MotoGP

Über die MotoGP hinaus denken - Dall'Igna: Motorrad-Industrie braucht Winglets

Zwar sind die Winglets in der MotoGP ab 2017 verboten, aber Ducati-Chef Gigi Dall'Igna glaubt weiterhin an seine Vision - der gesamten Motorrad-Industrie wegen.
von Sophie Riga

Motorsport-Magazin.com - Auch lange nach dem offiziellen Winglet-Verbot für 2016 haben sich die Gemüter bei Ducati immer noch nicht beruhigt. Gigi Dall'Igna, Rennsportchef der Roten, ist sich immer noch sicher, dass die Konkurrenz Ducati Steine in den Weg legen will, da man in Borgo Panigale so einen großen Vorsprung in Sachen Winglet-Entwicklung hat. Doch nicht nur um den eigenen Vorteil ist Dall'Igna Bedacht, der Italiener denkt auch im großen Rahmen. Ein Gedanke, den HRC-Vizechef Shuhei Nakamoto nicht nachvollziehen kann. Vor dem Brünn-GP prallten diese beiden Fronten ein weiteres Mal aufeinander.

Streit um Geld und Winglets

Das Ducati-Team hat die Entwicklung der Winglets ganz klar vorangetrieben. Das italienische Team war das Erste in der Königsklasse, das die Flügelchen überhaupt verwendete. Die Konkurrenz zog nach, doch der Vorsprung Ducatis war laut Dall'Igna einfach zu groß. Deshalb sorgten Honda Und Co. dafür, dass die Innovation in der Aerodynamik verboten wurde. Der Grund: angeblich sind die Flügel zu gefährlich. "Wir haben keine Nachweise, dass die Winglets ein Risiko für die Fahrer sind", beschwert sich Dall'Igna jedoch und teilt heftig gegen die Konkurrenz aus: "Die Sicherheit ist eine der wichtigsten Dinge in diesem Sport. Wir sollten sie nicht dafür verwenden, die Leistung von Gegnern zu schmälern."

Auf der Pressekonferenz in Brünn trafen Dall'Igna und Nakamoto aufeinander - Foto: Ducati

Harte Worte in Richtung HRC und Co., ist sich Dall'Igna doch absolut sicher mit den Flügeln den besten Weg in Sachen Aerodynamik gegangen zu sein. "Wir haben versucht, den einfachsten Deal zwischen Kosten und Sicherheit zu treffen", erklärt der Italiener sein Winglet-Konzept. "Wir werden uns nächstes Jahr über neue Änderungen in der Aerodynamik Gedanken machen. Wir müssen viel Arbeit hineinstecken, aber alle anderen vermutlich auch."

Wir haben versucht, den einfachsten Deal zwischen Kosten und Sicherheit zu treffen.
Gigi Dall'Igna

Zumindest darin ist er sich mit HRC-Vize Nakamoto einig, der als Teil des Honda-Teams nicht unbedingt eine Pro-Winglet-Meinung vertritt. "Es wird eine neue Herausforderung, die Aerodynamik ohne Winglets zu verbessern", gibt Nakamoto zu. "Unsere größte Sorge sind die Kosten." Genau die wollte Dall'Igna mit seiner Konstruktion eigentlich gering halten.

Winglets wichtig für Serien-Motorräder

Doch viel wichtiger als die möglichen Siege in der MotoGP ist dem Ducati-Chef das Wissen über Aerodynamik, dass man mit den Winglets hätte sammeln können. "Die Motorrad-Industrie wird in Zukunft mehr mit Aerodynamik arbeiten müssen", ist sich Dall'Igna sicher. "Es ist sehr wichtig, nicht nur bei Autos, sondern auch bei Straßen-Motorrädern." Genau hier liegen die Meinungen von Ducati und Honda quer. "Ich bin mir nicht sicher, ob die Winglets für die Produktion wichtig sind", überlegt Nakamoto. "In den Formel 1 hat man auch hochentwickelte Technologien, die trotzdem nicht bei normalen Straßenautos genutzt werden."

Das Verbot der Winglets ist schlecht für den Markt, denn wenn wir nicht für die Zukunft entwickeln können, kommen wir nicht weiter und niemand wird mehr erfahren.
Gigi Dall'Igna

Ein Argument, dem Dall'Igna entschieden entgegentritt. "Unsere Winglets sind komplett anders als die der Formel 1", beschwert sich der Ducati-Chef. "Die Ducati-Flügel könnten an einem normalen Straßen-Motorrad zum Einsatz kommen, aber für die Hersteller ist das Wissen das Wichtigste. Im Moment können wir es durch das Verbot aber nicht so erhöhen, wie es notwendig wäre." Damit redet Dall'Igna nicht mehr von sich und seinem Werk, sondern von der kompletten MotoGP. Denn wenn auch viele Leute in diesem Beruf ihre Leidenschaft gefunden haben, so ist die MotoGP doch nichts anderes als ein Feldversuch für Technologie, die irgendwann auf den Markt gebracht werden kann. Im Klartext: Technologie, die Geld bringt. Darum geht es nicht nur den Roten, sondern allen Werken.

Nakamoto konnte mit Honda und Marc Marquez viele Erfolge feiern - Foto: Repsol

"Im Moment ist es uns nicht erlaubt, die Aerodynamik so weiterzuentwickeln, wie es nötig wäre, um sie auch auf die Straßen-Motorräder zu übertragen. Das ist das Hauptproblem", fasst Dall'Igna nochmal zusammen. "Wenn man kein Wissen anhäufen kann, ist das für den Entwickler ein großes Problem. Das Verbot der Winglets ist schlecht für den Markt, denn wenn wir nicht für die Zukunft entwickeln können, kommen wir nicht weiter und niemand wird mehr erfahren", protestiert der Ducati-Chef. Fast klingt es so, als wenn würde die Meinung Dall'Ignas gegen die komplette Motorrad-Industrie stehen.


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