Formel 1 / Hintergrund

Gespaltener Charakter - Fahrer-Urteil: So gut ist Abu Dhabi

Abu Dhabi ist eine Strecke der Superlative. Das Urteil der Fahrer fiel nach dem Freitagstraining eindeutig aus: Nett, aber fahrerisch kein Klassiker wie Spa.
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Bombastisch, außergewöhnlich und eindrucksvoll. Die Besucher des Yas Marina Circuit in Abu Dhabi überschlugen sich schon vor dem 1. Freien Training mit Superlativen für den neuen Kurs. Aber auch danach riss die Welle der Begeisterung bei den Fahrern nicht ab. "Man genießt es, denn es gibt immer was zu tun", freute sich Fernando Alonso. "Es gibt keine Zeit zu atmen."

Auch Heikki Kovalainen war voll des Lobes für den neuen Kurs. "Es ist eine fantastische Strecke", lobte der Finne. "Sie ist sehr glatt. Die Kerbs sind sehr schön, man kann drüber fahren und es sieht spektakulär aus in der Nacht. Das ist schon ziemlich beeindruckend."

Was sind die beliebtesten Stellen?

Der Yas Marina Circuit versprüht an einigen Stellen eine Art Stadtkursflair, ist aber an sich nur eine permanente Rennstrecke bei der an einigen Stellen die Mauern nah an der Bahn stehen. Die Fahrer kamen nach drei Stunden Training zu einem klaren Urteil: "Der erste Abschnitt mit den schnellen Kurven ist der schönste Teil", meinte Giancarlo Fisichella.

Die Lieblingsstellen von Sebastian Vettel sind die Kurven 2 und 3 sowie 5 und 6. "Der Mickey Mouse Teil zum Schluss ist sehr langsam, da wäre es schöner, wenn es mehr schnelle Ecken gäbe", sagte der Deutsche. "Insgesamt ist es sehr einfach, viel Zeit zu verlieren, aber schwierig, Zeit gutzumachen."

Romain Grosjean bestätigt die Eindrücke von Fisichella und Vettel: "Ich mag die ersten beiden Sektoren, aber den dritten nicht, da man sich dort keine Fehler leisten darf. Diese sehr unterschiedlichen Abschnitte sind eine Herausforderung, wenn es darum geht, das Auto abzustimmen."

Vor dem Boxentunnel geht es steil nach unten. - Foto: Sutton

Das mag aber auch an seiner Unerfahrenheit liegen. Denn Kimi Räikkönen sagte trocken wie eh und je: "Es gibt nur wenige Kurven, wo der Fahrer einen Unterschied ausmacht, alle am Anfang der Runde." Danach gebe es viele starke Bremszonen und langsame Kurven, in denen es auf Stabilität und Beschleunigung ankomme. Von außen freute sich Christian Danner über die Spitzkehre in Kurve 4/5 und die letzten drei, vier Kurven. "Es gibt einige schöne Ecken, es ist eine ausgesprochen attraktive Strecke." Mark Webber brachte es auf den Punkt: "Die Strecke ist nicht schlecht, aber sie ist kein Spa!"

Wie war der Grip?

Der Yas Marina Circuit begrüßte die Fahrer im ersten Training mit einer sandigen Bahn - damit hatten die Fahrer und Teams bei einer neuen Strecke in der Wüste gerechnet. Überraschend kam für sie allerdings, dass der Kurs im Laufe des Tages so viel besser wurde. "Es macht Spaß, obwohl es zu Beginn noch recht rutschig war, aber das wurde gegen Abend deutlich besser", analysierte Vettel. "Dann konnte man es mehr fliegen lassen in den Ecken."

Die Lage in der Wüste bedingt aber trotzdem viel Sand abseits der Ideallinie. "Auf der Linie ist der Grip nicht schlecht, aber daneben ist es sehr sandig", beschrieb Vettel. "Dann fährt man sich Sand in die Reifen und es dauert ein paar Ecken, bis man ihn los wird." Auch die Kerbs waren für Vettels Geschmack unheimlich rutschig.

