Formel E

Formel-E-Unfall: Di Grassi tickt in bester Buemi-Manier aus

Audi-Star Lucas di Grassi holt in Sanya zum verbalen Vergeltungsschlag aus - und trifft einen Unschuldigen. Parallelen zum legendären Buemi-Ausraster.
von Robert Seiwert
Formel E Sanya 2019: Crash zwischen di Grassi, Frijns und Buemi: (00:15 Min.)

Wer erinnert sich noch an den legendären Boxengassen-Ausraster von Sebastien Buemi nach dem Montreal-Rennen 2017? Beim Sanya ePrix am vergangenen Samstag war es Lucas di Grassi, der kurz nach Rennende verbal um sich schlug - und neben Buemi auch Robin Frijns ins Kreuzfeuer nahm. Kurios: Wie schon in Montreal, als er von Buemi einen Einlauf kassierte, war Frijns auch diesmal unschuldig.

Doch di Grassi hatte den Niederländer nach dem Dreifach-Crash in Sanya aufs Korn genommen. "Du bist in Buemi gecrasht und hast mein Rennen zerstört", schmetterte der Audi-Pilot seinem Unfallgegner bei der erstbesten Gelegenheit entgegen. "Ihr seid zusammengeknallt und du hast mich aus dem Rennen genommen. Hoffentlich bekommst du eine Strafe!"

Dass Frijns tatsächlich zuvor von Buemi beim Anbremsen auf die Haarnadel am Heck getroffen worden war und unkontrolliert in di Grassis Seite schepperte - für den Brasilianer keine Ausrede. Di Grassi wutentbrannt weiter: "Mir doch egal, wessen Schuld das war. Ich denke, Robin und Buemi sind schuld. Nächstes Mal bleibt ich fern von Robin. Ich konnte nichts zu, um das zu verhindern."

Frijns: Ende der verdammten Geschichte!

Das galt allerdings auch für Frijns, der sich gegen di Grassi zur Wehr setzte und direkt konterte: "Wie soll ich in Buemi crashen, wenn er hinter mir ist?! Es war nicht meine Schuld! Sei mal lieber ehrlich zu dir selbst und sag das auch so. Buemi hat mich getroffen - Ende der verdammten Geschichte!"

Die Rennleitung sah es ähnlich und brummte Buemi nachträglich eine 10-Sekunden-Zeitstrafe auf. Dadurch fiel der Nissan-Pilot vom sechsten auf den achten Rang zurück. Für di Grassi kein Trost, denn er selbst hatte im Rennen auf dem sechsten Platz gelegen. Durch den Ausfall ging der Saison-3-Champion komplett leer aus.

Ebenso Frijns, der bei der Kollision mit di Grassi den Frontflügel seines Virgin-Boliden verlor und die letzte Runde nicht mehr absolvieren konnte. "Ich habe vor Buemi die Tür zugemacht, recht früh gebremst um es um die Kurve zu schaffen, dann bekam ich einen harten Schlag von hinten", beschrieb Frijns die Szene des Anstoßes. "Meine Räder gingen in die Luft und dann knallte es. Ich weiß nicht, wie ich den Kontakt hätte verhindern sollen."

Buemi legt sich mit dem halben Fahrerfeld an: (02:38 Min.)

Buemi: Nicht so schlimm

Frijns warf Buemi vor, viel zu spät vor der Kurve gebremst du haben. Ohnehin waren sich die beiden auf dem Weg dorthin schon ins Gehege gekommen und fuhren verdächtig nah an der Streckenbegrenzung. "Ich bin auf der inneren Seite gefahren, er hat die Tür ein bisschen zugemacht", erklärte Buemi seine Sicht der Dinge. "Ich hatte nicht das Gefühl, dass es wirklich schlimm war."

Das Ende vom Lied: Di Grassi verlor den Anschluss in der Meisterschaft, nachdem er sich in den letzten Rennen zurück in Richtung Spitze gekämpft hatte. Mit den acht Punkten für P6 in Sanya hätte er nun 60 Zähler auf dem Konto - das hätte Platz drei in der Gesamtwertung hinter Antonio Felix da Costa (62) und Jerome D'Dambrosio (61) bedeutet. Stattdessen belegt di Grassi nach dem sechsten von 13 Saisonrennen den fünften Platz mit 52 Punkten.


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