Tipp
MotoGP - Renaissance der Daumenbremse: Was steckt dahinter?

Lorenzo, Marquez und Co. experimentieren

Immer mehr Piloten fordern Daumenbremsen von den Herstellern. Motorsport-Magazin.com erklärt die Gründe für den neuen Trend.
von

Motorsport-Magazin.com - Andrea Dovizioso und Danilo Petrucci nutzen sie bereits, Jorge Lorenzo und Marc Marquez planen, in Zukunft damit zu arbeiten: die Daumenbremse erfreut sich aktuell in der MotoGP wieder großer Beliebtheit. Doch woher kommt die wiedergefundene Begeisterung für ein System, dass Mick Doohan bereits ab 1992 erfolgreich in der Königsklasse einsetzte?

MotoGP-Schräglagen erschweren Bremsen

Der größte Vorteil einer Daumenbremse in der modernen MotoGP liegt in Rechtskurven, die von den Fahrern mit großer Schräglage bewältigt werden. Hier ist die Beweglichkeit des rechten Fußes, der ja zum Betätigen der Hinterradbremse verwendet wird, stark eingeschränkt. Den Piloten ist es oft nur schwer möglich, das dementsprechende Pedal problemlos zu erreichen. Somit bietet die Daumenbremse - ein kleiner Hebel an der linken Seite des Lenkers, der mit dem Daumen nach vorne gedrückt wird - eine interessante Alternative.

Der kleine Hebel mit Doviziosos Startnummer 04 betätigt die Bremse am Hinterrad - Foto: Ducati

Warum planen aber gerade Fahrer wie Jorge Lorenzo oder Marc Marquez nun den Einsatz dieses Systems? Die Gründe sind unterschiedlich. Lorenzo, der die Daumenbremse bei den kommenden Testfahrten auf Phillip Island ausprobieren wird, gestand, dass er seit seinem schweren Sturz in Schanghai 2008, bei dem er sich beide Knöchel brach, nicht mehr über die volle Bewegungsfreiheit im rechten Fuß verfügt, was die bereits beschriebenen Probleme natürlich verstärkt. Seine Beweggründe gleichen also denen von Daumenbremsen-Pionier Mick Doohan, der sich ebenfalls nach einer schweren Beinverletzung umstellen musste.

Wheely zwingen Marquez zu Bremseinsatz

Bei Marquez, der sich die Daumenbremse von Honda wünschte und sie bei den Testfahrten in Sepang auch zur Verfügung hatte, vorerst aber nicht verwendete, könnten hingegen etwas andere Überlegungen eine Rolle spielen. Der amtierende MotoGP-Weltmeister musste bereits im Vorjahr überdurchschnittlich viel mit der Hinterradbremse arbeiten, um die heftigen Wheelys seiner Honda im Griff zu haben. Sollten diese Probleme auch in dieser Saison wieder auftauchen, könnte er sich mit der Daumenbremse in diesem Bereich etwas entlasten.

Wheelys wie diese können durch die Hinterradbremse minimiert werden - Foto: Repsol

Auch dieses System kommt aber nicht ohne Schwachstellen auf. Wie bereits erwähnt bringt eine Daumenbremse vor allem in Rechtskurven mit großen Schräglagen Vorteile. In genau diesen Kurven, lehnen sich die Piloten mit ihrem modernen Fahrstil aber natürlich auch besonders weit von ihren Motorrädern in Richtung der Kurveninnenseite, also nach rechts. Das verlängert logischerweise den Weg bis zum linken Ende des Lenkers, weshalb große Piloten beziehungsweise solche mit längeren Armen deutlich im Vorteil sind.

Bei den aktuellen Schräglagen ist es sehr schwierig, den Hebel mit der Hand zu betätigen. In der Vergangenheit waren die Fahrer viel zentraler auf dem Motorrad. Das hat es einfacher gemacht.
Wilco Zeelenberg

"Bei den aktuellen Schräglagen ist es sehr schwierig, den Hebel mit der Hand zu betätigen. In der Vergangenheit waren die Fahrer viel zentraler auf dem Motorrad. Das hat es einfacher gemacht", erklärte Lorenzos ehemaliger Riding-Coach Wilco Zeelenberg bereits 2015, als Lorenzo erstmals mit der Daumenbremse experimentierte.

Völlig ablösen wird der Bremshebel am Lenker das klassische Pedal für den rechten Fuß aber vorerst definitiv nicht. Auch bereits etablierte Daumenbremser wie Dovizioso oder Petrucci verzögern am Hinterrad nicht ausschließlich mit der Hand, sondern nutzen eine Mischung aus beiden Möglichkeiten.


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter