Formel E

Formel E: Champion Vergne beendet Flaute mit Sanya-Sieg

Jean-Eric Vergne kann aufatmen: Sieg beim Sanya ePrix und keine Strafe! Zwei Deutsche in den Top-5 - erneut Rotphase und Ausfollorgie in der Formel E.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Jean-Eric Vergne heißt der Sieger des sechsten Saisonrennens der Formel E in Sanya. Bei der Premiere im chinesischen Urlaubsparadies Sanya setzte sich der amtierende Champion gegen die Konkurrenz durch und feierte seinen ersten Sieg in der laufenden Saison. Damit hält die Serie weiter an: sechs unterschiedliche Sieger in den bisherigen sechs ePrix.

Vergne, der das Rennen vom zweiten Platz aufgenommen hatte, stand bis zur letzten Rennrunde unter Beobachtung der Rennleitung. Im letzten Moment belegten die Stewards den Techeetah-Piloten jedoch nur mit einer Verwarnung, nachdem er vermeintlich Abläufe während einer Safety-Car-Phase missachtet hatte. Andernfalls hätte es zum zweiten Mal in Folge nachträglich einen anderen Sieger gegeben.

Mit dem Sieg beendete Vergne seine Flaute-Serie: Zuvor hatte es der frühere Formel-1-Fahrer dreimal in Folge nicht in die Punkteränge geschafft. Hinter Vergne fuhr erstmals Oliver Rowland in der Formel E auf das Podium. Der Nissan-Rookie hatte sich zuvor seine erste Pole Position gesichert, musste sich Vergne aber geschlagen geben.

BMW-Pilot Antonio Felix da Costa komplettierte das Podium als Dritter - sein dritter Podestplatz in der laufenden Saison mit dem Werksteam aus München. Mit Andre Lotterer und Daniel Abt schafften es zwei Deutsche in die Top-5. Beide standen nach Rennende allerdings unter Beobachtung der Rennleitung, weil sie während einer Full-Course-Yellow-Phase zu schnell gewesen sein könnten.

Formel-E-Rookie Pascal Wehrlein überquerte die Ziellinie als Achter hinter Sebastien Buemi sowie Mahindra-Teamkollege Jerome D'Ambrosio und sammelte ebenfalls Punkte.

Der nächste Rennabbruch

Zum dritten Mal in Folge nach Mexiko und Hongkong wurde ein Formel-E-Rennen mit roten Flaggen unterbrochen. Zehn Minuten vor dem Rennende brachen die Stewards zwischenzeitlich ab. Vorausgegangen war ein Zweikampf zwischen Alexander Sims und Techeetah-Pilot Andre Lotterer, durch den der BMW-Werksfahrer in die Mauer gedrückt wurde. Sein Rennwagen musste zunächst von der Rennstrecke geschleppt werden, bevor das Rennen erneut aufgenommen werden konnte. Beim Re-Start führte Vergne vor Rowland, Felix da Costa, Abt und Lotterer.

Ausfall-Orgie in Sanya

Wieder einmal kam es zu zahlreichen Ausfällen im Rennen. Neun Fahrer sahen die Zielflagge in Sanya nicht. Darunter das HWA-Duo Stoffel Vandoorne (4. Ausfall) und Gary Paffett (3. Ausfall). Auch die beiden Dragon-Piloten Jose Maria Lopez und Felipe Nasr schieden früh aus. BMW-Pilot Alexander Sims kam nach einem folgenschweren Zweikampf mit Andre Lotterer und der Mauer zum zweiten Mal in Folge nicht ins Ziel. Titelanwärter Sam Bird und Saison-1-Meister Nelson Piquet fielen ebenfalls vorzeitig aus. In der letzten Runde kollidierten schließlich Lucas di Grassi und Robin Frijns vom Audi-Kundenteam Virgin - das Aus für beide.

Die Meisterschaft: Sam Bird musste die Führung in der Gesamtwertung nach dem frühen Ausfall wieder abgeben. Neuer Spitzenreiter ist BMW-Werksfahrer Antonio Felix da Costa mit 62 Punkten. Der Portugiese führt vor Mahindra-Fahrer Jerome D'Ambrosio (59) und Bird (54). Mit dem Sanya ePrix beschließt die Formel E die erste Hälfte der Saison. Weiter geht es mit dem siebten von 13 Rennen in Rom, wo die Serie in die Europa-Tournee startet.

