Wenn schon kein deutscher Fahrer in der Motorrad-WM mitmischt, so machen wenigstens die deutschen Mechaniker und Ingenieure der Motorsport-Nation alle Ehre. Das Team von Intact GP legte beim Thailand GP einen Traumstart in die neue Saison hin. Sowohl in der Moto2 als auch in der Moto3 waren sie in spannenden Rennen siegreich. Und das Beste: In Zukunft geht da vielleicht sogar noch mehr.
Titel-Trauma von 2025 ad acta gelegt: Manu Gonzalez siegt zum Moto2-Auftakt
Enorm wichtig war der Auftakt-Erfolg vor allem für Manuel Gonzalez. Der Spanier hatte bereits 2025 in Thailand gewonnen und sah daraufhin lange wie der sichere Moto2-Weltmeister aus. Dann erfolgte ein Einbruch und der heutige MotoGP-Rookie Diogo Moreira fing ihn noch ab. Der Traum von Titel und Königsklassenaufstieg war geplatzt. Wie würde 'ManuGasss' auf dieses Trauma reagieren?

Am Sonntag in Buriram gab der Spanier die beeindruckende Antwort. Im Qualifying noch von gelber Flagge ausgebremst, setze er sich in einem von gleich zwei Abbrüchen geprägten Rennen durch. Durch diese wurde die Renndistanz auf nur 7 Runden verringert. "Ich bin super happy, denn ich glaube, das war der härteste Sieg, den ich bisher in der Moto2 errungen habe. Wir hatten ein hartes Wochenende, denn gestern war ein wirklich schwieriger Tag für uns. Aber wir haben es geschafft, die Situation zu retten. Vor allem musste ich geduldig sein und mir überlegen, wie und wann ich überholen sollte", gab er nach seinem Erfolg an.
Jedes Manöver musste in diesem intensiven Sprint-Rennen sitzen. Letztlich schnappte er sich den bis dato führenden Izan Guevara genau zum richtigen Zeitpunkt und verteidigte danach souverän. "Unsere Stärke war das Kurvenverhalten des Motorrads, und das habe ich gut ausgenutzt, um andere Fahrer in den engen Kurven zu überholen", freute sich der WM-Führende. "Die Änderung an Manus Bike für das Rennen war genau was er brauchte und er hat trotz der zwei Rennabbrüche die Nerven behalten und einen starken Sieg eingefahren. Besser kann man es nicht machen", lobte Teamchef Jürgen Lingg Fahrer und Team zurecht.
Pech für Senna Agius: Defekt sorgt für Chancenlosigkeit nach Re-Starts
Auf der anderen Seite der Garage gab es für Senna Agius das gegenteilige Bild. Am Samstag profitierte er im Gegensatz zum Teamkollegen ein wenig von der Gelbphase im Qualifying. Als der Australier die schnellste Zeit gesetzt hatte, durfte die Konkurrenz nicht mehr kontern. Seine erste Pole-Position war die Folge. Leider folgte auf ein bisschen Glück großes Pech. Agius erlitt nur zwei Runden nach dem ersten Start einen Elektronikdefekt. Sein Bike rollte aus und David Alonso konnte nicht mehr ausweichen. Der Kolumbianer kam zu Sturz und wurde vom nachfolgenden Filip Salac getroffen, der ebenfalls nicht mehr reagieren konnte.
Dieser furchtbar anzusehende Unfall löste den ersten von zwei Abbrüchen aus. Glücklicherweise konnte danach Entwarnung bei Alonso gegeben werden. Senna Agius musste seine defekte Maschine zurück in die Box schieben. Dort gelang es seiner Mannschaft tatsächlich, die Kalex nochmal flott zu machen. Doch es gab nichts mehr zu holen. "Leider hatte Senna ein Elektronikproblem und musste dann beim Re-Start von der Boxengasse aus starten. Somit war er chancenlos. Aber hat er an diesem Wochenende sehr eindrucksvoll gezeigt, zu was er fähig ist", bedauerte Jürgen Lingg.
In so wenigen Rennrunden ließ sich mit einer solchen Hypothek nichts mehr reparieren. "Leider musste ich aus der Boxengasse starten und dann gab es noch einmal einen Neustart. In der erneut verkürzten Distanz habe ich so gut es ging aufgeholt. Aber am Ende werfen wir diesen Sonntag in den Papierkorb und starten in Brasilien neu. Wir nehmen viele Stärken von diesem Wochenende mit", konnte Agius die Enttäuschung nur abhaken. Dennoch ist klar, dass hier auf beiden Garagenseiten Spitzenleistungen möglich sind. "Wir haben zwei sehr starke Fahrer, wenn es mal bei einem klemmt, dann liefert der andere", meinte Lingg mit etwas Augenzwinkern. Tatsächlich dürfte das Ziel für das nächste Mal sein, mit beiden Fahrern vorn dabei zu sein.
Nächstes Traum-Debüt bei Intact: David Almansa feiert Sieg im Fotofinish
Ähnlich könnte die Lage bei der Moto3-Abteilung betrachtet werden, wenn auch aus einem anderen Grund. Erneut zeigte Intact GP ein gutes Händchen bei einer Neuverpflichtung. David Almansa galt bisher als eine Art Trainingsweltmeister. In einzelnen Sessions zeigte der Spanier stets auf, doch im Rennen brachte er es nicht zu Ende. Schon beim ersten Rennen mit Intact war das anders. Der erste Karrieresieg beim ersten Rennen mit dem neuen Team und auf einer KTM. Dass dabei sogar Titelfavorit Max Quiles auf der Ziellinie um drei Tausendstel niedergerungen wurde, setzte dem Ganzen die Krone auf.
"Es war ein sehr hartes Rennen bei heißen Bedingungen. Es war schwierig, konzentriert zu bleiben. Ich wusste, dass Maximo mich in der letzten Kurve angreifen würde. Aber ich war gut vorbereitet und habe es geschafft, ihn einzuholen. Das ist ein großartiges Gefühl", berichtete er von seinem Coup. "Im Moment bin ich sprachlos, aber ich möchte mich beim gesamten Team, meiner Familie und allen, die mich unterstützen, bedanken", war der 20-Jährige überwältigt. "Im heutigen Rennen bestätigte David Almansa seine Trainingsleistungen und fuhr fehlerfrei und konstant an der Spitze des Feldes. Außerdem hielt er das Tempo sehr hoch. So konnte nur Maximo Quiles mit ihm mithalten. Der Sieg war knapp, aber verdient, da er in der letzten Kurve taktisch und intelligent reagierte", lobte Teamchef Peter Öttl eine in jeglicher Hinsicht überzeugende Leistung.

