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MotoGP Jerez: Das anstrengendste Rennen der Geschichte?

Mensch und Maschine am absoluten Limit in der Glut von Jerez. MotoGP-Asse klären auf: So anstrengend war es am Sonntag tatsächlich.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Viele Fahrer waren sich nach dem zweiten MotoGP-Rennen in Jerez einig: So anstrengend war noch kein Rennen je zuvor. Bei 37 Grad Lufttemperatur, strahlendem Sonnenschein und um die 60 Grad auf dem Asphalt verwandelte sich der Circuito de Jerez zu einer wahren Gluthölle, die sowohl Mensch als auch Maschine reihenweise ans Limit führte.

Bereits am Samstag vermeldete Michelin mit 61,1 Grad Streckentemperatur einen neuen MotoGP-Rekord. Am Sonntag wies eine eingeblendete Grafik für den Bereich in den Kurven 9 und 10 sogar eine Asphalttemperatur von 63 Grad aus. Nie da gewesene Belastungen für Fahrer, Motorräder und Reifen.

"Das war mit Sicherheit das anstrengendste Rennen in meinem gesamten Leben", sagte etwa Pol Espargaro, der aufgrund der Hitze mit Schwindelgefühl zu kämpfen hatte. "Für mich war das hier viel schlimmer als alles, was wir je in Malaysia oder Thailand erlebt haben. Ich habe noch etwas so Heißes gefühlt. Die Hände brennen regelrecht. Nach 14 Runden war ich durchgekocht."

Startverzicht und Atemprobleme

In der Moto2 gab es sogar einen hitzebedingten Startverzicht: Jesko Raffin konnte nach Kreislaufproblemen nicht antreten. Wie sein Team mitteilte, soll sogar Verdacht auf einen Hitzeschlag bestehen. In den Rennen aller Klassen griffen die Fahrer schon in der Auslaufrunde zu den Wasservorräten, die ihnen teilweise von Marshals gereicht wurden.

Einige Fahrer hatten aufgrund der Temperaturen in Kombination mit der Hitzeabstrahlung der Motorräder sogar Atemprobleme. So gestand Maverick Vinales im Parc ferme keuchend: "Ich habe durch die Hitze vor mir kaum Luft bekommen und war total erledigt." Ein Erlebnis, das auch Espargaro nicht erspart blieb.

Vor allem für die ohnehin schon angeschlagenen Fahrer war das Rennen eine Tortur: So wollte Cal Crutchlow, der erst am Dienstag an der Hand operiert wurde, sein Motorrad in der 16. Runde schon abstellen. "Mein rechter Arm konnte das Motorrad kaum noch im Zaum halten", gab der Brite zu, der das Rennen sofort wieder aufnahm, als ihn sein Team informierte, dass nur noch 13 Piloten aktiv waren.

Dem an der Schulter verletzten Alex Rins erging es kaum besser: "Ich hatte schon Probleme auf dem Weg von der Box in die Startaufstellung, weil es so heiß war. Mit jeder Runde wurden die Schmerzen mehr und ich konnte mich in den letzten sieben Laps kaum noch auf dem Motorrad halten."

Motorschäden und Stürze

Auch von den Bikes forderte die Hitze ihren Tribut: Sowohl Franco Morbidelli als auch Francesco Bagnaia schieden mit Motorschaden aus. Ein Defekt, der in der modernen MotoGP nur noch sehr selten auftritt. Doch Jerez war an diesem Sonntag eben anders.

"Jerez ist immer ein anstrengendes Rennen aber heute war es aufgrund der Temperaturen noch schlimmer. Es war schwierig, sich überhaupt auf dem Motorrad zu halten, daher haben wir auch so viele Stürze gesehen", erklärte Morbidelli.

Mit Brad Binder, Miguel Oliveira, Iker Lecuona, Aleix Espargaro, Danilo Petrucci und Jack Miller verzeichnete tatsächlich fast ein Drittel des Fahrerfeldes Stürze. Morbidelli brachte es auf den Punkt: "Jerez ist immer schwierig, aber mit der enormen Hitze war die Strecke heute Jerez auf Steroiden."


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