Moto2

Moto2 Phillip Island 2017: Lüthi, Aegerter und Raffin im Check

Tom Lüthi erleidet in seinem Kampf um den Moto2-Titel einen Rückschlag. Jesko Raffin hingegen glänzt. So lief es für die Schweizer auf Phillip Island:
von Redaktion Motorsport-Magazin.com

Sonntag - Rennen

Jesko Raffin (4.): Das mit Abstand stärkste Rennen seiner bisherigen Moto2-Karriere. Von Platz 9 gestartet, konnte er sich in der Anfangsphase in der Verfolgergruppe positionieren. Gegen Ende konnte er gemeinsam mit Xavi Vierge ausreißen, an die Podestplatzierungen kam er allerdings nicht mehr heran. Viereinhalb Sekunden fehlten letztlich auf den Drittplatzierten Morbidelli. Seinen Punktestand konnte er aber durch das beste Ergebnis seiner Karriere mehr als verdoppeln.

"Vierter in einem Grand Prix, das ist für mich wie ein Sieg. Es ist mein erster wirklicher Erfolg seit ich in der WM dabei bin und ich bedanke mich bei allen, die mich bis hierher unterstützt und mir diesen Erfolg ermöglicht haben. Als ich auf Tom getroffen bin, habe ich nicht lange überlegt. Im Rennen ist er ein Gegner wie jeder andere auch – trotzdem tut es mir natürlich leid für ihn, vor allem was die Weltmeisterschaft angeht. Das heutige Resultat gibt mir Energie für die zwei letzten Rennen dieser Saison. Ich glaube, dieses Wochenende habe ich gezeigt, dass ich den Niveau der WM durchaus gewachsen bin."

Dominique Aegerter (8.): Über weite Strecken war Aegerter gemeinsam mit Raffin und Lüthi in der Kampfgruppe hinter dem Podium unterwegs. Am Ende war Platz 6 in Reichweite, den Aegerter aber im Zielsprint gegen Alex Marquez und Simone Corsi verlor. Platz 8 ist aber das beste - nicht nachträglich gestrichene - Ergebnis seit Mugello.

"Das Rennen begann eigentlich sehr vielversprechend. Nach einem guten Start war ich an der Spitzengruppe dran, bis in der zweiten Runde Marcel (Schrötter) und Pasini unmittelbar vor mir stürzten. Ich musste in dieser Situation höllisch aufpassen, dass ich keinen der Beiden überfahre und beim Ausweichen habe ich gut und gerne zehn Plätze verloren. Anschließend konnte ich zwar wieder etwas aufholen, doch an die erste Verfolgergruppe bin ich nie rangekommen. Es war bis zum Schluss ein riesen Kampf, den ich eigentlich auch für mich entscheiden konnte. Doch bis zur Linie hat mich noch Corsi abgefangen."

Tom Lüthi (10.): Kein gutes Rennen für Tom Lüthi, nachdem er im Warm Up einen schlimmen Abflug zu verkraften hatte: Er konnte sich zu Beginn zwar auf Rang drei festbeißen, verlor aber rasch an Boden auf die Spitzengruppe mit Miguel Oliveira, Brad Binder und seinem Titelrivalen Franco Morbidelli. Zu Mitte des Rennens wurde er von seinen Verfolgern geschluckt. Er kämpfte letztlich in einer Gruppe ab Rang 6, belegte aber nur den 10. Rang. In der Weltmeisterschaft liegt Lüthi nun 29 Punkte hinter Morbidelli und muss in Sepang mindestens fünf Zähler auf diesen gut machen, um seine WM-Chancen bis zum Saisonfinale offen zu halten.

