Die einzigen gemeinsamen Testfahrten der Formel E in Valencia sind vorbei - Zeit für die große Abrechnung vor dem Saisonstart in Saudi-Arabien (22./23. November). An drei Tagen (15.-18. Oktober) konnten sich die zwölf Teams inklusive der Neueinsteiger Mercedes und Porsche mit ihren Gen2-Rennwagen vertraut machen. Unterbrochen wurden die Tests von einem fahrfreien Medien-Tag am Donnerstag.

Zwei Rennsimulationen mit allen Teams am Mittwoch und Freitag, bei denen unter anderem neue Regeln durchgeprobt wurden, flossen nicht in unsere Gesamtrechnung mit ein, da es keine offiziellen Zeitenlisten gibt. Die 'Test-Rennen' dauerten inklusive Vorbereitung jeweils etwa eine Stunde.

Wer war am schnellsten, wer fuhr am meisten: Die Valencia-Testfahrten 2019 in der Motorsport-Magazin.com-Analyse.

Analyse: Die Rundenzeiten

Die Aussagekraft von Rundenzeiten bei Testfahrten hält sich aufgrund unterschiedlicher Faktoren in Grenzen, gibt aber zumindest einen Anhaltspunkt. Besonders in der Formel E sind die Zeiten mit Blick auf die anstehende Saison mit Vorsicht zu genießen. Valencia ist eine permanente Rennstrecke, während die Rennen selbst größtenteils auf temporären Stadtkursen stattfinden.

Ein Beispiel: BMW präsentierte sich schon im vergangenen Jahr bei den Testfahrten in Valencia äußerst schnell. Auf den Formel-E-typischen Strecken in den Innenstädten taten sich die Münchner in ihrer Debütsaison hingegen schwerer.

BMW gelang es auch diesmal, die schnellste Rundenzeit aller Testtage zu erzielen. Neuzugang Maximilian Günther umrundete den Circuit Ricardo Tormo am Freitag in 1:15.087 Minuten. Damit war er rund eine Zehntelsekunde schneller als der Zweitplatzierte Pascal Wehrlein, der seine persönliche Bestzeit ebenfalls am Freitag aufstellte. Mit Formel-E-Rookie Nico Müller aus der Schweiz fuhr ein weiterer deutschsprachiger Pilot in die Top-3 der kombinierten Zeitenliste.

Wie eng es im gesamten Feld der Formel E mit ihren Einheits- Chassis und -Batterien zugeht, zeigte sich einmal mehr bei den Tests. Fahrer aus sechs unterschiedlichen Teams landeten auf den vorderen Positionen. 22 der 24 Fahrer waren nach den drei Tagen 0,966 Sekunden voneinander getrennt. Nur NIO, das über die Sommerpause eine interne Umstrukturierung erlebte, hinkte auffällig hinterher.

Die Neueinsteiger Mercedes und Porsche waren in der Zeitentabelle auf den hinteren Rängen zu finden. Andre Lotterer fuhr mit einer persönlichen Bestzeit von 1:15.699 Minuten auf den 19. Platz, dahinter folgte das Mercedes-Duo Stoffel Vandoorne und Nyck de Vries. Porsche-Werksfahrer Neel Jani, der vor seiner ersten vollen Saison in der Formel E steht, konnte nur das NIO-Duo hinter sich lassen.

Dass das neue Mercedes-Paket auch schneller fahren kann, zeigten die Venturi-Piloten Felipe Massa und Edo Mortara. Der Rennstall aus Monaco setzt in der neuen Saison auf Mercedes-Kundenautos und verliert damit seinen Status als Hersteller. Massa fuhr im Kunden-Silberpfeil mit 0,417 Sekunden Rückstand zur Spitze auf den zwölften Platz, Mortara ordnete sich auf P18 im Zeitentableau ein.

Formel-E-Tests Valencia: Persönliche Bestzeiten gesamt

PositionFahrerTeamPers. BestzeitAbstand
1Maximilian GüntherBMW1:15.087
2Pascal WehrleinMahindra1:15.1900.103
3Nico MüllerDragon1:15.1980.111
4Antonio Felix Da CostaTecheetah1:15.2930.206
5Mitch EvansJaguar1:15.3060.219
6Sebastien BuemiNissan1:15.3280.241
7Alexander SimsBMW1:15.3590.272
8Robin FrijnsVirgin1:15.3770.290
9Oliver RowlandNissan1:15.4440.357
10Jerome D'AmbrosioMahindra1:15.4540.367
11Jean-Eric VergneTecheetah1:15.4800.393
12Felipe MassaVenturi1:15.5040.417
13Sam BirdVirgin1:15.5700.483
14Brendon HartleyDragon1:15.5920.505
15James CaladoJaguar1:15.6240.537
16Daniel AbtAudi1:15.6730.586
17Lucas di GrassiAudi1:15.6750.588
18Edoardo MortaraVenturi1:15.6840.597
19Andre LottererPorsche1:15.6990.612
20Stoffel VandoorneMercedes1:15.7360.649
21Nyck de VriesMercedes1:15.9160.829
22Neel JaniPorsche1:16.0530.966
23Oliver TurveyNIO1:16.5681.481
24Ma Qing HuaNIO1:17.0471.960
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Analyse: Die Rundenanzahlen

BMW gab sowohl bei Rundenzeiten als auch bei Rundenanzahlen den Ton in Valencia an. Zeiten-Spitzenreiter Günther und Teamkollege Alexander Sims spulten an den drei Tagen zusammen 401 Runden ab ('Test-Rennen' nicht eingerechnet).

