Man kann die Tilke-Kurse lieben oder hassen, in der Formel 1 haben sie mittlerweile jedenfalls einen festen Platz. Sepang gilt als Urtyp des Tilke-Kurses. Er ist schnell, technisch anspruchsvoll und hat ein paar schwierige Kurvenkombinationen. Besonders hart ist die Strecke in Malaysia neben den Motoren auch für die Reifen - beides ist auf die warmen Temperaturen zurückzuführen. In Kombination mit der hohen Luftfeuchtigkeit leiden auch die Fahrer.
Wegen des hohen Reifenverschleißes wird es in Sepang weniger wahrscheinlich sein, dass Teams auf Ein-Stopp-Strategien setzen, denn vor allem der weichere Reifen (es kommen die Mischungen weich und hart zum Einsatz) dürfte stark leiden, wodurch ein längerer Stint damit eher zur Schleichfahrt wird. Aufgrund der späteren Startzeit kann es aber auch zu Regenschauern kommen, wodurch die Taktik ohnehin über den Haufen geworfen wird.
Doch nicht nur die Reifen und Motoren müssen hier einiges leisten, auch bei der Abstimmung ist Fingerspitzen-Gefühl gefragt. "Der Kurs in Sepang ist eine sehr anspruchsvolle Strecke, die an das Chassis und dessen Abstimmung hohe Anforderungen stellt. Es gibt schnelle Wechselkurven, in denen Stabilität entscheidend ist. Gleichzeitig verlangen die engen, zum Teil ansteigenden Kurven eine gute Traktion beim Herausbeschleunigen. Besonders heikel ist die Rechtskurve vor der Gegengeraden, die zum Ausgang hin zumacht", meint etwa BMW Ingenieurs-Leiter Willy Rampf.

Was aerodynamisch ebenfalls zum tragen kommt, sind die größeren Kühlöffnungen, die an den Autos eingesetzt werden. Vor allem auf den Geraden kostet das Geschwindigkeit. Nur auf die Geraden darf ein Team aber eben nicht schauen, sonst fängt das Auto in den Kurven das Rutschen an.
Robert Kubica schildert den Sepang International Circuit so: "Ich freue mich wirklich auf dieses Rennen, denn die Strecke ist einzigartig mit sehr unterschiedlichen Kurven, einigen sehr schnellen, aber auch ganz langsamen. Zudem hat man an einigen Stellen die Möglichkeit, verschiedene Linien zu wählen, was es besonders interessant macht. Der letzte Sektor unterscheidet sich überdies sehr stark von den beiden anderen, weil er nur aus zwei langen Geraden und einem harten Bremsmanöver besteht."
Besonders wichtig ist es in Sepang, dass das Auto nicht untersteuert. Die durchschnittlichen Kurvenwinkel der Strecke liegen einige Grad über dem Saison-Mittelwert und bilden im Vergleich zu den anderen Kursen sogar die Spitze. Dadurch wird ein untersteuerndes Auto, das über die Vorderachse durch die Kurve schiebt und nur schwer einlenkt, viel Zeit Kosten,.
Was die Teams bei der Berechnung ihrer Boxenstrategie berücksichtigen müssen, ist die Boxengasse. Ein Boxenstopp kostet rund 22 Sekunden. Das wird auch dann wichtig, wenn ein Safety Car im Einsatz sein sollte. Seit dem Jahr 2002 hat es allerdings keine Notwendigkeit für das Safety Car in Sepang gegeben. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit eines Einsatzes für alle Teams gering und es wäre eher eine Risikoentscheidung, die Strategie für ein mögliches Safety Car auszulegen.

Was die Überholpunkte betrifft, so hat Williams Technikdirektor Sam Michael zwei besonders gute ausgemacht. Kurve eins nach der harten Bremszone am Ende der Start-Ziel und Kurve vier, am Ende einer weiteren Geraden. Auch die letzte Kurve des Kurses könnte dank schneller Anfahrt und hartem Bremsmanöver vor dem "U" durchaus als Überholpunkt dienen. Ganz durchziehen werden sich die Manöver aber wohl nur lassen, wenn auch die Traktion stimmt. Dank der engen Kurven wird dieser Faktor aber ohnehin wichtig werden.

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