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Formel E

Audi gibt Formel E Startlizenz zurück: Kein Nachfolger gefunden

Audi gibt seine Startlizenz nach dem Ausstieg Ende 2021 an die Formel E zurück - kein Nachfolger gefunden. Zukunft von Einsatzteam Abt Sportsline offen.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Wie es mit der Startplatz-Lizenz von Audi im Zuge des angekündigten Werksausstieges nach der Saison 2021 weitergeht, liegt jetzt allein in den Händen der Formel E. Denn: Der Hersteller aus Ingolstadt hat seine Lizenz kostenfrei an die Formel-E-Organisation zurückgegeben statt die Rechte an einen anderen Interessenten weiterzuverkaufen. Das Fachportal The Race berichtete zuerst darüber.

Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com führten die Audi-Verantwortlichen Gespräche mit potenziellen Kandidaten. Bis zu einer bestimmten Frist, die vor dem anstehenden Saisonauftakt in Saudi-Arabien abgelaufen ist, konnte jedoch kein Nachfolger gefunden werden. Damit verzichtet Audi gleichzeitig auf einen möglichen finanziellen Ausgleich für die Weitergabe der Lizenz. In der Formel E gibt es per Reglement maximal zwölf Startplätze.

Audi bestätigt Lizenz-Rückgabe an Formel E

"Wie in den Regularien vorgesehen geben wir die Formel-E-Lizenz nach Saison 7 zurück an die Formula E Organisation", teilt ein Audi-Sprecher auf Anfrage von Motorsport-Magazin.com mit. "Damit endet der erfolgreiche Einsatz mit unserem eigenen Werksteam Audi Sport ABT Schaeffler. Der von Audi entwickelte Antriebsstrang inklusive der Audi MGU05 ist auch für Saison 8 homologiert und wird vom Kundenteam Envision Virgin Racing eingesetzt."

Hätte ein anderer Hersteller oder Unternehmen die Audi-Lizenz abgekauft, hätte er sich zu einem Einsatz in der Saison 8 (2021/22) verpflichten müssen. Ein ungünstiger Zeitpunkt: Ab der Saison 9 (2022/23) beginnt eine neue technische Ära in der Formel E mit der Einführung des Gen3-Autos. Aus Kostengründen hatten sich die aktuellen Hersteller entschieden, für die Saisons 7 und 8 nur einmalig einen neuen Antriebsstrang zu homologieren. Audi nimmt seine letzte Saison mit einem erstmals komplett im eigenen Haus entwickelten Antriebsstrang in Angriff.

Audi engagierte sich seit dem Serienbeginn 2014 in der Formel E, in den ersten Jahren allerdings durch das Privatteam Abt Sportsline. Erst 2017 übernahmen die Ingolstädter den Startplatz als Werksmannschaft und holten 2018 den Team-Titel. Es war der zweite große Erfolg nach dem Gewinn der Fahrer-Meisterschaft durch Lucas di Grassi 2017.

Wie geht es mit Abt in der Formel E weiter?

Wie es nach der Entscheidung von Audi mit dem Team Abt Sportsline weitergeht, ist nach Informationen von Motorsport-Magazin.com noch nicht entschieden. Klar ist nur, dass die Mannschaft aus Kempten künftig nicht mehr für Audi die Einsätze in der Formel E durchführen wird. Eine Fortsetzung des Engagements wäre ab Saison 8 mit einem anderen Hersteller möglich.

Im Zuge des Audi-Werksausstieges Ende November 2020 hatte sich Abt-Chef Hans-Jürgen Abt noch kämpferisch gezeigt. "Wir führen intensive Gespräche und versuchen alles, damit es weitergeht", sagte er der Bild-Zeitung. "Wir sind seit 60 Jahren im Motorsport, davon 20 Jahre in der DTM. Das ist Verpflichtung und Verantwortung. Vor allem auch für unsere 56 Mitarbeiter, die wir allein im Sport beschäftigen. Und erst recht in diesen Zeiten. Man hört nicht einfach auf, weil der Hersteller sich zurückzieht! Und Widerstände habe ich schon immer als Herausforderung gesehen."

Die Formel E sucht nun selbst nach einem Nachfolger für Audi. McLaren hat sich bereits die Option für einen Einstieg ab der Saison 2022/23 gesichert. Denkbar wäre bei den Briten ein ähnliches Modell wie im Falle von Mercedes. Die Stuttgarter schickten in der Saison 2018/19 den langjährigen Partner HWA mit einem Venturi-Kundenmotor als Vorhut vor, bevor die Werksmannschaft zur Saison 2019/20 die Startlizenz übernahm. Laut Formel-E-Mitgründer Alberto Longo gebe es eine lange Liste an Interessenten für einen Startplatz in der Formel E.

Abt: Formel-E-Pioniere aus Kempten

Abt-Audi zählt zu den Pionieren der Formel-E-Geschichte und ist seit dem ersten ePrix 2014 in Peking am Start. In den bisherigen 69 Rennen erzielten Lucas di Grassi, Daniel Abt und dessen Nachfolger Rene Rast zusammen zwölf Siege, 43 Podestplätze und fünf Pole Positions. Der Brasilianer di Grassi hat mit 32 Podiumsplatzierungen die meisten aller Fahrer auf dem Konto und führt auch in der ewigen Punktetabelle. 2021 bestreiten di Grassi und der dreifache DTM-Champion Rast die letzte Saison von Audi in der Formel E.

Rast kurz vor dem Saisonstart in Saudi-Arabien am kommenden Freitagabend zu Motorsport-Magazin.com: "Mit Blick auf meine Karriere wird die Formel E keinen großen Einfluss haben, wenn es bei diesem einem Jahr bleibt. Ich habe in den letzten Jahren gezeigt, dass ich Rennfahren und mit den großen Jungs mithalten kann. Die Formel E ist eine eigene Art von Motorsport. Wenn man sich anschaut, wer erfolgreich war, dann waren es immer die Fahrer mit fünf, sechs Jahren Erfahrung. Wenn ich nicht erfolgreich sein sollte - was ich nicht hoffe - dann hätte das keinen großen Einfluss."


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