Liebe Fans,

die Saison 2006 ist vorbei und das Jahr 2006 neigt sich dem Ende. Mein Fazit fällt positiv aus. Wir wollten uns vom 8. Platz steigern, den Sauber letztes Jahr innehatte. Das ist uns mit dem 5. Platz gelungen, wobei man das gar nicht erwarten konnte. Zu Beginn gaben wir keine Zielvorgabe aus, da wir uns nicht zu sehr unter Druck setzen wollten. Deswegen habe ich von Anfang an gesagt, dass ich auf Platz 6 hoffte - selbst das war schon ein recht hohes Ziel. Am Ende war es sehr eng, aber wir haben zwei Podestplätze herausgefahren, was dieses Jahr noch gar nicht geplant war.

Ein großes Highlight war das Qualifying in Monza, wo ich eigentlich auf der Pole Position gestanden hätte, wenn man den Sprit rausgerechnet hätte. Mitten in der Saison hatten wir ein kleines Tief, aber das war auch wichtig, weil wir daran erkennen konnten, dass wir aus eigener Kraft zurückkommen können. Der nächste Höhepunkt war natürlich mein Podestplatz in Ungarn; der erste für das BMW Sauber F1 Team. Der Tiefpunkt war hingegen der China GP, oder besser die letzte Kurve des China GP. So etwas habe ich noch nie vorher erlebt - weder im Kartsport noch in anderen Formel-Serien. Ich lag auf Platz 4 und die beiden Honda hinter mir kamen näher. Also habe ich etwas mehr gepusht und meinen Vorsprung auf 7 Sekunden vergrößert, was mich etwas verwundert hat, weil Honda zu diesem Zeitpunkt etwas stärker war als wir.

Dann kamen zwei Überrundete ins Spiel, zunächst Christijan Albers, der mich aufgehalten hat. Er meinte zwar hinterher, dass er vom Gas gegangen sei, aber die Daten haben bewiesen, dass das nicht der Fall gewesen ist. Dadurch habe ich viel Zeit verloren. Bei Takuma Sato passierte das gleiche. Dann fuhr mir in der letzten Kurve Rubens Barrichello ins Auto, weswegen ich froh war, überhaupt noch ins Ziel gekommen zu sein. Danach hatte ich so einen Hals. Zunächst wollte ich zu Sato gehen, aber dann sagte mir jemand aus dem Team, dass es Yamamoto gewesen sei, deshalb bin ich dem Falschen an den Kragen gesprungen. Aber letztlich war es nicht schlecht, dass ich mein Auto am Ende der Boxengasse parken musste und so ein paar hundert Meter laufen musste, bevor mir einer von beiden über den Weg gelaufen ist...

Im nächsten Jahr beginnt eine neue Zeitrechnung für die Formel 1 in Deutschland. Nach dem Rücktritt von Michael Schumacher wird das Interesse sicher etwas zurückgehen, aber ich glaube nicht, dass es so schlimm wird, wie nach dem Rücktritt von Boris Becker im Tennis. Wir haben einige deutsche Fahrer, Teams und Sponsoren dabei, die viele Zuschauer interessieren werden. Durch Michael haben auch viele Fans eine Affinität zu Ferrari bekommen. Deshalb werden sie wissen wollen, wie es mit dem Team nach Michael weitergeht. Es gibt nächstes Jahr auch viele Wechsel wie von Kimi und Fernando, also werden sicher einige Zuschauer einfach mal reinschauen, um zu sehen, wie sie sich schlagen werden. Das Wichtigste ist jedoch: Wenn wir gute Rennen liefern, sollte es keinen großen Unterschied geben.

Natürlich steigt der Erwartungsdruck auf mich, weil ich zusammen mit Ralf Schumacher jetzt zu den erfahrenen deutschen Piloten zähle. Aber als Formel 1-Fahrer ist man diesen Druck gewohnt. Als Michael zurückgetreten ist, habe ich auch selbst einmal darüber nachgedacht, wie lange ich noch fahren möchte, aber für mich ist der Rücktritt noch viel zu weit weg. Jetzt freue ich mich erst einmal auf eine erfolgreiche Saison 2007. Bis diese angeht wünsche ich allen meinen Fans ein erholsames Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!