Formel 1 / Hintergrund

Licht, Wellen, Panzer & Ausfahrten - Die vier Gefahren von Singapur

Der neue Stadtkurs in Singapur ist in den Augen der Fahrer noch lange nicht perfekt.
von Stephan Heublein

Motorsport-Magazin.com - Kaum war das 2. Freie Training in den nächtlichen Straßen von Singapur gefahren, verschwanden die Piloten im imposanten Boxengebäude. Und dort blieben sie für eine lange Zeit. Zusammen mit Rennleiter Charlie Whiting stand das obligatorische Fahrermeeting auf dem Programm. Statt über Abkürzungen in Schikanen wurde jedoch über ganz andere Themen diskutiert.

Es war erstaunlich, wie viele Dinge in den ersten beiden Trainings aufgefallen sind.
Jarno Trulli

"Wir haben sehr lange gesprochen, fast eine Stunde", verriet Jarno Trulli. "Es war erstaunlich, wie viele Dinge in den ersten beiden Trainings aufgefallen sind." Denn die Fahrer saßen nicht nur da, um Whitings Ausführungen zu lauschen. Stattdessen machten sie Verbesserungsvorschläge für den neuen Stadtkurs. "Es gibt einiges zu tun", betonte Trulli.

Problemfeld 1: Das Licht

Es war die große Frage der letzten Monate: wie würde das Flutlicht beim ersten Nachtrennen funktionieren? Würde die Beleuchtung ausreichen? Die Meinungen hierzu gehen auseinander, auch unter den Fahrern. Kimi Räikkönen und Felipe Massa waren mit der Ausleuchtung zufrieden, auch Nick Heidfeld war im Großen und Ganzen glücklich.

Den Fahrern ist es in manchen Kurven zu dunkel. - Foto: Sutton

"Die Sicht war überhaupt kein Problem, das hatte man nach zwei Runden vergessen", sagte er über die künstliche Beleuchtung. "Es ist anders als bei Tageslicht, aber überhaut kein Problem." Ganz konstant sei die Beleuchtung aber auch nicht. "Es gibt ein paar Ecken, die heller oder dunkler sind."

Genau das bemängelte Trulli: "Es gibt einige Stellen, die zu dunkel sind." Einige mitten in den Kurven, einige am Kurvenausgang. "Hoffentlich kann man das beheben, aber ich glaube, es ist ein bisschen zu spät dafür." Jetzt hofft er zumindest, dass es bis zum nächsten Jahr Verbesserungen geben wird. "Viele Fahrer haben sich darüber beschwert."

Unter anderem Fernando Alonso. "Als ich die Strecke abgelaufen bin, war ich von der Beleuchtung beeindruckt", so der Spanier, "aber hinter dem Lenkrad und mit 300 km/h sind einige Stellen zu dunkel."

Problemfeld 2: Die Bodenwellen

Charlie Whiting muss sich viele Dinge ansehen, die geändert oder verbessert werden müssen.
Jarno Trulli

Während die Meinungen bei der Beleuchtung auseinander gehen, sind sich die Fahrer bei den Bodenwellen einig: "Die Strecke ist extrem uneben", klagte Trulli. "Das ist nicht gerade sehr spannend." Nick Heidfeld ging sogar noch weiter und sagte: "Die Bodenwellen sind das Schlimmste. Ansonsten ist die Strecke sehr gelungen, aber die Bodenwellen werden hoffentlich für nächstes Jahr geändert. Sie sind fast schlimmer als auf allen anderen Strecken."

Auch Timo Glock könnte auf das ungewollte Auf und Ab verzichten. "Ein paar Bodenwellen könnten es schon weniger sein", sagte er uns. "Dann hätte ich weniger Kopfschmerzen. Jetzt tut mein Schädel schon ein bisschen weh. Aber das ist für alle gleich.

Problemfeld 3: Die Kerbs

Schon vor dem Wochenende wurde viel über die Kerbs und die Schildkrötenpanzer in Kurve 10 gesprochen. Diese sollen verhindern, dass die Fahrer die Schikane abkürzen, gleichzeitig sind sie aber eine Gefahr. So können sie einerseits einen Abflug verursachen, wie beinahe bei Nick Heidfeld geschehen, und andererseits das Auto bei der Überfahrt beschädigen.

Singapur wusste nicht auf allen Gebieten zu überzeugen. - Foto: Sutton

Fernando Alonso sagte dazu schon vor dem Training: wenn es einmal passiere, okay, aber nach dem zweiten Chassisschaden fahre man nach Hause. "Es ist verdammt gefährlich und ich hasse es", nahm Sebastien Bourdais kein Blatt vor den Mund. Er hatte sich schon am Mittwoch lautstark über die Lösung beschwert. Nick Heidfeld empfand es hingegen als nicht so schlimm. "Sie sind besser als erwartet, man kann gut drüber fahren."

Problemfeld 4: Die Boxengasse

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Boxenein- und Ausfahrt. "Sie sind nicht optimal", stellte nicht nur Nick Heidfeld fest. "Ich hoffe, dass man da noch etwas ändern kann, was kurzfristig an diesem Wochenende nicht einfach ist." Denn es mangelt an Platz und baulichen Möglichkeiten, die sich auf die Schnelle umsetzen lassen.

Beinahe wäre Heidfeld bei der Ausfahrt mit Sebastien Bourdais kollidiert. "Du fährst mitten in den Scheitelpunkt rein", beschwerte er sich. Aber auch die Einfahrt ist nicht viel besser. "Die Einfahrt ist extrem langsam, wenn man da hinter einem herfährt, kann es einem die ganze Runde versauen." Oder abfliegen: Nico Rosberg wich einem langsamen Giancarlo Fisichella neben die Strecke aus, als dieser mit einem Getriebeproblem an die Box zurückrollte. Jarno Trulli erinnert: "Charlie Whiting muss sich viele Dinge ansehen, die geändert oder verbessert werden müssen."


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