MotoGP

Meinung - Mehr Strafen in der MotoGP? Ja bitte!

Nachträgliche Strafen sorgen im Rennsport immer wieder für Ärger und Spott. Dass sie aber nicht grundlos existieren, muss die MotoGP gerade feststellen.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Rennserien wie die Formel 1 oder die DTM traten in den vergangenen Jahren eine regelrechte Strafenflut los. Jedes noch so kleine Vergehen wurde geahndet, nicht selten gab man sich damit der Lächerlichkeit preis. Man erinnere sich nur an die Schmierenkomödie rund um DTM-Pilot Mattias Ekström, der 2013 von seinem Team nach dem Sieg am Norisring mit Wasser übergossen wurde, somit gegen die Parc-ferme-Bestimmungen verstoßen hatte und dadurch seinen Sieg verlor. Damals gab es dann übrigens gar keinen Gewinner in diesem Rennen.

Motorsport ist komplex. Viel komplexer als andere Sportarten. Deshalb findet sich für fast jede denkbare Situation und jedes Verhalten ein Paragraph im sportlichen oder technischen Reglement der jeweiligen Serie. Wird dagegen verstoßen, ist streng genommen eine Strafe fällig. Handelt es sich um Lappalien wie im oben angesprochenen Fall, kann im Sinne des Sports durchaus einmal ein Auge zugedrückt werden.

In der MotoGP wurde in der Vergangenheit aber oft mehr als ein Auge zugedrückt. Man muss fast so weit gehen, zu sagen, die Regelhüter wären teils auf beiden Augen blind gewesen. Denn in den letzten Jahren gab es mehr als nur eine Situation, in der Fahrer bestraft werden hätten müssen. Hier geht es nicht um übertriebene Eingriffe in das Geschehen, sondern um Fairness und Sicherheit in einem Sport mit Weltmeisterschaftsprädikat.

MotoGP lässt Zügel zu locker

Wie konnte es aber überhaupt so weit kommen? Die MotoGP gefiel sich in der Rolle als die vielleicht letzte große Motorsportserie, in der noch das gezeigt wurde, was oft und gerne als 'echter' Rennsport bezeichnet wird. Das Feld wurde zu Beginn eines Grand Prix auf die Reise geschickt und wer am Ende als Erster im Ziel war, hatte gewonnen. Einfach, verständlich, ehrlich.

Schön und gut, nur gibt es für diese Herangehensweise Grenzen. Und die wurden mehrmals überschritten, vor allem in gefährlichen Zweikämpfen. Man würde es sich aber zu einfach machen, allein der Rennleitung beziehungsweise den für die Bestrafungen verantwortlichen Stewards die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben. Hier müssen uns auch wir Fans und Journalisten, die eben genau die Härte des Sports und das praktisch vollkommene Fehlen von Bestrafungen jahrelang gefeiert haben, an der eigenen Nase nehmen.

Die Kollision zwischen Marquez und Rossi war nicht das einzige bestrafungswürdige Manöver der jüngeren Geschichte - Foto: MotoGP/Twitter

Spätestens in Argentinien wurde wohl fast jedem Beobachter klar, dass es in dieser Gangart nicht weitergehen konnte. Härtere Strafen wurden daher den Fahrern im freitäglichen Meeting der Safety Commission in Austin angekündigt. Und bereits am Samstag wurde diese Ankündigung in die Tat umgesetzt. Marc Marquez und Pol Espargaro wurden aufgrund einer Blockade gegenüber anderen Fahrern im Qualifying jeweils um drei Startplätze strafversetzt.

Nicht schön, aber richtig. Weil das Bummeln auf der Ideallinie zum einen gefährlich und zum anderen den Mitstreitern gegenüber schlicht und ergreifend unfair ist. Die MotoGP tut also gut daran, den nun eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Eine Strafenflut wie in anderen Rennserien müssen wir deshalb nämlich kaum vermuten. Viel eher werden die Piloten vermehrt von gefährlichem Verhalten absehen und es so gar nicht erst zu Bestrafungen kommen lassen. Somit können wir weiterhin hartes und spektakuläres Racing erleben, in dem aber dennoch Sportsgeist und die Sicherheit der Fahrer an oberster Stelle stehen. Und das kann allen Beteiligten nur recht sein.


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