Wie gefährlich ist die Boxenausfahrt?

Eine Boxenausfahrt, die durch einen Tunnel auf die Strecke zurückführt: Das hat die Formel 1 bis Abu Dhabi noch nicht gesehen. "Nick Heidfeld hatte darin mal einen schönen Quersteher - das finde ich sehr attraktiv", sagt Christian Danner. "Alles, was schwierig ist, finde ich gut."

Die Fahrer waren da nicht ganz der Meinung des Ex-Piloten. "Man muss bremsen, einlenken und dann beschleunigen", erklärt Fernando Alonso. "Vielleicht ist der Ort, wo es zurück auf die Strecke geht, nicht der beste, denn es ist außen an Kurve drei. Wenn man weiß, dass dies eine neue Strecke ist und man tausende Möglichkeiten für die Boxenausfahrt hat, dann ist dies vielleicht nicht die beste."

Für Vettel ist die Boxenausfahrt eine der schwierigsten Stellen der Strecke. "Es ist extrem rutschig, anscheinend haben sie da nicht so sauber gemacht wie den Rest der Strecke. Wenn man da zu viel Risiko eingeht, könnte das in die Hose gehen."

Man kann dort Zeit gewinnen, aber der Grat ist schmal und wenn man drüber hinausschießt, gibt es einen Unfall.
Heikki Kovalainen

Das glaubt auch Kovalainen: "Man wird dazu versucht, sehr spät zu bremsen, aber wenn die Reifen blockieren und man etwas Untersteuern hat, wird es ziemlich eng." Riskieren werden es die Fahrer dennoch: "Man kann dort Zeit gewinnen, aber der Grat ist schmal und wenn man drüber hinausschießt, gibt es einen Unfall." Auch Fisichella stuft die Ausfahrt als "etwas gefährlich" ein. Nur sein Teamkollege Räikkönen nimmt es gelassen: "Das Layout ist ähnlich wie in Interlagos, außer dass es eine Mauer statt einer Leitplanke gibt.

Wie waren die Lichtverhältnisse?

In Abu Dhabi fährt die Formel 1 zum ersten Mal in die Dunkelheit hinein: Der Start erfolgt bei Tageslicht, die Zielflagge fällt unter Flutlicht. "Das Licht ist okay, die Beleuchtung in Singapur ist vielleicht etwas besser und ein, zwei Ecken sind etwas dunkel, aber man findet den Weg", sagte Vettel. Auch der Wechsel von Tages- auf Flutlicht störte ihn nicht. "Die Sonne stand relativ tief, aber sie ging sehr schnell unter. Innerhalb von 20 Minuten war das Thema erledigt."

Nick Heidfeld hatte ebenfalls keine Sichtprobleme. "Ich hoffe, das ändert sich nicht, wenn die Luft staubiger ist. Bei Dunkelheit unter Flutlicht hatte ich den Eindruck, dass es in Singapur heller war."

Wo kann man überholen?

McLaren hat dank KERS einen Überholvorteil. - Foto: Sutton

Gleich mehrere lange Geraden laden die Fahrer zu Ausbremsversuchen am Ende ein. Einen besonderen Vorteil könnten die KERS-Auto haben. "Das System war ziemlich gut, weil wir viel Energie aufladen konnten und so auf jeder Runde die maximale Performance abrufen konnten", verriet Kovalainen, der sich durch KERS dreieinhalb bis vier Zehntel pro Runde verspricht.

"Das einzige Problem für das Überholen und gutes Racing wird der Staub und Sand abseits der Linie", glaubt Alonso, der davon überzeugt ist, dass man für ein erfolgreiches Manöver sehr präzise sein müsse, da es vier oder fünf Kurven dauere, um den Staub wieder von den Reifen zu bekommen. "Da hat man sehr wenig Grip, denn die Reifen sind völlig schmutzig. Ich denke, das wird unsere Aggressivität bändigen."


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