MotoGP

MotoGP-Blog: KTM? Suzuki? Rossi? Es kommt Schwung in die Kunden

Jahrelang gab es in der MotoGP klare Fronten bei den Kundenteams. Doch jetzt kommt Bewegung rein! Das haben Valentino Rossi und KTM damit zu tun.
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Allzu viel hat sich bei den Kunden-Teams der MotoGP in den vergangenen Jahren nicht getan. Pramac kooperiert seit 2005 mit Ducati, LCR (seit 2006) und Marc VDS (seit 2015) hatten in der Königsklasse noch nie einen anderen Partner als Honda und Tech3 arbeitet seit seinem MotoGP-Debüt im Jahr 2001 mit Yamaha zusammen. Diese Partnerschaft läuft mit Saisonende aus, was ordentlich Schwung in die Landschaft der Kundenteams bringen dürfte.

"Uns wurde ein Deal angeboten, der etwas beinhaltet, was wir uns seit den Anfängen von Tech3 gewünscht haben. Da konnte ich nicht Nein sagen", beteuerte Tech3-Boss Herve Poncharal in jener Presseaussendung, in der das Yamaha-Aus besiegelt wurde. Jahrelang hatte der Franzose beklagt, von Yamaha nur mit Altmaterial versorgt zu werden, während direkte Rivalen von ihren Partnern längst Factory-Material bekamen.

So fuhr Andrea Iannone bei Pramac schon im Jahr 2014 eine vollwertige Werks-Ducati - wie heute Danilo Petrucci. Mittlerweile hat auch Cal Crutchlow bei LCR gleichwertiges Material wie die Factory-Truppe von Repsol Honda. Ducati und Honda zahlen in der Saison 2018 die vollen Gehälter von jeweils vier Fahrern, während Yamaha sich nur Valentino Rossi und Maverick Vinales leisten will und Poncharal für seine Piloten selbst in die Tasche greifen muss.

KTM drängt auf Kundenteam

Nun erhöhen aber andere Hersteller die Schlagzahl, womit man Poncharals Erfolgsmannschaft (mit 26 Podestplätzen das erfolgreichste noch aktive Kundenteam der MotoGP) von Yamaha loseisen konnte. Dass der Franzose ins KTM-Lager wechseln wird, pfeifen die Spatzen bereits von den Dächern. Die Österreicher erfüllen sich damit in ihrer dritten MotoGP-Saison den Traum vom ersten Kunden.

Den hegt ab 2019 auch Suzuki, wie deren Teamchef Davide Brivio nach dem Thailand-Test klarstellte. Pramac und LCR sind wegen ihrer engen Bindungen an Ducati bzw. Honda wohl raus, blieben für Suzuki also Marc VDS, der spanische Nachzügler Avintia und das Angel Nieto Team. Gerade die Belgier von VDS schienen zuletzt mit Honda nicht mehr allzu glücklich. Zudem soll der Vertrag mit Saisonende auslaufen.

Und was ist mit Yamaha? Verzichten die Blauen nach dem Tech3-Aus künftig auf einen Kundenteam und lassen den direkten Rivalen von Honda und Ducati den Wettbewerbsvorteil von jeweils drei Factory-Bikes? Nicht unbedingt, denn das Tech3-Aus sorgt in Kombination mit dem Vertragspoker von Valentino Rossi für eine heiße Spekulation.

Bekommt Rossi sein MotoGP-Team?

Der 39-Jährige könnte sich in seinem neuen Yamaha-Vertrag die Zusage für Kunden-Bikes ab 2020 festschreiben lassen und damit sein VR46-Team auf die MotoGP-Klasse ausweiten. Ob er dann selbst noch ein weiteres Jahr als "fahrender Teamchef" anhängt oder lieber am Kommandostand Platz nimmt, könnte er selbst entscheiden.

Die Sache hat aber einen Haken: Mitte 2015 setzte die GP-Kommission eine Obergrenze von 24 Motorrädern für die MotoGP-Klasse fest. Im Gegenzug garantierte sie allen bestehenden Teams das Startrecht bis inklusive 2021. Neulinge müssten ihre Startplätze einer der arrivierten Mannschaften abkaufen, hieß es damals.

Ob man für ein mögliches Rossi-Team eine Ausnahme machen würde? Oder ob man aktiv einen Deal - mit zum Beispiel dem finanzschwachen Avintia-Team - einfädeln würde? Alles schon da gewesen in der Motorrad-WM. Jedenfalls tut sich etwas in der zuletzt so wenig beweglichen Struktur der Kundenteams. Das ist erfrischend.


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