So lief der Sanya ePrix 2019

Die Startaufstellung: Oliver Rowland erzielte seine erste Pole Position in der Formel E und gleichzeitig die erste für Neueinsteiger Nissan. Bislang ist es keinem Fahrer in der laufenden Saison gelungen, mehr als einmal vom ersten Platz zu starten. Der amtierende Champion Jean-Eric Vergne begann nach einer bisher miserablen Saison erstmals aus der ersten Reihe. Audi-Pilot Daniel Abt qualifizierte sich als bester Deutscher auf Platz vier. Andre Lotterer (Techeetah) und Pascal Wehrlein (Mahindra) belegten die Startpositionen sechs und acht. Sebastien Buemi musste statt von P5 aus der Boxengasse starten, weil es Regel-Unstimmigkeiten mit seinem Bremssystem gab.

Der Start: Willkommen in der Formel E: Der Start erfolgte vor Kurve 10 und es dauerte auffällig lange, bis die Startampeln erloschen. Oliver Rowland verteidigte die Pole vor Jean-Eric Vergne. Dahinter ließ Daniel Abt in Folge einer frühen Full Course Yellow etwas zu Vordermann Antonio Felix da Costa abreißen. Pascal Wehrlein fiel in der Startphase bis auf den elften Platz zurück, während Andre Lotterer seinen sechsten Startplatz behauptete.

Der Fanboost: Stoffel Vandoorne sicherte sich zum sechsten Mal in seinem sechsten Formel-E-Rennen den Fanboost. Zu diesem Zeitpunkt war der frühere Formel-1-Fahrer allerdings bereits ausgeschieden - zum vierten Mal in der laufenden Saison... Mit dem Audi-Duo Daniel Abt und Lucas di Grassi sowie Sebastien Buemi zählten weitere Altbekannte zu den Fanboost-Siegern. Auch weit oben in der Gunst der Fans, die über die Vergabe des Zusatz-Boost abstimmen: BMW-Pilot Antonio Felix da Costa.

Die Zwischenfälle: Kuriose Situation rund um Lucas di Grassi im ersten Renndrittel: Der Audi-Pilot scheiterte innerhalb weniger Runden zweimal daran, die Attack Mode-Zone korrekt zu überfahren, um eine zusätzliche Leistung von 25 kW für vier Minuten freizuschalten. Erst im dritten Anlauf klappte es beim Brasilianer, der zuvor einige Sekunden verloren hatte, weil die Aktivierungszone stets abseits der Ideallinie platziert ist.

Knapp zehn Minuten vor Schluss unterbrach die Rennleitung das Rennen mit roten Flaggen, um den zerstörten Boliden von BMW-Pilot Alexander Sims bergen zu können. Damit unterbrachen die Stewards zum dritten Mal in Folge nach Mexiko und Hongkong zwischenzeitlich ein Rennen. Die während der Rotphase verbrauchte Zeit wurde wie üblich zur verbleibenden Renndauer aufaddiert.

Die Ausfälle: Stoffel Vandoorne zog sich in der Startphase im hinteren Feld einen Schaden an seinem HWA-Boliden zu und musste früh aufgeben. Auch für Titelanwärter Sam Bird war nach der ersten Runde Feierabend: Der Brite rollte mit seinem Virgin auf der Strecke aus. Ebenfalls nicht die erste Runde überlebte Felipe Nasr, der sein Auto mit technischen Problemen an der Dragon-Box abstellen musste.

Die Ausfall-Orgie setzte sich konsequent fort: Bis zur 15. Runde mussten auch Jose Maria Lopez und Gary Paffett ihre Autos mit technischen Problemen abstellen. Damit sahen beide Dragon- sowie HWA-Piloten die Zielflagge nicht.

Und es ging munter weiter in Sanya: Alexander Sims wurde in Runde 21 während eines Zweikampfs mit Andre Lotterer in die Mauer gedrückt und beschädigte dabei seinen BMW - der zweite Ausfall in Folge für den Briten. Wenig später erwischte es auch noch Jaguar-Pilot Nelson Piquet, das bittere Ende eines ohnehin krisenbehafteten Renntages.

In der letzten Runde rasselten Lucas di Grassi und Robin Frijns heftig aneinander beim Kampf um Punkte. Die Berührung beförderte beide Piloten samt ihrer Audi-Antriebssträge ins vorzeitige Aus.


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