MotoGP

Was hält die MotoGP in diesem Jahr bereit? - Die Prognosen der Redaktion für die Saison 2016

Die MotoGP-Saison 2016 ist unberechenbar wie kaum eine vor ihr. Die Motorrad-Redakteure von Motorsport-Magazin.com wagen dennoch vier Prognosen.
von Redaktion Motorsport-Magazin.com

Markus' Prognose: Vinales holt den ersten Sieg

Maverick Vinales zeigte bei den Testfahrten auf Phillip Island schon groß auf - Foto: Suzuki

2016 wird das Jahr von Maverick Vinales! Zugegeben, den MotoGP-Weltmeistertitel kann man von ihm wohl noch nicht erwarten. Mit zu viel Erfahrung und wohl auch noch immer überlegenen Material sind die Herren Lorenzo, Rossi oder Marquez ausgestattet. Suzuki hat aber große Fortschritte gemacht, alleine das stufenlose Getriebe sollte Vinales in den 18 Saisonrennen das Leben deutlich leichter machen.

Über welch unglaubliches fahrerisches Talent Vinales verfügt, hat er in den letzten drei Jahren ohnehin bewiesen. 2013 holte er den Weltmeistertitel in der Moto3, im Folgejahr als Rookie in der Moto2 sensationell Gesamtrang drei und auch im Vorjahr ließ er auf der unterlegenen Suzuki immer wieder sein Talent aufblitzen, machte sogar seinem routinierten Teamkollegen Aleix Espargaro das Leben schwer. Dieses Niveau wird Vinales 2016 noch einmal überbieten können und in mindestens einem Rennen ganz oben stehen. Mein Tipp: Phillip Island!

Michaels Prognose: Langweiliger Lorenzo

Jorge Lorenzo enteilt der Konkurrenz - auch 2016? - Foto: Repsol

Auf Sonnenschein folgt Regen, auf eine aufregende Saison eine langweilige. Dieses Muster galt für die letzten vier Titelkämpfe. Lorenzo 2012 und Marquez 2014 machten ihre Titel relativ früh klar, 2013 und 2015 fiel die Entscheidung hingegen erst beim Finale. Nach diesem Schema wäre 2016 wieder Langeweile angesagt und die hat vermutlich einen Namen: Jorge Lorenzo. Mit dem Aufwind des dritten MotoGP-Triumphes im Rücken war der amtierende Weltmeister bei den Wintertests dominant wie nie zuvor.

Ich sehe im Moment keinen, der ihn von Titel Nummer vier abhalten soll. Honda musste die schlimmsten Wintertests seit langem hinnehmen und Marquez/Pedrosa wurden nicht müde, ihre RC213V zu kritisieren. Ducati ist noch lange nicht so weit vom Gesamtsieg zu träumen, muss man zuerst doch die seit 2010 andauernde Sieglosigkeit beenden. Und wer in Maverick Vinales schon jetzt einen ernsthaften Titelkandidaten sieht, sollte verschreibungspflichtige Medikamente in Erwägung ziehen. Bleibt also nur Valentino Rossi. Der wird nur dann ein ernsthafter Titelrivale für Lorenzo, wenn den Weltmeister wieder erneut in jedem zweiten Rennen das Pech heimsucht (Stichwort: verrutschtes Helm-Inlay) oder es bei jedem dritten Grand Prix regnen sollte.

Sophies Prognose: Stoner-Wildcard auf Phillip Island

Casey Stoner könnte noch einmal mit Ducati auf Phillip Island triumphieren - Foto: Milagro

Zweifelt wirklich noch jemand an den Wildcard-Plänen von Casey Stoner? Nach den ersten Testfahrten in Sepang hat der ehemalige Weltmeister wohl Blut geleckt. Man hätte die Testfahrten in Malaysia ja wie geplant durchführen können, aber man hat sich dazu entschieden, Stoner gemeinsam mit seinen ehemaligen Kollegen bei den offiziellen IRTA-Tests antreten zu lassen. Eine Entscheidung, die man bei Ducati sicher nicht ohne Stoners Zustimmen getroffen hat. Der Wunsch, sich mit seinen Konkurrenten zu messen, scheint den Australier nach wie vor zu leiten. Zumal nach dem Katar-GP bereits die zweite Testfahrt des Jahres für Stoner ansteht. Wäre es nicht zu dem Rechen-Fehler seitens Ducati gekommen, hätte Stoner bereits vor Saisonstart zweimal getestet. Bei der Bestätigung des Wechsels hieß es von der Ducati-Spitze, Stoner würde wahrscheinlich zwei- oder dreimal im Jahr testen. Damit wäre seine Pflicht nun schon fast abgegolten.

All das spricht für eine Stoner-Wildcard. Auch die Massen an Fans, die ein Comeback - auch nur ein kurzzeitiges - ihres Idols feiern würden, sprechen dafür. Und warum gerade Phillip Island? Der Grund liegt natürlich auf der Hand. In Australien hat Stoner nach wie vor die meisten Fans. Außerdem den kürzesten Weg, vielleicht sogar noch mehr Aufmerksamkeit als anderswo auf der Welt. Aber es hat noch einen viel einfacheren Grund, warum sich Stoner wohl Phillip Island für einen Wildcard-Einsatz aussuchen würde: Die Strecke liegt ihm einfach. Insgesamt sechs Mal konnte er hier gewinnen. Das hat außer ihm nur Valentino Rossi geschafft. Genug Gründe gibt es also für ein Stoner- Comeback auf Phillip Island.

Tobias' Prognose: Honda so schlecht wie zuletzt 2008

2008 hatten Nicky Hayden und Co. sogar mit den Satelliten-Yamahas zu kämpfen - Foto: Sutton

Honda und die Regelrevolutionen. Der japanische Motorrad-Gigant scheint wieder arge Probleme damit zu haben. 2007 erfolgte die Umstellung von 990ccm auf 800ccm - und prompt war man teilweise nur noch vierte MotoGP-Kraft hinter Ducati, Suzuki und Yamaha. Trotz Updates an der RC212V mitten in der Saison war Hondas Bilanz 2008 am schlechtesten: Zwei Siege und 14 Podiumsplätze holten die Honda-Fahrer Dani Pedrosa, Andrea Dovizioso und Nicky Hayden damals zusammengerechnet.

Vieles spricht dafür, dass Honda 2016 wieder eine Regelrevolution völlig verpennt hat. Die neuen Michelin-Reifen bevorzugen eher die Konkurrenz, und mit der neuen Einheitselektronik fällt der größte Vorteil, den die Japaner in den letzten Jahren hatten, weg. Oben drauf kommt noch der zu aggressive Motor. Ein ähnliches Schreckensszenario wie zu Beginn der 800er-Ära ist damit vorgezeichnet für Honda. Marc Marquez hatte jüngst erklärt: "Du musst am Sonntag zu 100 Prozent bereit sein, sonst wirst du nur Achter, Neunter oder Zehnter." Platzierungen, mit denen man sich 2016 anfreunden muss.


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