MotoGP

Yamaha-Klatsche am Samstag: Die Hintergründe

Debakel für Yamaha: Im Barcelona-Qualifying mussten alle Fahrer im Q1 ran. Die Gründe für diese schlechte Performance sind vielschichtig.
von Tobias Ebner

Motorsport-Magazin.com - Ein schwieriges Rennwochenende für Yamaha fand am Samstag seine Fortsetzung. Zunächst einmal musste der japanische Hersteller eine bittere Schlappe hinnehmen: Erstmals seit Einführung des aktuellen Modus zur Saison 2013 qualifizierte sich keine einzige M1 direkt für den zweiten Abschnitt. Valentino Rossi, Maverick Vinales, Jonas Folger und Johann Zarco mussten alle vier schon im ersten Segment antreten. Dort kamen dann immerhin Folger und Vinales weiter. Doch die Probleme haben sich damit noch lange nicht in Luft aufgelöst. Besonders zwei Faktoren spielen hier eine große Rolle.

Die Hitze macht der 2017er Yamaha zu schaffen

In Barcelona wartet eine noch heftigere Hitzeschlacht als Anfang Mai in Jerez auf die MotoGP-Cracks. Am Samstag lagen die Temperaturen in der Luft jenseits der 30-Grad-Grenze, die Streckenoberfläche stieg bis zum Qualifying gar auf über 50 Grad Celsius an. Hier hat die Yamaha M1 des Jahrgangs 2017 besondere Schwierigkeiten damit, genügend Grip aufzubauen und den Piloten das nötige Gefühl zu vermitteln.

Das 2016er Bike war einfacher zu fahren, in den Kurven, am Eingang. Alles lief natürlicher ab.
Valentino Rossi

"Es sieht so aus, als hätte die 2016er Yamaha die Reifen unter diesen Bedingungen besser ans Laufen gebracht. Das Bike war auch einfacher zu fahren, in den Kurven, am Eingang. Alles lief natürlicher ab", vergleicht Valentino Rossi, der als einziger Pilot auch schon im Vorjahr auf Yamaha unterwegs war. Zur Erinnerung: Rossi siegte 2016 in Jerez und Barcelona, kam mit der M1 also in der Hitze bestens zurecht.

Rossi, Vinales und Folger suchen verzweifelt Grip

Doch in diesem Jahr ist das anders. Eine Sache eint das Yamaha-Quartett: Die verzweifelte Suche nach Grip. Der fehlt der M1 besonders dann, wenn die Strecke wie in Barcelona über ein niedriges Griplevel verfügt. Besonders Maverick Vinales leidet in dieser Hinsicht., er findet am Heck überhaupt keinen Grip. "Ich habe keinen Grip und deshalb bewegt sich mein Bike so stark. Wenn ich aus der Box fahre, ist es noch stabil, aber schon wenn ich in meine schnelle Runde gehe ist so viel Bewegung drin." Eine Lösung dafür hat man im Vinales-Lager noch nicht gefunden, obwohl man die M1 schon mehrfach auf den Kopf gestellt hat.

Wir haben es mit mehr Gewicht vorne versucht, mit mehr Gewicht hinten, mit langem Radstand, mit kurzem Radstand, aber das Problem blieb immer dasselbe.
Maverick Vinales

"Wir haben in allen Sessions hart am Bike gearbeitet. Wir haben es mit mehr Gewicht auf der Vorderachse versucht, mit mehr Gewicht auf der Hinterachse, mit langem Radstand, mit kurzem Radstand, aber das Problem blieb immer dasselbe", so ein verzweifelter Vinales. Zustimmung erfährt der WM-Leader aber auch von seinen Markenkollegen. Jonas Folger meint: "Ich habe ebenfalls große Probleme", während Valentino Rossi aufgefallen ist: "Seit heute Morgen sieht es so aus, als hätte der Asphalt noch weniger Grip. Das ist ein riesiges Problem für uns."

Reifenwahl ein großes Rätsel

Nun haben Rossi, Vinales, Folger und Zarco noch eine Nacht und das Warm Up, um den Spieß zumindest ein kleines bisschen umzudrehen. Von großer Bedeutung wird hier die Reifenwahl sein. Das komplette MotoGP-Feld klagt über den großen Drop der Michelins, auch wenn Folger schätzt: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir auf Medium 44er-Zeiten fahren werden. Aber ich kann mir vorstellen, dass wir bestimmt fünf Zehntel an Drop haben werden."

Schon von der ersten bis zur siebten Runde sind meine Zeiten um eine Sekunde gefallen.
Maverick Vinales

Diese Einschätzung Folgers gilt noch als sehr großzügig, da man bei anderen Teams und Fahrern mit einem Drop von mehreren Sekunden rechnet. Vinales entgegnet: "Schon von der ersten bis zur siebten Runde sind meine Zeiten um eine Sekunde gefallen." Ähnlich wird es auch dem restlichen Feld ergehen, weshalb die Reifenwahl entscheidend sein wird. Doch auch hier ist Yamaha im Nachteil, glaubt man Rossis Ausführungen.

"Das Problem ist, dass der Medium-Reifen über sechs Runden nicht so schlecht ist, aber im Rennen sind es 25 Runden. Und mit dem harten Reifen waren wir noch nie schnell. Wir haben also die Wahl: Entweder sind wir fünf Runden lang gut dabei und werden dann immer langsamer, oder wir sind das ganze Rennen über konstant langsam", so der Doktor. Findet Yamaha nicht über Nacht den Stein der Weisen, dann dürfen sich Rossi, Vinales, Folger und Zarco also auf ein knochenhartes Rennen gefasst machen.


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