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Formel E

Formel E, Gesamtwertung: Ein ständiges Auf und Ab

Die Formel-E-Saison 2021 hat fast ihre Halbzeit erreicht. Nach sieben Rennen lagen vier unterschiedliche Fahrer in der Gesamtwertung vorne.
von Daniel Geradtz

Motorsport-Magazin.com - Nach dem Monaco ePrix hat die Formel E fast die Halbzeit der Saison 2021 erreicht. Die Piloten der Elektrorennserie haben sieben Rennen absolviert, acht weitere sieht der Kalender aktuell noch vor. In Puebla (19./20. Juni), New York (10./11. Juli), London (24./25. Juli) und Berlin (14./15. August) stehen noch vier Double-Header auf dem Programm. Robin Frijns, der aktuelle Führende in der Gesamtwertung, ist der vierte WM-Leader des Jahres. Er liegt mit 62 Punkten vorne. Innerhalb von zehn Punkten folgen mit Nyck de Vries (57 Punkte), Mitch Evans (54 Punkte) und Antonio Felix da Costa (52 Punkte) drei Verfolger.

Der Virgin-Pilot fühlt sich an eine Situation aus der fünften Saison erinnert. 2019 führte er nach dem Paris ePrix die Gesamtwertung an und fiel im Anschluss nach vier punktlosen Rennen in Folge auf die fünfte Position zurück. Die Titelhoffnungen musste er vor dem Saisonfinale in New York mit zwei Rennen begraben. Durch seinen Sieg im letzten ePrix der Saison verbesserte er sich noch auf die vierte Position in der Meisterschaftswertung.

"Damals habe ich auch die Meisterschaft angeführt und hatte danach drei oder vier Ausfälle", sagt Frijns. "Ich hoffe, nun immer Punkte sammeln zu können. Wenn es Platz fünf wird, wird es Platz fünf. Wenn nur Position acht drin ist, wird es Position acht. Wir müssen das Maximum aus jedem Wochenende herausholen und hoffen, dass wir am Ende noch im Rennen um die Meisterschaft sind."

Beim Rennen in Monaco am vergangenen Samstag meldete sich auch Antonio Felix da Costa im Titelkampf zurück. Der amtierende Champion lag vor dem siebten Saisonrennen 33 Punkte hinter Spitzenreiter de Vries. Mit insgesamt 28 Punkten, die der Techeetah-fahrer für die Pole Position und den Sieg erhielt, verkürzte er seinen Rückstand auf zehn Punkte.

"Ich habe mir in diesem Jahr ein bisschen Druck gemacht, ein gutes Ergebnis zu erreichen, speziell nach dem Meisterschaftsgewinn in der vergangenen Saison", sagte der Portugiese nach seinem sechsten Rennsieg in der Formel E. "Ich wollte hier gewinnen und habe diese Woche mit einem Sportpsychologen zusammengearbeitet. Wir sind es Schritt für Schritt angegangen und ich habe es hier geschafft, alles zusammenzubringen."

De Vries führt Gesamtwertung nach Rennen 1 an

Zu Beginn der Saison übernahm Nyck de Vries beim ersten Rennen in Diriyah die Spitzenposition in der Gesamtwertung. Der Mercedes-Fahrer erlebte einen nahezu tadellosen Auftakt. Neben 25 WM-Zählern für den Sieg verbuchte er auch einen Zusatzpunkt für die Bestzeit in der Gruppenphase der Qualifikation und drei zusätzliche Punkte für die Bestzeit in der Super-Pole. Einzig den Sonderpunkt für die schnellste Rennrunde verpasste er. Der ging an Rene Rast im Audi.

Im zweiten Rennen verteidigte de Vries seine Position in der WM-Wertung trotz einer erheblich geringeren Punkteausbeute. Er gewann lediglich zwei Punkte für den neunten Platz sowie den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde hinzu.

Bird wird in Rom WM-Leader

Sam Bird, der sich mit dem Sieg im zweiten Diriyah-Rennen auf die Verfolgerposition nach vorne schob, übernahm mit einem Sieg beim Samstagsrennen in Rom die WM-Führung. In der Schlussphase des zweiten Rennens in der italienischen Hauptstadt war auf Platz neun liegend in einen Unfall mit de Vries verwickelt und schied aus. Trotz der Nullrunde behielt er den ersten Platz in der Gesamtwertung.

Beim Energie-Poker in Valencia bewies Mercedes ein glückliches Händchen. Als dem halben Teilnehmerfeld die Leistung ausging, siegte de Vries, der im Rennen lange Zeit auf der zweiten Position lag. Er profitierte davon, dass sich der in Führung liegende Antonio Felix da Costa in langsamer Fahrt bis zur Ziellinie schleppte. De Vries' Teamkollege Stoffel Vandoorne wurde Dritter. Die beiden Piloten der Elektro-Silberpfeile übernahmen die Führung in der Gesamtwertung. Daran änderte sich auch sonntags nichts, als zum ersten Mal in diesem Jahr beide Fahrer punktlos blieben. Auch beim Monaco ePrix am vergangenen Samstag gewannen die Mercedes-Fahrer keine Punkte hinzu. Das gab ihren Verfolgern die Gelegenheit, aufzuschließen.

"Die Hälfte der Saisonrennen liegt nun bereits hinter uns, weswegen wir es uns nicht erlauben können, noch mehr an Boden zu verlieren", sagte Mercedes-Teamchef Ian James nach dem Rennen in Monaco. "Wir werden jetzt alles im Detail analysieren und jeden Aspekt studieren, der zu diesen Problemen geführt haben könnte. Aber warum genau hatten wir heute einen schlechten Tag? Es gibt immer mehrere Erklärungen für Ergebnisse wie diese, besonders, wenn man in mehreren Sessions sein Potenzial nicht ausreizen konnte. Aber am Ende ist keine davon gut genug, wenn man sie nicht umsetzen kann - dann werden sie nur zu Entschuldigungen. Jetzt müssen wir hoffen, oder besser gesagt, sicherstellen, dass dies unser letzter Renntag mit solchen Rückschlägen bleibt."

Vor dem Beginn der zweiten Saisonhälfte sind die Top-6 der Gesamtwertung durch weniger als 15 Punkte getrennt. In Monaco blieben sieben Piloten der zuvor elf besten Fahrer in der Meisterschaft punktlos. Der Kampf um dem ersten WM-Titel der Formel-E-Geschichte ist damit noch lange nicht entschieden.

In der Elektrorennserie trägt die anhand des WM-Stands vorgenommene Zuordnung der Qualifying-Gruppen erheblich zur ausgeglichenen Situation an der Spitze der Gesamtwertung bei. Die sechs Fahrer mit den meisten WM-Punkten treten in der ersten Gruppe an. Es folgen die dahinter Platzierten in der zweiten Gruppe. Dieses Prozedere wird auch mit den restlichen Piloten fortgesetzt, sodass sich die letzten sechs der Meisterschaftswertung in der letzten Gruppe qualifizieren und in der Regel die besten Streckenbedingungen vorfinden. Die Verbesserung der Asphaltbeschaffenheit ist auf den Straßenkursen der Formel E zum Teil eklatant. In Valencia verstärkte ein Regenschauer vor dem Qualifying diesen Effekt. Auf der permanenten Rennstrecke spielte die Streckenverbesserung aufgrund des hohen Gripniveaus nur eine untergeordnete Rolle.


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