Exklusiv
Formel E

Hat mit Sport nichts mehr zu tun - Fanboost: Cooler Fan-Köder oder unfair?

Beim Mexiko ePrix ist der Fanboost der Formel E erstmals zum Siegfaktor geworden. Ist der Fan-Köder noch fair - oder total unsportlich? Fahrer nehmen Stellung.
von Jonas Fehling & Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Bitteres Ende eines grandiosen Mexiko ePrix für Lucas di Grassi! Nach einem brillanten Rennen zum Sieg ist der Brasilianer in Diensten des Teams Abt Audi Sport wegen eines zu leichten Autos disqualifiziert worden. Damit ist auch ein Novum in der Formel E wieder hinfällig: Di Grassi war es zuvor als erstem Piloten der Elektro-Rennserie gelungen, mit Hilfe des Fanboosts das rennentscheidende Manöver zum (vermeintlichen) Sieg zu setzen.

Es war das erste Mal, dass der Fanboost den Rennsieg entschieden hat. Ohne ihn wäre es viel schwieriger gewesen.
Lucas di Grassi

Entsprechend war der Fanboost nach dem ePrix in Mexiko City Thema Nummer eins im Fahrerlager. Motorsport-Magazin.com hat sich auf Stimmenfang begeben. Zunächst beim großen Nutznießer selbst, Lucas di Grassi. "Der Fanboost hat echt gut funktioniert. Großes Dankeschön an meine Fans, besonders in Deutschland, die alle für mich gevotet haben. Echt toll! Es war das erste Mal, dass der Fanboost den Rennsieg entschieden hat. Ohne ihn wäre es viel schwieriger gewesen", sagt Di Grassi.

Ein Satz, der zwangsläufig die Frage aufwirft, wie viel das Tool überhaupt noch mit echten Sport zu tun hat. Ist der Fanboost stattdessen am Ende nichts als Entertainment?

Mexiko ePrix 2016: Die Highlights des Rennens: (06:30 Min.)

Fanboost in der Formel E: Noch Sport oder nur Entertainment?

"Ich habe ihn ja nicht als Einziger gewonnen. Auch zwei andere Fahrer hatten den Fanboost. Aber du musst schnell sein, du musst ihn im richtigen Moment einsetzen. Die Fans geben dir die Gelegenheit für nur ein Überholmanöver, aber der Rest muss von dir kommen", verteidigt Di Grassi gegenüber Motorsport-Magazin.com den Extraschub, relativiert allerdings: "Aber ich denke schon, dass diese Interaktion mit den Fans mitgeholfen hat, dass das Überholmanöver passiert ist."

Die Fans geben dir die Gelegenheit für nur ein Überholmanöver, aber der Rest muss von dir kommen.
Lucas di Grassi

Das sieht Di Grassis schärfster Titelkonkurrent ganz genauso. Verärgert über den Fanboost ist Sébastien Buemi jedoch nicht. "Es ist mir egal. Es hat ein bisschen gekostet heute, weil ich glaube, dass Lucas den D'Ambrosio ohne Fanboost heute nicht überholt hätte", sagt der Schweizer. Eine wenig verwunderliche Aussage am Motorsport-Magazin.com-Mikrofon. Immerhin war es Buemi ohne Fanboost trotz unzähliger Attacken nicht gelungen, seinerseits den Dragon-Piloten zu kassieren.

Buemi konnte mit den verlorenen Punkten gut leben - später wurde Di Grassi sowieso disqualifiziert ... - Foto: Formula E

Buemi: Fanboost muss man sich auch erstmal erarbeiten

Allerdings bestätigt auch Simona de Silvestro bei Motorsport-Magazin.com: "Wenn Di Grassi mit Fanboost überholt hat, hilft das schon. Buemi ergänzt jedoch: "Das ist hier eben Teil der Rennen - man kann den Fanboost haben und er (Di Grassi) hat eben einen guten Job gemacht, ihn zu bekommen."

Es ist für den Sport nicht richtig. Ich habe von Anfang an gesagt, dass es nicht fair ist.
Nick Heidfeld

Ein Argument, das Nick Heidfeld nicht gelten lässt. "Ich finde die Idee super, dass man die Fans integriert. Aber es ist für den Sport nicht richtig, dass zwei, drei Fahrer mehr Energie haben als alle anderen. Ich habe von Anfang an gesagt, dass es nicht fair ist. Es ist nicht jetzt unfair für mich, sondern das war es von Anfang an", stellt Heidfeld gegenüber Motorsport-Magazin.com klar.

In Mexiko war Überholen ohne Fanboost extrem schwer - Foto: Formula E

Prost: Fanboost ist künstlich und kein Sport

Nico Prost stimmt zu 100 Prozent zu. "Es ist künstlich und hat mit Sport eigentlich nichts zu tun. Der beste Fahrer sollte das Rennen gewinnen", sagt der Franzose zu Motorsport-Magazin.com.

Man hat das am Anfang als Gimmick gemacht, um die Leute zu ködern. Aber ich glaube gar nicht, dass man damit die Leute mehr ködert.
Daniel Abt

Daniel Abt positioniert sich demgegenüber zurückhaltender: "Ich habe ihn noch nicht bekommen. Wenn ich jetzt sage, es ist nicht fair, dann klingt es so, als würde ich dem hinterher weinen." Allerdings wirft Abt ein ganz anderes, gewichtiges Argument in den Raum. "Aus sportlicher Sicht braucht die Serie das eigentlich gar nicht. Alle sind hier gut etabliert - es ist ein Wahnsinnsfeld. Man hat das am Anfang als Gimmick gemacht, um die Leute zu ködern. Aber ich glaube gar nicht, dass man damit die Leute mehr ködert. Eigentlich machen da nur die mit, die sowieso schon schauen", sagt Abt zu Motorsport-Magazin.com.

Simona de Silvestro fordert: Gebt allen einen Fanboost! - Foto: Formula E

De Silvestro fordert Fanboost für alle

Simona de Silvestro unterbreitet derweil schon Vorschläge, den Fanboost zu verbessern. "Es sind meistens dieselben Leute, die ihn bekommen. Es gehört zum Konzept und das muss man akzeptieren. Das ist eben so. Aber es wäre cool, wenn alle so einen Boost hätten. Wie in den Indycars, wo wir ja Push-to-pass haben. Es wäre ja schon cool, wenn wir es hier nicht gleich zehnmal, aber vielleicht zweimal hätten", sagt die einzige Frau im Feld der Formel E bei Motorsport-Magazin.com.

Jetzt seid ihr dran! Wie seht ihr die Diskussion um den Fanboost? Stimmt in unserer Umfrage ab und diskutiert dann unten in den Kommentaren.


nach 5 von 13 Rennen
Formel E Tickets
Wir suchen Mitarbeiter