"Ein großes Dankeschön geht an die Ärzte der Clinica Mobile, die ihr Bestes gegeben haben damit ich überhaupt am Rennen teilnehmen konnte. Ich kam an meine persönlichen Grenzen, bin total ausgelaugt und schlichtweg enttäuscht von diesem Wochenende. Der Sturz im Warm up hat mich ernsthaft handicapiert, es tut mir auch leid für alle anderen. Der Aufprall war heftig, das Team hat aber wirklich ein Wunder geschaffen und die Maschine in nur zwei Stunden wieder hingekriegt. Bezüglich der Weltmeisterschaft sieht’s für mich natürlich weniger gut aus, trotzdem hat Frankie noch nicht gewonnen. Nun gilt erstmal absolute Ruhe und Erholung, sodass ich am nächsten Freitag in Malaysia wieder fit bin."

Samstag - Qualifying

Dominique Aegerter (8.): Der Schweizer zeigt sich auf Phillip Island bislang in toller Form. Im Moto2-Qualifying eroberte er den 8. Rang und landete damit vor seinen Landsleuten. 0,644 Sekuden felte auf die Bestzeit und beinahe zwei Zehntelsekunden auf die zweite Reihe.

"Für das Qualifying sah es zunächst düster aus, als es kurz vor Beginn leicht zu regnen begann. Doch der Regen stoppte gleich wieder und die paar feuchten Stellen waren schnell verschwunden. Wir haben daher ein etwas zugewartet und das Qualifying dann sofort mit Slicks begonnen. Mein Gefühl war am Nachmittag besser als am Vormittag, es war in etwa gleich wie gestern. Von dem her war ich in der Lage von Beginn an gute Rundenzeiten zu fahren. Hinsichtlich der Reifenwahl wurden wir allerdings ein wenig überrascht, weil der eigentlich bessere Reifen nicht funktioniert hat. Daher werden wir uns für das Rennen wahrscheinlich für die härtere Option entscheiden. Mit 0,6 Sekunden habe ich in etwa den gleichen Rückstand wie nach den ersten zwei freien Trainings, doch wir waren hinsichtlich der Pace immer gut dabei. Ich gehe mit einem guten Gefühl in den Renntag. Ich will morgen hier richtig angasen."

Jesko Raffin (9.): Zum erst dritten Mal in seiner Karriere steht Jesko Raffin in den ersten drei Reihen einer Moto2-Startaufstellung. Raffin zeigte im Qualifying die beste Leistung seit Argentinien und sicherte sich den 9. Rang. Auf Aegerter fehlten ihm nur 0,038 Sekunden.

"Es war nicht einfach in diesen wechselhaften Wetterbedingungen. Ehrlichgesagt habe ich keine Ahnung, welche Reifen wir für das Rennen verwenden werden, wenn es so ist wie heute. Natürlich bin ich zufrieden mit diesem Tag. Es ist das erste Mal seit Argentinien, dass ich mich für die Startaufstellung in den Top-Ten klassieren kann. Das gibt Selbstvertrauen. Vielen Dank an das ganze Team, das großartig gearbeitet hat. Wir werden nun die Daten analysieren um für morgen die bestmögliche Lösung zu finden."

Tom Lüthi (10.): Der Herausforderer von Franco Morbidelli steht am Sonntag fünf Plätze hinter seinem WM-Rivalen. Tom Lüthi kam im Qualifying nicht über die 10. Position hinaus und war damit sogar nur langsamster aus der geschlossen starken Schweizer Moto2-Fraktion. Lüthi war um sechs Zehntel langsamer als Morbidelli.

"Wir haben schon das ganze Wochenende mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Heute haben wir zwar einen Schritt nach vorne gemacht, aber wir sind noch immer zu langsam. Das Vertrauen zum Vorderrad ist etwas besser, das habe ich schnell gespürt, als ich rausfuhr. Zur Halbzeit des Qualifyings haben wir dann noch etwas ausprobiert, das aber nicht wirklich funktionierte. Es verbleibt nun noch einiges an Arbeit und die Frage des Wetters, die uns erst morgen beantwortet werden wird. Soweit wir informiert sind, wird es wohl regnen."

