MotoGP / Hintergrund

MotoGP-Blogs und Fan-Initiativen in Deutschland

Einmal vom MotoGP-Virus infiziert, wollen viele Fans nicht mehr nur zusehen. Ein Social Media Report über deutsche Fan-Blogger:
von Michael Höller

Motorsport-Magazin.com - Sie sind der wahre Rückhalt der MotoGP: die Fans. Dass sie den Ausnahmekönnern wie Valentino Rossi oder Marc Marquez vor dem TV-Schirm oder auf den Tribünen nur zusehen, ist für viele aber nicht genug. Einige eingefleischte Motorrad-Fans wollen ihre Begeisterung auch mit anderen teilen. So organisieren sich im Internet nicht-kommerzielle Facebook-Gruppen oder ganze Fan-Blogs. Im Social-Media-Zeitalter kein Problem!

Motorsport-Magazin.com stellt interessante deutsche Fan-Projekte auf Facebook vor:

Mein MotoGP-Tagebuch

Über 28.000 Fans hat Pal Becker auf seiner Seite "Mein MotoGP-Tagebuch" schon gesammelt und gehört damit zu den größten von Privatpersonen betriebenen MotoGP-Plattformen im deutschsprachigen Raum. Seit Herbst 2012 betreibt er seine Seite und ist somit schon ein "alter Hase" in dem Business. "2003 habe ich mein erstes MotoGP-Rennen gesehen und wurde sofort vom Fieber gepackt", erklärt Becker im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Ich habe dann aber rasch bemerkt, dass man nur schwer an Hintergrundinfos kommt."

"Klar, gibt es die Fachportale wie eures. Aber in den großen TV-Stationen kommt so gut wie nichts. So kam mir die Idee, dass ich für die Leute da draußen im Internet die Infos zusammensuche und denen dann kurz und knapp über meine Seite zukommen lasse." So informiert Becker über die neuesten Gerüchte, über Ergebnisse, TV-Übertragungszeiten und gibt den einen oder anderen witzigen Kommentar zu aktuellen MotoGP-Themen ab.

Längst ist aus "Mein MotoGP-Tagebuch" mehr als ein Hobby geworden. In der vergangenen Saison schenkten seine Fans Becker Tickets für das MotoGP-Rennen in Assen. Weil bei der Aktion mehr Geld als geplant zusammenkam, wurde der Überschuss für wohltätige Zwecke gespendet. Wenige Wochen später traf der bekennende Rossi-Fan sein Idol am Sachsenring persönlich - eingefädelt von Alex Hofmann, für den Becker einst die Facebook-Seite "Alex66 zu Eurosport" startete. "Diese Seite war damals eigentlich der Durchbruch. Da hatten wir binnen kurzer Zeit plötzlich fünfstellige Like-Zahlen." Bis heute steht Becker mit Hofmann in Kontakt.

Eine durchschnittliche Bewertung von 4,8 von 5 Sternen auf Facebook zeigt klar, wie zufrieden die Fans mit Beckers Seite sind. Das weitere Fan-Potenzial der MotoGP in Deutschland sieht er aber als begrenzt an. Die Schuld dafür liege an den großen TV-Stationen: "Auf den großen Sendern kommt gar nichts. Das ist einfach nur lächerlich und armselig. Dort zählt nur Fußball und Formel 1. Motorradsport ist hier eine Randsportart und kann so leider auch nicht groß werden", ärgert sich Becker.

Unser MotoGP-Nachwuchs - Support & Community

Das Logo der Initiative - Foto: Unser MotoGP-Nachwuchs Support & Community

Ein Projekt der etwas anderen Art betreiben Manuela Hippel und Matthias Tammen unter dem Namen "Unser MotoGP-Nachwuchs - Support & Community". Die geschlossene Facebook-Gruppe des Duos umfasst mittlerweile über 2.100 Mitglieder - darunter neben jeder Menge Nachwuchsfahrer und Journalisten auch (ehemalige) WM-Piloten wie Steve Jenkner, Luca Grünwald oder Jesko Raffin.

"2012 kam uns die Idee, diese Gruppe zu gründen", erklärt Tammen im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Damals haben auf Facebook viele gejammert, dass es keine zentrale Anlaufstelle für den Motorrad-Nachwuchs gibt. Daher wollten Manuela und ich eine Plattform schaffen, wo sich die jungen Talente präsentieren und vorstellen können. Mittlerweile haben wir es geschafft, dass der Großteil der nationalen Rennsportszene dort vertreten ist."

