es für den Internationalen Sportgerichtshof, dass die Aufnahme des Dopingmittels vorsätzlich passiert ist. Und in dieser Annahme ist als Urteil die Höchststrafe ausgesprochen worden.

Aprilia nach Iannone-Urteil auf Fahrersuche

Während Iannones Karriere als professioneller Motorradrennfahrer damit beendet ist, steht für seinen Arbeitgeber Aprilia jetzt die Suche nach einem Ersatz ganz oben auf dem Programm. Bis zuletzt hatte der italienische Hersteller an der Seite von Iannone gestanden, auf ihn gewartet und an seine Unschuld geglaubt. Jetzt bleibt ihnen nichts mehr anderes übrig, als sich nach einer Alternative umzusehen.

Für die kommende Saison kann man auf der einen Seite der Box weiter auf die Dienste von Aleix Espargaro bauen. Auf der anderen Hälfte der Aprilia-Box sieht es hingegen düster aus. Seit Saisonbeginn ersetzte Testpilot Bradley Smith den Italiener, bis er für die letzten drei Saisonrennen in Valencia und Portimao gegen Lorenzo Savadori, ebenfalls Aprilia-Testfahrer, ausgetauscht wurde. Es ist jedoch nicht anzunehmen, dass der Italiener ab 2021 Stammfahrer im italienischen Team werden wird.

Stattdessen steht nun Jorge Lorenzo ganz oben auf der Liste in Noale, nachdem Andrea Dovizioso und Cal Crutchlow, die vormals im Gespräch waren, in den letzten Tagen für einen Platz bei Aprilia ausgeschlossen wurden. Lorenzo bestätigte bereits, dass er sowohl in Verhandlungen mit Yamaha, als auch mit Aprilia steckt.

Aprilia-CEO meldet sich zur Wort

Wenige Stunden nach dem offiziellen Urteil für Iannone meldete sich Aprilia-CEO Massimo Rivola zur Wort: "Solche Entscheidungen müssen akzeptiert werden, auch wenn sogar von einem rein wissenschaftlichen Standpunkt aus viele Fragen aufwerfen", wird der Italiener in einer Presseaussendung seines Herstellers zitiert. "Wir bereuen es nicht, an Andreas Seite gestanden zu haben. Im Gegenteil, wir halten auch jetzt noch zu ihm."

Rivola erinnert weiterhin daran, dass die langen Verhandlungen nicht nur auf Iannone Auswirkungen gehabt haben, sondern auch auf das Unternehmen Aprilia. "Dieses Unterfangen mit seinen langen Wartezeiten hat Aprilia Racing und unsere Strategien für diese und die kommende Saison hart getroffen", gesteht Rivola. "Jetzt müssen wir aber in die Zukunft blicken und so schnell es geht einen bestmöglichen Ersatz finden, der dieses Projekt unterstützt, sodass wir weiter wachsen können."

Iannones Reaktion im Wortlaut

Nach seinem Arbeitgeber Aprilia meldete sich auch Iannone selbst auf seinem Instagram-Account zur Wort. Wir haben für euch das komplette Statement im Wortlaut:

"Heute habe ich die schlimmste Ungerechtigkeit erhalten, die ich mir jemals hätte vorstellen können. Sie haben mir das Herz herausgerissen, mir meine größte Liebe genommen. Kein logischer Sinn für diese Behauptung, begleitet von falschen Fakten."

"Um darüber zu sprechen, wird es einen geeigneten Ort und eine angemessene Zeit geben... weil ich mit Sicherheit nicht aufgebe. Ich wusste, dass ich mich den starken Mächten gegenübersah, aber ich hoffte. Ich hoffte auf intellektuelle Ehrlichkeit und die Bestätigung der Gerechtigkeit. Im Moment leide ich auf dem höchsten Niveau, das ich mir vorstellen kann."

"Wer versucht hat, mein Leben zu zerstören, wird bald verstehen, wie viel Kraft ich in meinem Herzen habe. Die Kraft der Unschuld und vor allem eines reines Gewissens. Ein Urteil kann die Ereignisse ändern, nicht jedoch den MANN."


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