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Formel E / Analyse

Sorry, Nick - ePrix Peking: Die 6 Antworten zum Rennen

Der erste ePrix der Formel E ist Geschichte. Das Rennen in Peking endete mit einem Riesen-Knall. Motorsport-Magazin.com liefert die wichtigen Antworten.
von Robert Seiwert

1. - Wie konnte di Grassi das Rennen gewinnen?

Nur bedingt durch den späten Ausfall der beiden Siegesanwärter Nick Heidfeld und Nicolas Prost. Lucas di Grassi war der lachende Dritte und überquerte die Ziellinie als Erster - und geht damit als erster Sieger der Formel E in die Geschichte ein. Gleichzeitig bescherte der Brasilianer Abt Racing, dem einzigen deutschen Team in der Serie, den Sieg. Di Grassi hatte das Rennen in Peking von der zweiten Position aufgenommen, beim Autowechsel aber seinen Platz an Heidfeld verloren.

In der Schlussphase konzentrierte sich di Grassi mehr auf das Energie-Management seines Autos als zur Aufholjagd zum Führungsduo anzusetzen. Den unerwarteten Doppelausfall von Heidfeld und Prost nutzte der frühere Formel-1-Pilot natürlich aus. "Du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein", stellte di Grassi anschließend fest. Er reist mit 25 Zählern im Gepäck - die Formel E nutzt das gleiche Punktesystem wie die Formel 1 - als Meisterschaftsführender zum zweiten Saisonrennen nach Putrajaya, Malaysia Ende November.

2. - Was war zwischen Heidfeld und Prost?

Das blanke Chaos! Letzte Runde, letzte Kurve, Drama: Nick Heidfeld setzte sich zum finalen Angriff direkt neben den Führenden Nicolas Prost und wollte den e.dams-Piloten auf der Innenseite ausstechen. Weltmeister-Sohn Prost zog allerdings in Heidfelds Boliden, es kam zum Kontakt. Heidfeld verlor die Kontrolle, knalle über einen Kerb und segelte durch die Luft. Er überschlug sich mehrmals und landete kopfüber auf der Strecke. Ein Horror-Unfall, den der Deutsche glücklicherweise ohne größere Blessuren überstand.

Aus dem Cockpit geklettert, machte sich Heidfeld sofort mit wütenden Schritten auf in Richtung Unfallverursacher Prost. Der Franzose wollte die Schuld zunächst nicht auf sich nehmen, besann sich mit etwas Abstand - und nach einer Video-Analyse - aber eines Besseren. "Ich fühle mich schlecht nach dem Unfall und weiß, dass ich verantwortlich bin", twitterte Prost. "Sorry, Nick. Du weißt, dass ich so etwas niemals absichtlich tun würde."

Heidfeld trauerte dem verlorenen Sieg hinterher, nahm seinen WEC-Teamkollegen aber sogar in Schutz. "Ich bin nicht sauer auf ihn, solche Dinge passieren. Er ist ein Freund von mir", so Quick Nick. Die Rennleitung machte Prost Junior als Schuldigen des Unfalls aus und brummte ihm für das kommende Rennen in Malaysia eine 10-Platz-Strafe auf.

Horror-Crash von Nick Heidfeld in Peking: (03:28 Min.)

3. - Wieso verlor Abt nachträglich das Podium?

Daniel Abt überquerte die Ziellinie nach 25 Runden als Dritter und machte das Doppelpodium für Abt Racing perfekt. Eigentlich. Leichte Verwirrung herrschte anschließend bei der Podestzeremonie, als statt Abt plötzlich Sam Bird auf dem Podium auftauchte und Platz drei feierte. Der Grund: Abt Junior wurde nach Rennende mit einer Zeitstrafe belegt und fiel auf die zehnte Position zurück. Sein Auto hatte im Rennen mehr Energie verbraucht als laut Reglement erlaubt.

