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Formel E

Formel E 2018: Audi-Fahrer Daniel Abt - plötzlich Titelanwärter

So schnell kann es gehen in der Formel E: Daniel Abt darf sich nach seinem Sieg in Mexiko wieder Chancen auf die Meisterschaft ausrechnen.
von Robert Seiwert
Formel E: Das Interview mit Daniel Abt nach dem Sieg in Mexiko: (06:12 Min.)

Großes Aufatmen bei Audi: Nach der bisherigen Pleite-Saison haben die Ingolstädter nun endlich die Trendwende in der Formel E geschafft - und das auf beeindruckende Art und Weise. Daniel Abt gewann das letzte Rennen in Mexiko und feierte damit seinen ersten Sieg in der Elektro-Rennserie.

Teamkollege Lucas di Grassi holte nach einer großen Aufholjagd seine ersten Punkte in der laufenden Saison. Der amtierende Champion kämpfte sich vom letzten bis auf den neunten Platz nach vorne und erzielte auf seiner Paradestrecke zudem die schnellste Rennrunde.

Kurz vor der Halbzeit der Saison 2017/18 zeigt Audi das, was man schon ab dem ersten Rennen erwartet hatte. Der Hersteller, der bei den Testfahrten den besten Eindruck hinterlassen hatte und als Favorit in die Saison ging, konnte nun endlich den Speed seines Autos in Zählbares umwandeln.

Abt: Chancen im Titelkampf

Greift Audi doch noch in den Kampf um die Meisterschaft ein? Für di Grassi dürfte es eng werden, aber Abt darf sich wieder Chancen ausrechnen. Der Kemptener belegt nach seinem Mexiko-Sieg den sechsten Platz in der Gesamtwertung. Der Rückstand auf Spitzenreiter Jean-Eric Vergne beträgt 44 Punkte.

Bitter: Hätte Abt seinen Sieg in Hongkong behalten dürfen, wäre er jetzt sogar Gesamtdritter mit 62 Zählern auf dem Konto. "Klar, mit den 25 Punkten wären wir voll dabei im Kampf um die Meisterschaft", sagte Abt am Rande des Genfer Auto-Salon zu Motorsport-Magazin.com. "Das ist schon schade, heißt aber nicht, dass wir jetzt sagen: Das Ding ist schon gelaufen."

Drive like Lucas di Grassi

Wie schnell sich die Titel-Situation in der Formel E ändern kann, haben die vergangenen drei Jahre immer wieder gezeigt. Vergangene Saison gelang es etwa di Grassi, mit einer Aufholjagd am Ende die Meisterschaft vor Sebastien Buemi zu holen. Ist diesmal Abt an der Reihe? In eineinhalb Wochen steht das sechste von zwölf Saisonrennen in Uruguay auf dem Plan.

Abt: "Der Abstand ist da, aber die Saison ist super-lang. Man hat gesehen, wie schnell es auch bei anderen in die falsche Richtung laufen kann, wie zuletzt bei Rosenqvist." Der Mahindra-Pilot lag in Mexiko auf Siegkurs, bis ihn ein technischer Defekt das Rennen und womöglich auch die Meisterschaftsführung kostete. "Deswegen wollen wir jedes Rennen Vollgas geben", kündigte Abt an. "Solange wir Chancen haben, kämpfen wir auch dafür."

Formel E 2018: Alles zum neuen Elektro-Rennauto GEN2: (03:03 Min.)

Abt: Immer vorne dabei

Auszuschließen ist nicht, dass Abt noch in den Titelkampf eingreifen wird. Der 25-Jährige gehörte dieses Jahr zu den schnellsten Fahrern der Formel E und hat mit dem Audi zudem eines der besten Autos im Feld. Angesichts der Mexiko-Pace ist den Ingolstädtern eine Siegesserie durchaus zuzutrauen.

"Dieses Jahr waren wir immer vorne dabei, aber man hat gesehen, dass es auch ganz schnell mal nicht laufen kann", blickte Abt auf die bisherigen Rennen zurück. Neben dem verlorenen Sieg in Hongkong hatte er häufiger Pech gehabt, etwa, als er in Santiago von Nick Heidfeld aus dem Rennen geschossen wurde. Ein unglückliche Safety-Car-Phase kostete Abt zuvor in Marrakesch gute Punkte.

Endlich Ruhe bei Audi?

Da kam der Triumph in Mexiko gerade recht - und mit ihm der erste Sieg eines deutschen Fahrers in der Formel E. Abt: "Fürs ganze Team war es ein wichtiges Wochenende, damit Ruhe reinkommt und die Diskussionen ein bisschen aufhören. Man wird natürlich sofort in Frage gestellt und auch Audi muss sich viele Fragen gefallen lassen, wenn es so läuft. Aber jetzt haben wir gezeigt, dass wir es schaffen können. Unser Auto ist stark und ich fühle mich besser denn je. Der Sieg hat mich beflügelt. Ich muss auf dem Boden bleiben, einfach weitermachen und dann kommen auch die Ergebnisse, die wir uns verdient haben."

Darauf hofft auf di Grassi, der diese Saison von extremem Technik-Pech verfolgt gewesen war. In den letzten beiden Rennen kassierte der Brasilianer Grid-Strafen, weil Audi den Inverter seines Autos wechseln musste. In Uruguay erhält di Grassi ein komplett neues Teil, das neu homoligiert werden musste. Seine Kampfansage nach Mexiko: "Wir geben als Team nie auf und unsere Aufholjagd hat heute begonnen."

Wir haben Daniel Abt auf dem Genfer Auto-Salon getroffen und mit ihm über den Mexiko-Sieg und das brandneue Rennauto der Formel E gesprochen. Das ganze Interview könnt ihr oben im Video anschauen.


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