Der 22-jährige Günther, der in der vergangenen Saison seine ersten Rennen für Dragon bestritt und dann von BMW verpflichtet wurde, umrundete den spanischen Kurs als fleißigster aller Fahrer 203 Mal. Mit 198 Runden belegte Sims vor seiner zweiten Saison bei den Münchnern den zweiten Platz in der Fahrer-Rundentabelle.

Angeführt vom amtierenden Champion Jean-Eric Vergne (182 Runden), ordnete sich das Meister-Team DS Techeetah hinter BMW auf Rang zwei ein. Der Franzose und sein neuer Teamkollege Antonio Felix Da Costa legten zusammen 346 Runden zurück. Nur eine Runde weniger absolvierte das Dragon-Duo Nico Müller/Brendon Hartley. Die beiden Formel-E-Newcomer legten mit dem vergleichsweise kleinen US-Team bemerkenswert los.

Porsche blickt auf insgesamt 302 Runden bei seinen ersten offiziellen Testfahrten in der Formel E zurück. Damit lagen die Zuffenhausener auf einem ähnlichen Niveau wie die arrivierten Teams Audi und Mahindra (jeweils 303 Runden).

Etwas schwerer tat sich Mercedes. Stoffel Vandoorne und Nyck de Vries belegten mit 259 Runden den vorletzten Platz in der Rundentabelle, dahinter nur Schlusslicht NIO (239 Runden). Vor allem der frischgebackene Formel-2-Champion de Vries hatte es nicht einfach. Technische Probleme und ein Unfall samt Reparaturpause warfen den jungen Niederländer zurück.

Zu Spitzenreiter BMW fehlten Mercedes knapp 150 Runden in Valencia - eine echte Hausnummer. Allerdings stehen den Silberpfeilen bis zum Saisonauftakt in Saudi-Arabien (22./23. November) noch einige private Testtage zu.

Als Hersteller, der ein Team mit Kundenautos beliefert, dürfen Mercedes und Audi (Virgin als Kundenteam) jeweils 22 private Testtage absolvieren. Kundenteams selbst dürfen neben den offiziellen Sessions gar nicht testen, allen anderen Teilnehmern stehen 15 private Tage zur Verfügung.

Formel-E-Tests Valencia: Rundenanzahl gesamt (ohne 'Testrennen')

PositionTeamRundenFahrer
1BMW401Max Günther/Alex Sims
2Techeetah346Jean-Eric Vergne/Antonio Felix Da Costa
3Dragon345Nico Müller/Brendon Hartley
4Jaguar334Mitch Evans/James Calado
5Virgin319Robin Frijns/Sam Bird
6Mahindra303Pascal Wehrlein/Jerome D'Ambrosio
7Audi303Daniel Abt/Lucas di Grassi
8Porsche302Andre Lotterer/Neel Jani
9Nissan298Sebastien Buemi/Oliver Rowland
10Venturi297Felipe Massa/Edo Mortara
11Mercedes259Stoffel Vandoorne/Nyck de Vries
12NIO239Oliver Turvey/Ma Qing Hua
Porsche-Rennwagen für Formel-E-Debüt: 99X Electric vorgestellt: (11:16 Min.)

Formel-E-Test Valencia: Rundenanzahl Fahrer (Ohne 'Test-Rennen')

PositionFahrerTeamRunden gesamt
1Maximilian GüntherBMW203
2Alexander SimsBMW198
3Jean-Eric VergneTecheetah182
4Pascal WehrleinMahindra175
5Nico MüllerDragon175
6James CaladoJaguar171
7Brendon HartleyDragon170
8Sam BirdVirgin168
9Antonio Felix Da CostaTecheetah164
10Daniel AbtAudi163
11Mitch EvansJaguar163
12Edoardo MortaraVenturi158
13Stoffel VandoorneMercedes155
14Andre LottererPorsche154
15Robin FrijnsVirgin151
16Sebastien BuemiNissan150
17Oliver RowlandNissan148
18Neel JaniPorsche148
19Lucas di GrassiAudi140
20Felipe MassaVenturi139
21Jerome D'AmbrosioMahindra128
22Ma Qing HuaNIO123
23Oliver TurveyNIO116
24Nyck de VriesMercedes104