Freitag - Training

Dominique Aegerter (3.): Starker Auftakt für Dominique Aegerter beim Australien GP 2017 in der Moto2-Klasse. Der Schweizer Fahrer aus dem Kiefer-Rennstall fühlte sich auf Phillip Island auf Anhieb pudelwohl und fuhr in beiden Sessions in die Top-5. Im FP1 sprang für Aegerter Platz fünf heraus, am Nachmittag wurde er gar Zweiter hinter Freitags-Dominator Takaaki Nakagami. Kombiniert schaffte es Aegerter auf Rang drei, da Mattia Pasini im 1. Training noch schneller unterwegs war.

"Es ist natürlich ein tolles Gefühl, auf dieser schnellen Strecke das Wochenende als Drittschnellster zu beginnen. Bisher hatte ich mit schnellen Strecken immer etwas Mühe. Doch heute lief es von Beginn an gut und ich hatte ab der ersten Minute mit dem Motorrad und für die Bedingungen ein super Gefühl. Allerdings bereitet uns die Rundenzeit von Nakagami noch etwas Kopfzerbrechen. 1:33.3 ist wirklich stark und außerdem ist er seine Zeiten alleine gefahren. Auf jeden Fall sind 0,7 Sekunden Rückstand auf ihn für meinen Geschmack zu viel. Morgen müssen wir ganz klar auch dorthin kommen."

Thomas Lüthi (8.): Einen leichten Abwärtstrend musste Thomas Lüthi zum Auftakt auf Phillip Island hinnehmen. Lüthi startete als Sechster im FP1 gut ins Wochenende, konnte daran jedoch im FP2 nicht anknüpfen. Nach einem frühen Sturz in Siberia schaffte es Lüthi nicht, seine Bestzeit vom Vormittag weiter zu drücken. Am Ende wurde es in dieser Session Platz elf, in der kombinierten Tageswertung liegt Lüthi auf Position acht.

"Schon am Vormittag hatte ich kein Gefühl für die Front des Motorrads. Genau deshalb bin ich dann auch gestürzt, ich konnte überhaupt nichts machen. Wenn man so sehr von einem Sturz überrascht wird, ist das alles andere als angenehm. Der Schlag auf den Kopf war ziemlich heftig, ich brauche wohl jetzt eine Nacht um dann morgen für die weiteren Trainings wieder vollkommen fit zu sein. An Arbeit haben wir sicher nicht zu wenig, wir müssen das Motorrad total verändern, damit ich das Gefühl wieder finden kann. Auf einer so schnellen Rennstrecke hat das kleinste Zögern bereits riesige Auswirkungen und Nakagami ist allen anderem mit bereits sechs Zehntel voraus. Er hat damit eine starke Zeit vorgelegt, dafür hat er ein Kompliment verdient."

Jesko Raffin (12.): In ungewohnter Top-Form präsentierte sich Jesko Raffin am Freitag auf Phillip Island. Der dritte Schweizer im Bunde verblüffte mit Leistungen, wie man sie das ganze Jahr noch nicht von ihm gesehen hat. Schon im FP1 kratzte Raffin als Elfter an den Top-10, der Sprung in diesen Bereich gelang dann schließlich als Neunter im FP2. Raffin ließ dabei auch seinen Teamkollegen Thomas Lüthi hinter sich. Kombiniert landete der Schweizer jedoch auf der Zwölf.

"Ich bin sehr zufrieden mit diesem ersten Tag. Es ist immer ein gutes Zeichen, am ersten Tag bereits in die Top-Ten zu fahren. Das gibt einem natürlich einen zusätzlichen Motivationsschub für morgen und genauso für das Rennen am Sonntag. Das zeigt, dass ich durchaus mit dem GP-Niveau mithalten kann. Trotzdem müssen wir natürlich weiterarbeiten, wir müssen am Motorrad noch einiges anpassen. Die Strecke war heute sehr speziell, sie hat sich vom Vormittag zum Nachmittag stark verändert. Das erklärt wohl auch diese ungewöhnlich hohe Anzahl an Stürzen."


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