MotoGP

MotoGP Sachsenring - Analyse: Marquez wird zum Reifenflüsterer

Extrem hoher Reifenverschleiß bereitete am Sachsenring fast allen Piloten Sorgen, nur nicht dem so aggressiven Marc Marquez. Die Siegesfahrt in der Analyse:
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Schnell, zweikampfstark, mutig - alle Attribute, die man Marc Marquez seit jeher zuweist. Wofür der Repsol-Honda-Pilot bislang nicht unbedingt bekannt war, ist vorsichtiger Umgang mit den Reifen. Durch seinen aggressiven Fahrstil musste Marquez in der Vergangenheit oft eine härtere Mischung als alle anderen Piloten wählen, um die Reifen überhaupt über die Renndistanz zu bringen.

Am Sachsenring hatten vor dem Rennen alle Piloten Sorgen, ob ihre Reifen denn wohl die gesamte Grand-Prix-Länge von 30 Runden durchhalten würden. Viele befürchteten einen massiven Einbruch in der zweiten Rennhälfte, vor allem am Hinterrad. Es war deshalb schon eine kleine Überraschung, dass Marquez da auf die weichste Mischung setzte. Von den Top-Acht im Rennen wählte mit Maverick Vinales nur ein weiterer Fahrer dieses Modell.

Marquez schien einen riskanten Weg zu gehen, doch davon merkte man im gesamten Rennen am Sachsenring nichts. Weder am Heck noch an der Front - hier wählte Marquez die härteste Mischung - geriet der WM-Leader in Schwierigkeiten mit seinen Reifen. "Wir haben alle mit einem extremen Abfall gerechnet, aber ich hatte am Ende sogar noch Reserven. In meinem Fall war der Verschleiß nicht besonders groß und ich musste den Reifen nicht voll ans Limit bringen", stellte Marquez zufrieden fest.

Wie gut sich Marquez' Michelin-Slicks hielten, zeigt ein Blick auf die Rundenzeiten. Marquez fuhr in 1:21.643 Minuten nicht nur den schnellsten Umlauf des Rennens, sondern markierte seine persönliche Bestzeit auch später als jeder andere Fahrer im 23 Mann starken Feld. Marquez Bestzeit kam in Runde 22, Valentino Rossi erreichte seinen Zenit im 19. Umlauf, Jorge Lorenzo weitere zwei Runden früher. Alle anderen Piloten fuhren ihre beste Zeit noch in der ersten Rennhälfte.

Keine Honda-Dominanz, Marquez-Dominanz

Marquez' Sieg am Sachsenring war - einmal mehr - seiner Genialität auf einem Motorrad geschuldet und nicht der Stärke desselbigen. Das beweisen die Leistungen der restlichen Honda-Piloten. Cal Crutchlow versuchte in der Spitzengruppe mitzuhalten, was ihm knapp zehn der 30 Runden gelang. Dann stürzte er aber auf Position fünf liegend aus dem Rennen. Der Grund: Er hatte seinen Vorderreifen völlig überhitzt, um die Pace mitzugehen.

Marquez' Repsol -Teamkollege Dani Pedrosa wurde als zweitbester Honda-Pilot Achter, hatte aber bereits knapp 15 Sekunden Rückstand aufgerissen, ehe Marquez am Ende zum Jubel abdrehte. Pedrosa war somit rund eine halbe Sekunde pro Umlauf langsamer als sein Stallgefährte. Bei 30 Runden und einer Streckenlänge von nur 3,7 Kilometer eine kleine Welt. Die weiteren Honda-Fahrer: Takaaki Nakagami stürzte schon in Runde fünf, die Marc-VDS-Fahrer Tom Lüthi und Stefan Bradl blieben ohne Punkte.

Die restlichen Honda-Piloten hatten im Rennen nichts zu melden - Foto: Repsol

Marquez-Gegner fehlt Konstanz

Während Marquez an der Spitze sein souveränes Rennen fuhr, plagten seine Gegner Probleme unterschiedlichster Art. Jorge Lorenzo war zu Beginn stark, führte das Rennen die ersten zwölf Runden an, erlebte aber am Ende den befürchteten Reifeneinbruch. Das passierte auch Teamkollege Dovizioso, der jedoch davor schon nicht schnell genug war, und Danilo Petrucci. Maverick Vinales war in der zweiten Rennhälfte stark, hatte aber wie schon so oft in dieser Saison Probleme, in der Startphase auf Touren zu kommen. Bis Runde neun wurde er von Startplatz vier bis auf Rang acht durchgereicht, musste sich dann erst wieder auf die dritte Position vorkämpfen. Einzig Valentino Rossi fuhr ein ebenso schnelles wie konstantes Rennen. An der Pace von Marquez biss aber auch er sich die Zähne aus.


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