MotoGP

Tausche Wheelspin gegen Wheely - Erklärt: Wie Hondas Probleme im Regen verschwinden

Honda feierte im Regen von Assen den ersten Doppelsieg in dieser Saison. Zwar glücklich, aber nicht zufällig. Motorsport-Magazin.com verrät, warum.
von Markus Zörweg

Motorsport-Magazin.com - Honda hat in dieser Saison trotz der souveränen WM-Führung von Marc Marquez Probleme. Das ist kein Geheimnis. Beim Herausbeschleunigen aus langsamen Kurven sind die Piloten auf der RC213V gegen die Konkurrenz von Yamaha, Ducati und auch Suzuki machtlos. "In diesem Bereich sind wir nur die vierte Kraft", weiß auch Marquez selbst. Das gilt aber nur auf vollkommen trockener Strecke. Ist der Asphalt etwas feucht oder gar nass, sind die Hondas vorne dabei. Das bewies Marquez schon im Flag-to-Flag-Rennen von Argentinien eindrucksvoll und bestätigte es zusammen mit Jack Miller am Sonntag in Assen. Es war der erste Honda-Doppelsieg seit dem Deutschland-Grand-Prix vor fast einem Jahr.

Wir bringen die Power einfach nicht auf die Straße, ohne dass wir Wheelys produzieren.
Marc Marquez

Doch wieso kann Honda im Regen plötzlich gleich schnell beschleunigen wie die Konkurrenz? Der Grund liegt in der Art ihres eigentlichen Problems. Schwierigkeiten am Kurvenausgang kann einerseits zu starkes Durchdrehen, 'Wheelspin' genannt, des Hinterrads verursachen. Andererseits kann auch Wheelying, also das Abheben des Vorderrads, eine Einschränkung darstellen. Bei Honda ist genau das der Fall. "Wir bringen die Power einfach nicht auf die Straße, ohne dass wir Wheelys produzieren", erklärt Marquez.

Vorderrad in der Luft - so war Marquez noch am Samstag unterwegs - Foto: Tobias Linke

Im Regen besteht dieses Problem aber nicht mehr, da der Asphalt weniger Grip bietet und das Vorderrad so nur sehr schwer aufsteigen kann. "Im Regen ist der Wheelspin die größte Schwierigkeit, die man auf einem MotoGP-Bike beherrschen muss. Die Ducatis haben etwa mehr Power, deshalb hatte wohl auch Scott Redding mehr Probleme in diesem Bereich", überlegt Marquez. Pramac-Ducati-Pilot Redding hatte kurz zuvor erklärt, dass er mit seiner GP15 beim Herausbeschleunigen aus der engen Kurve fünf - auf die die lange Gegengerade folgt - kaum Grip fand. Ein riesiger Nachteil.

Honda im Regen problemlos

Reddings Problem kannten die Honda-Piloten nur auf trockener Strecke, wie Rennsieger Jack Miller verrät: "Ich war echt überrascht, wie gut die Beschleunigung im Grand Prix funktioniert hat. Wir hatten das ganze Wochenende Probleme aus Kurve fünf raus, aber im Regen hat sich das Motorrad hier auf einmal großartig angefühlt." Auf trockener Strecke wird das Defizit der Hondas aber weiterhin in vollem Ausmaß vorhanden sein, ist Marquez überzeugt: "Der Kurvenausgang ist und bleibt unsere Schwäche."


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