"Es ging um 0,2 Kilowattstunden, die sicher nicht den Ausgang des Rennens beeinflusst haben. Aber Regeln sind Regeln", ärgerte sich Abt anschließend über das verlorene Podest. Abt hatte im zweiten Abschnitt des Rennens nach dem Fahrzeugwechsel Probleme mit dem Management seiner Energie. Obendrein funktionierte der Teamfunk nicht. Das führte dazu, dass er seinen Verbrauch nicht richtig unter Kontrolle hatte.

Wenige Kilowatt zu viel führten schließlich zur Strafe. Positive Randbemerkung: Das Team Abt bestätigte seine starke Form der Testfahrten in Donington auch in Peking. Neben e.dams gilt die Truppe aus Kempten als Favorit in der Formel E. Ein Beleg waren die Startplätze zwei und drei für di Grassi und Abt.

Peking-Premiere: Alle Highlights: (03:00 Min.)

4. - Warum holten Prost und Sato trotz ihrer Ausfälle Punkte?

Weil es in der Formel E auch Punkte für die Pole Position sowie die schnellste Rundenzeit gibt. Nicolas Prost wurde nach dem Heidfeld-Crash zwar nur als Zwölfter gewertet, sackte aber dank der Pole im Qualifying immerhin drei Punkte für die Meisterschaft. Die weiteren Bonuspunkte ergatterte Takuma Sato für die schnellste Rennrunde, bevor er vier Runden vor Schluss ausfiel. Der Japaner benötigte 1:45.101 Minuten für seinen besten Umlauf auf dem 3,4 km langen Stadtkurs und sicherte sich zwei Meisterschaftspunkte.

Nicolas Prost startet von der Pole - Foto: FIA Formula E

5. - Wieso fiel Senna aus?

Bitterer Auftakt in der Formel E für Bruno Senna. Im Rennen fiel der Brasilianer schon in der zweiten Kurve nach Start aus. Mit einer gebrochenen Vorderradaufhängung musste der Mahindra-Pilot schon früh Feierabend machen. Offenbar entstand der Schaden nicht durch den Kontakt mit einem anderen Auto, sondern nachdem Senna über einen Kerb gefahren war.

Er musste das Rennen von der letzten Position aufnehmen, weil die Batterie seines Boliden im Qualifying gestreikt hatte und er dadurch keine einzige Runde fahren konnte. Dabei hatte alles verheißungsvoll begonnen, nachdem er im 2. Training noch die Bestzeit erzielt hatte.

Bruno Senna: Frühes Aus in der ersten Runde - Foto: FIA Formula E

6. - Warum verzichtete di Grassi auf seinen Fan-Boost?

Lucas di Grassi kam neben Bruno Senna und Catherine Legge in den vermeintlichen Genuss des Fan-Boost, nachdem der Brasilianer unter den Top-Drei der Online-Abstimmung gelandet war. Im Rennen verzichtete der spätere Sieger allerdings auf den Einsatz des Systems, das kurzzeitig 30 zusätzliche Kilowatt freisetzt. Der Grund: Di Grassi hatte Sorge, dass die Benutzung des Fan-Boost zu einem überhöhten Energieverbrauch führen könnte. Um keine Strafe zu kassieren wie Teamkollege Abt, sparte er sich den Speed-Boost.

"Ich kannte meinen Verbrauch nicht. Mein Teamkollege war ein bisschen drüber und wurde bestraft. Ich habe den Fan-Boost nicht eingesetzt, um auf der sicheren Seite zu sein", erklärte di Grassi. Der im Vorfeld viel diskutierte Zusatzantrieb spielte in Peking überhaupt keine Rolle. Senna schied kurz nach dem Start aus und die frühere DTM-Pilotin Legge fuhr sowieso nur im Niemandsland. Vor dem Rennen kam heraus, dass der Fan-Boost nicht während der ersten Runde benutzt werden darf, um sich einen Vorteil zu verschaffen.


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