MotoGP

Kevin Schwantz kritisiert Suzuki-Pilot Andrea Iannone heftig

Sie sind Markenkollegen bei Suzuki: Trotzdem ließ Kevin Schwantz an Suzuki-Pilot Andrea Iannone kein gutes Haar. Der gibt sich zurückhaltend.
von Sophie Riga

Motorsport-Magazin.com - Selber Rennstall hin oder her: MotoGP-Legende Kevin Schwantz ließ zuletzt kein gutes Haar am aktuellen Suzuki-Piloten Andrea Iannone. Für dessen Einstellung und jüngste Ergebnisse hat der 500cc-Weltmeister des Jahres 1993 absolut kein Verständnis.

Aktuell sieht es für Iannone düster aus, mit gerade einmal 28 WM-Punkten nach neun Rennen liegt der Italiener auf dem 16. Rang. Sein Teamkollege Alex Rins, der verletzungsbedingt für einige Rennen ausfiel und keine Punkte sammeln konnte, liegt nicht weit hinter Iannone auf Rang 22. Gerade deshalb sollte Iannone laut Schwantz aber aufdrehen und es besser machen wollen. "Es ist hart, Letzter zu werden", erklärt der langjährige Suzuki-Pilot gegenüber der italienischen 'Gazzetta dello Sport'.

Die Japaner sind zu höflich. Sie entschuldigen sich am Ende des Rennens für ein Ergebnis, aber eigentlich sollte er sich entschuldigen.
Kevin Schwantz

"Aber Iannone hat Erfahrung und sollte mehr arbeiten und beispielsweise mehr Runden als alle anderen bei Testfahrten absolvieren." Während der letzten Tests in Barcelona spulte Iannone weniger Runden ab als der aktuelle WM-Führende Marquez Marquez. "Er sollte fahren und fahren, dann in die Box kommen und mit den Ingenieuren sprechen. Ihnen sagen, wie das Bike funktioniert." Stattdessen könne man laut Schwantz allein an Iannones Körpersprache ablesen, wie unzufrieden er sei.

Nur Beschwerden, keine Lösung

Der Italiener machte aber auch gegenüber Schwantz persönlich klar, wie schlecht es ihm mit der GSX-RR geht. "Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, hat er mir gesagt, dass das Bike nicht stoppt, nicht beschleunigt, nicht wendet", erinnert sich Schwantz. Dabei muss Iannone aber auch zugeben, dass die Suzuki in den letzten Jahren nicht so einen schlechten Eindruck machte wie jetzt. Schwantz ist sich sicher, dass dieser neue Abwärtstrend aber nicht die Schuld des Bikes ist. "Wenn man mit Iannone redet, scheint es so, als hätte das Motorrad keine Stärken, aber das Bike ist eine Evolution von Mavericks Bike aus dem letzten Jahren", erklärt der US-Amerikaner.

Mit der Maschine konnte der jetzige Yamaha-Pilot 2016 immerhin einen Sieg einfahren. Es ist deshalb schwer zu glauben, dass die Suzuki innerhalb eines Jahres zum kompletten Fehlschlag mutiert ist. "Die Japaner sind zu höflich. Sie entschuldigen sich am Ende des Rennens für ein Ergebnis, aber eigentlich sollte er sich entschuldigen", findet Schwantz deshalb harte Worte für Iannone und seine Kritik am Bike.

Woher Iannones fragwürdige Arbeitsmoral kommt, versteht Schwantz nicht wirklich. "Du machst einen Job, von dem tausende Leute träumen. Du hast ein Dutzend Ingenieure, die alles tun, was du ihnen sagst, wenn es Sinn machst, was du sagst", sagt der ehemalige Champion. Einen Erklärungsversuch für Iannone Verhalten hat Schwantz am Ende aber doch: Sein Ausscheiden bei Ducati.

Argentinien 2016: Iannone räumt Teamkollege Dovizioso ab, Pedrosa profitiert - Foto: Repsol

Ducati-Abschied immer noch Problem für Iannone?

Nachdem sich Iannone als Ducati-Werkspilot viele Schnitzer erlaubt hatte und klar war, dass Jorge Lorenzo zur Saison 2017 Interesse am Einstieg in den italienischen Rennstall hatte, entschied man sich in Borgo Panigale für die Trennung von Iannone. Schwantz' These nach trifft das den selbsternannten 'Maniac' noch immer. "Iannone ist verloren", glaubt er. "Ich denke, er leidet darunter, in der Box zu sitzen und zu sehen, welche Ergebnisse die Ducati einfährt."

Vier Jahre saß Iannone auf der Desmosedici, von seinem Einstieg in die Königsklasse 2013 bis zum Rausschmiss im Jahr 2016. Zwei Jahre davon fuhr der Italiener für das Kundenteam Pramac, 2015 folgte dann der Aufstieg ins Werksteam neben Andrea Dovizioso. Schon vor dem Abschied trauerte Iannone seiner Desmosedici hinterher.

Das ist Schwantz' Vermutung nach der Knackpunkt der Beziehung Iannone/Suzuki: "Er will, dass die Suzuki so funktioniert wie die Ducati. Aber das Bike wird nie eine Ducati werden. Irgendwer sollte ihm nahe legen, seinen Job zu machen, was manchmal nicht leicht ist. Ich würde ihm schon sagen, was ich und alle anderen sehen, aber das würde er wohl nicht gern hören wollen."

Nach heftiger Kritik: Iannone antwortet

Viel Kritik, die Iannone da von nur einer Person entgegenschlägt. Der 'Maniac' reagiert darauf nicht gelassen, aber vielleicht erwachsener, als man es von ihm erwartet hätte. Gegenüber der italienischen 'GPOne.com' erwidert Iannone: "Ich habe Kevin immer als Person und Fahrer respektiert, deshalb ist es schade zu hören, was er sagt. Ich hätte es besser gefunden, dass er mir gewisse Dinge direkt ins Gesicht gesagt hätte, da wir uns häufig sehen und für denselben Hersteller arbeiten."

Irgendwer sollte ihm nahe legen, seinen Job zu machen.
Kevin Schwantz

Eigentlich hatte Iannone sogar auf eine noch engere Zusammenarbeit mit der MotoGP-Legende gehofft. "Ich hätte gerne eine Vater-Sohn-Beziehung mit ihm gehabt, aber das ist offensichtlich nicht möglich", gibt Iannone an. "Ich akzeptiere aber seine Kritik und werde ihm meine Antwort auf der Strecke geben." Um Schwantz' Kritik an ihm verstummen zu lassen, wird Iannone wohl aber mehr zulegen müssen als das, was er bisher gezeigt hat.


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