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MotoGP

Wer beherrscht das Spiel mit den Medien? - Blog - Geld regiert die Welt

Allein das liebe Geld ist heute entscheidend für einen festen Platz in der Startaufstellung. Talent und Erfahrung sind im 21. Jahrhundert Schall und Rauch.
von Maria Pohlmann
Anthony Wests MotoGP Zeiten scheinen nun definitiv der Vergangenheit anzugehören - Foto: Kawasaki

Geld regiert die Welt und das schon zu prähistorischen Zeiten, als noch fleißig Getreide und Muscheln hin und her getauscht wurden. Leider bleibt auch die Motorradwelt von Geschäften nicht verschont, die aus finanziellen Gründen anstatt von Talent und Sympathie geleitet abgeschlossen werden. Bestes und jüngstes Beispiel dafür ist Anthony West. Dem begabten Australier wurde noch im November für 2012 ein Platz beim Speed Master Team in der MotoGP zugesichert. Allerdings fehlten ihm 250.000 Euro, die er zum Wiederaufstieg mitbringen sollte, also wurde Mattia Pasini vorerst befördert. Gerüchten zufolge hängen aber auch der Italiener und seine Mitgift in der Schwebe. Ob überhaupt irgend ein Pilot bis zu Saisonstart genügend Geld für die Speed-Master-CRT-Maschine aufbringen kann, bleibt abzuwarten.

Dabei war West im GP-Fahrerlager kein fremdes Gesicht und jeder kennt sein Talent und seine langjährige Erfahrung, doch er zog den Kürzeren. "Mein Auto, mein MX Bike und mein Haus standen zum Verkauf, damit ich fahren konnte und ich gab mein Haus sogar als Garantie, sollte ich das Geld nicht zusammen bekommen, aber das war nicht genug", erklärte er im Januar verärgert. West hatte deutlich und zu Recht die Nase voll. "Nur die Reichen können MotoGP/Moto2/Moto3 fahren. Wahrscheinlich werde ich gar nicht mehr fahren und erst einmal nach Australien zurückkehren, um einen normalen Job zu finden", fasste er einen neuen Plan.

Es geht heute nur noch darum, wer das Spiel mit den Medien am besten beherrscht
Kevin Schwantz

Nicht nur die Fans des 30-Jährigen waren empört. Obwohl eigentlich jeder weiß, dass sich auch in der Motorradwelt alles nur ums liebe Geld dreht, saß der Schock schon tief. Schließlich ist Anthony West nicht irgendein dahergelaufener Motorradfahrer, der sich einmal in der großen Klasse versuchen will. Er ist seit 15 Jahren fester Bestandteil im WM-Paddock, sei es bei den Grand Prix' oder in der Supersport, auch wenn der Regenspezialist seinen einzigen Grand-Prix-Sieg 2003 in der 250er Klasse feiern konnte.

Dank der Unterstützung seiner Fans fasste West aber neuen Mut und probierte es in der britischen Superbike Szene. Ein erster Hoffnungsschimmer bot sich beim Swan Yamaha Team. Den Platz schnappte ihm allerdings Noriyuki Haga knapp vor der Nase weg. Inoffiziell habe man gewusst, dass West das größere Talent sei, allerdings ließe sich der Japaner besser vermarkten. West lernte eine neue Lektion: Talent wird total überbewertet. Warum sollte man sich auch für einen Fahrer mit Titelchancen entscheiden, wenn die Merchandising-Artikel nicht ordnungsgemäß über den Ladentisch wandern? Nichts gegen Haga, aber West guckte wieder in die Röhre.

Ein hoher Einsatz - Foto: Speed Academy

Schließlich hatte aber auch er noch Glück und fand für die BSB 2012 einen Platz im Supersonic Team. Ende gut, alles gut? Bleibt zu bezweifeln, dass ein Fahrer nach monatelangen Machtspielchen, Sponsorensuchen und Existenzängsten noch richtig Spaß am Fahren hat. Dabei haben die meisten Motorradpiloten schließlich ihr Hobby zum Beruf gemacht, um jeden Tag fahren zu können und Spaß zu haben. Aber ohne festen Vertrag in der Tasche ist das wohl nur noch eine Traumvorstellung. Geld regiert eben auch die Motorradwelt.

Selbst Valentino Rossi, der definitiv der Fahrer dieser Welt ist, bei dem man die wenigste Angst vor Vermarktungsschwierigkeiten haben muss, fürchtet um seine Zukunft. Sein Vertrag mit Ducati läuft Ende 2012 aus. "Ich hätte gern einen neuen Zweijahresvertrag. Dann werde ich daran denken, Spaß zu haben..." Auch Kevin Schwantz ist sich sicher: "Es geht heute nur noch darum, wer das Spiel mit den Medien am besten beherrscht." Traurig, aber besonders in Wirtschaftskrise-Zeiten muss der Rubel eben Rollen. Just for Fun ist selten geworden, aber wie das folgende Video zeigt, zum Glück noch nicht ganz ausgestorben.

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