David Munoz mit bemerkenswerter Rückkehr, doch er will mehr
Für den anderen Piloten im 'Team-David' hatte der Bayer ebenfalls Lob übrig. "Auch David Munoz zeigte eine außergewöhnliche Leistung. Die erste Hürde war, am Freitag nach dem ersten freien Training die Freigabe vom Rennarzt zu erhalten. Er hat einen konditionellen Rückstand und wurde zudem durch die Schmerzen nach seiner kürzlich erfolgten Operation stark beeinträchtigt", wies er auf eine schwierige Vorgeschichte hin. David Munoz hatte sich beim Rennen in Indonesien 2025 einen schweren Oberschenkelbruch zugezogen. Platz 10 bei der Rückkehr war da aller Ehren wert.
Nur nicht für den Spanier selbst. "Natürlich bin ich von diesem Ergebnis enttäuscht. Aber ich muss zugeben, dass ich während des Rennens nicht mehr hätte tun können. Trotzdem ein großes Dankeschön an mein Team für seine Arbeit und vor allem für die Unterstützung und Hilfe", ließ er uns wissen, dass seine Ansprüche andere sind. Schon bei seinem nächsten Auftritt soll es weiter nach vorn gehen: "Glücklicherweise haben wir jetzt eine etwas längere Pause bis zum nächsten Rennen in Brasilien, wo ich alles tun werde, um mich noch besser zu erholen. Ich kann nur sagen, dass ich aufrichtig hoffe, dann in besserer Form zu sein. Ich bin sicher, dass ich in Brasilien mehr leisten kann."

Nächster Halt Brasilien: Mit vier erfolgreichen Fahrern?
In drei Wochen will Intact GP dann auf der neuen Strecke in Goiania angreifen, am besten mit allen vier Fahrern. Das Potential dazu ist zweifellos vorhanden. Bis zu dieser neuen Herausforderung durfte aber erstmal gefeiert werden. "Glückwunsch ans ganze Team, ein Doppelsieg in der Weltmeisterschaft zum Saisonauftakt ist eine starke Leistung", brachte es Jürgen Lingg auf den Punkt. So kann man eine Weltmeisterschaft mal beginnen.
Auch in Österreich konnten die Fans mit dem Auftakt der Moto3-Saison zufrieden sein. Auch wenn Punkte knapp verpasst wurden, überzeugte Rookie Leo Rammerstorfer bei seinem ersten Auftritt:



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