So hat es der eine oder andere Fahrer auch bereits geschafft, innerhalb der Facebook-Gruppe Sponsoren zu finden, wie Tammen stolz erzählt. Längst gehen die Aktivitäten der Initiative aber über die sozialen Medien hinaus. So ist man etwa seit Jahren auch auf Motorradmessen präsent. "Im Vorjahr in Dortmund hatten wir an unserem Stand 15 Nachwuchsfahrer aus allen Klassen mit dabei."

Ohne die Privatinitiativen von zum Beispiel Dynavolt, Freudenberg oder Kiefer sähe es ziemlich düster aus.
Mitbegründer Tammen

Die Talentförderung ist aber harte Arbeit, wie Tammen weiß. Im "Autoland Deutschland" hat der Motorradsport für viele Sponsoren keinerlei Bedeutung. Dementsprechend schlecht stehe es auch um den Nachwuchs: "Ohne die Privatinitiativen von zum Beispiel Dynavolt, Freudenberg oder Kiefer sähe es ziemlich düster aus." Immerhin sei der auf Moto3-Bikes ausgetragene "Northern European Cup" des ADAC aber ein Lichtblick. "Viele Teilnehmer, die ich persönlich kenne, waren damit sehr zufrieden", so Tammen.

Motosports24

"Bei mir ging es 2011 los", erklärt Markus Kahl, der Betreiber von "Motosports24", im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Ich war schon immer begeisterter Sportfan und bin damals zufällig bei einer Motorrad-Übertragung auf Sport1 hängen geblieben. Ich fand das auf Anhieb spannender und interessanter als die Formel 1 und war danach vom MotoGP-Fieber gepackt."

Sportfan Kahl begann immer tiefer in den Motorradsport einzutauchen und klickte sich im Internet durch unzählige Texte und blätterte sich durch Fachzeitschriften. "So richtig war ich mit dem Angebot damals aber nicht zufrieden", gesteht er heute. "Es gab zwar viele klassische Nachrichten, aber mir fehlten oft hintergründige Texte. Ich habe dann irgendwann einen Blog begonnen, mit dem ich das Thema MotoGP auf eine andere Art und Weise aufbereiten wollte."

Dem Blog folgte eine Facebook-Seite, auf der Kahl aktuell rund 2.300 Fans hat sowie eine Podcast-Reihe, die sich der Analyse der Rennen widmet. Mittlerweile bietet Kahl auch vor jedem Rennen die "Race Facts" in PDF-Form an oder unterhält in der Weihnachtszeit mit seinem ganz speziellen Adventskalender. Dinge, die man so in der Motorradberichterstattung klassischer Medien sonst nicht sieht. Mittlerweile ist Kahl zum "Semi-Pro" aufgestiegen, der auch schon mal das eine oder andere Rennen als akkreditierter Journalist besucht. "Das passiert natürlich alles in meiner Freizeit neben meiner eigentlichen beruflichen Tätigkeit. Aber es ist schön, wenn dann nach all den Mühen Feedback kommt, dass meine Arbeit den Fans gefällt."

Für massentauglich hält Kahl den Motorradsport in Deutschland allerdings nicht: "Es gibt einen harten Kern an Fans, die sich intensiv dafür interessieren. Allerdings gibt es zu wenige 'Event-Fans', wie man etwa bei Fu0ball-Weltmeisterschaften mobilisieren kann. Diese Gruppe, die man mal so nebenbei für den Sport interessieren kann, sehe ich leider nicht."

Gerüchteküche Motorradsport - Transfermarkt

Seit 2013 existiert auf Facebook ein eigenes Portal für die schönste Seite der Motorrad-Berichterstattung: Transfers und Gerüchte rund um die MotoGP oder Superbike-WM. Über 7.000 Fans hat die "Gerüchteküche Motorradsport - Transfermarkt" bereits gesammelt. "Vor vielen Jahren habe ich eine Excel-Tabelle erstellt, um den Überblick über die vielen Gerüchte und Spekulationen über Transfers zu behalten. Irgendwann hatte ich dann die Idee, diese Tabelle zu veröffentlichen und mit den anderen Fans zu teilen", erklärt der Betreiber der Seite, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Die berühmte Übersichtstabelle mit ihren gelben, weißen und orangen Markierungen gibt es heute noch, doch längst bietet die Seite deutlich mehr an und den Verantwortlichen entgeht kaum noch ein MotoGP-Gerücht, das irgendwo auf dem Planeten aufkeimt. "Mittlerweile macht es mir viel Spaß, gemeinsam mit den anderen Fans über das MotoGP-Transferkarussell zu spekulieren und auch auf ausländischen Seiten nach Gerüchten zu suchen. Die Seite hat schon jetzt alle Erwartungen übertroffen", sagt der Betreiber.


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