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Formel E

Formel E London: Alex Lynn siegt nach Strafen-Chaos

Alex Lynn erbt den Formel-E-Sieg in London nach zahlreichen Kollisionen. Boxenstopp-Schachzug von Lucas Di Grassi resultiert in einer Disqualifikation.
von Florian Niedermair
Formel E: Audi sorgt für Boxenstopp-Aufreger in London: (05:27 Min.)

Alex Lynn kommt wie aus dem nichts in London zum ersten Sieg in seiner Formel-E-Karriere. Der Mahindra-Pilot gewinnt dank einer Disqualifikation von Lucas Di Grassi in der britischen Hauptstadt vor dem Mercedes-Pilot Nyck De Vries.

Mercedes-Fahrer Nyck De Vries übernimmt WM-Führung

De Vries holte mit seinem zweiten Platz Big Points im Titelkampf der Elektro-Serie. Vor dem Finale in Berlin liegt er damit in der besten Ausgangslage für den Titel. Und das obwohl De Vries nach einem frühen Zwischenfall für einen Großteil des Rennens mit einer angeschlagenen Aufhängung unterwegs war. Mitch Evans im Jaguar landete auf der dritten Position.

Die Plätze dahinter belegten Robin Frijns, Pascal Wehrlein und Maximilian Günther. Nick Cassidy wurde Siebter. Sergio Sette Camara landete nach der Disqualifikation von Di Grassi auf Platz 8, Vortages-Sieger Jake Dennis sicherte sich trotz einer Durchfahrts-Strafe kurz vor dem Ende des Rennens mit Rang 9 zwei Punkte. Joel Eriksson landete auf P10 und sammelte damit seinen allerersten Zähler in der Formel E.

Audi-Geistesblitz erweist sich als illegal

Das umstrittenste Manöver des Rennens lieferte Lucas Di Grassi. Während der letzten von zwei Safety-Car-Phasen bog der Audi-Pilot ohne Not an die Box ab und kehrte als Führender wieder auf die Strecke zurück. Das war möglich, da die Boxengasse in London kürzer ist als die eigentliche Strecke und das Safety Car in sehr langsamer Fahrt unterwegs war.

Eine Durchfahrt durch die Boxengasse ist per Reglement zwar erlaubt, doch der Fahrer muss an der Box seines Teams mit dem Auto zum vollständigen Stehen kommen. Audi war zunächst sicher, dass di Grassi tatsächlich vollständig auf dem Boxenplatz angehalten hatte, doch die Rennleitung sah das unter Hinzunahme aller verfügbaren Daten anders - und brummte dem Brasilianer eine Durchfahrtsstrafe auf.

Diese Strafe trat der Abt-Audi-Fahrer allerdings nie an, weshalb er disqualifiziert wurde. Alex Lynn überquerte die Ziellinie als Zweiter und krönte sich dank der Disqualifikation von Lucas Di Grassi zum Sieger. Das indische Mahindra-Team feierte den ersten Sieg seit über vier Jahren ausgelassen.

Mercedes im Pech: Vandoorne wird abgeschossen

Polesetter Stoffel Vandoorne sah lange wie der sichere Sieger aus. Doch der Mercedes-Pilot fiel nach der zweiten Safety-Car-Phase hinter Di Grassi auf P2 zurück und wurde anschließend von Oliver Rowland abgeschossen, der sich bei der Anfahrt auf die Haarnadel verbremste. Im Ziel belegte Vandoorne immerhin noch die elfte Position.

Sein Teamkollege Nyck De Vries befand sich damit in der besten Ausgangslage. Doch er hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits verzockt, da er früh im Rennen beide Attack Modes aufgebraucht hatte. Als Resultat daraus büßte er seine Position an Lynn ein.

Doch auch abseits des umstrittenen - und offensichtlich illegalen - Schachzugs von Audi und der Kollision zwischen Vandoorne und Rowland artete das zweite London-Rennen zu einem Chaos e-Prix aus. Bereits auf der ersten Runde fielen Tom Blomqvist, Edoardo Mortara und Alex Sims nach Unfällen weit zurück.

Buemi schießt Rast ab

Rene Rast musste nach einer starken Aufholjagd am Samstag heute mit einem Ausfall vorliebnehmen. Das Rennen des DTM-Champions war bereits nach wenigen Minuten vorbei, als ihn ein Stoß von Sebastien Buemi in die Leitplanken schickte und sein Rennen beendete.

Der beschädigte Bolide von Rast blieb auf der Strecke stehen und löste eine erste Safety-Car-Phase aus. Sebastien Buemi wurde später mit einer 10-Sekunden Stopp-and-Go-Strafe für die Kollision belegt, er fasste also eines der härtesten im Reglement vorgesehenen Strafmaße aus.

Ärger um Andre Lotterer: Porsche-Pilot crasht Titelverteidiger

Die zweite Neutralisation des Rennens wurde nach einer Kollision zwischen Antonio Felix da Costa und Andre Lotterer ausgelöst. Der Portugiese wurde in der elften Runde beim Überholversuch vom Porsche-Fahrer in die Wand gedrückt. Lotterer wurde anschließend mit einer Durchfahrtsstrafe belegt. Lotterer erreichte das Ziel nach dem Absitzen dieser Strafe immerhin noch auf der 18. Position.

Für die letzte Gelbphase des Rennens sorgten Sam Bird und Norman Nato, die wenige Minuten vor dem Rennende kollidierten. Beide konnten allerdings den ePrix fortsetzen und erlaubten somit ein Rennende unter grüner Flagge.

Formel E 2021: Stand nach 13 von 15 Rennen

Position Fahrer Team Punkte
1 Nyck De Vries Mercedes-EQ 95
2 Robin Frijns Envision Virgin 90
3 Sam Bird Jaguar 81
4 Jake Dennis BMW i Andretti 81
5 Antonio Felix da Costa DS Techeetah 80
6 Alex Lynn Mahindra 78
7 Nick Cassidy Envision Virgin 76
8 Mitch Evans Jaguar 75
9 Edoardo Mortara Venturi 74
10 Rene Rast Audi Sport Abt 72
11 Pascal Wehrlein Porsche 71
12 Jean Eric Vergne DS Techeetah 68
13 Stoffel Vandoorne Mercedes-EQ 63
14 Lucas Di Grassi* Audi Sport Abt 62
15 Maximilian Günther BMW i Andretti 62
16 Oliver Rowland Nissan e-dams 59
17 Andre Lotterer Porsche 45
18 Alexander Sims Mahindra 44
19 Nico Müller Dragon / Penske 30
20 Sebastien Buemi Nissan e-dams 20
21 Norman Nato Venturi 17
22 Sergio Sette Camara Dragon / Penske 16
23 Oliver Turvey NIO 333 13
24 Tom Blomqvist NIO 333 5
25 Joel Eriksson Dragon / Penske 1

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