Ganz so aufregend wie Australien war es in Malaysia nicht. Es waren einfach ein paar schöne Tage mit wundervollem Wetter in Melbourne und dort war alles so entspannt. St. Kilda und der Strand sind gleich um die Ecke, es gibt schöne Restaurants, es ist einfach so ein schöner Ort, um dort einen Grand Prix zu haben. Ich fuhr nicht einmal nach Melbourne hinein, weil es in St. Kilda so schön war.

Nach diesen fünf tollen Tagen kamen wir nach Malaysia, wo es nicht nur heiß war, sondern auch eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschte. Gerade diese Feuchtigkeit macht bei der Arbeit einen großen Unterschied, auch wenn man Bilder machen will. Man spürt es nicht nur selbst, aber es verstecken sich auch alle in ihren klimatisierten Räumen, was schade ist. Wie sehr die Fahrer gelitten haben, konnte man an Jarno Trulli nach dem Rennen schön sehen. Zwar tropfte ihm da auch Wasser von der Stirn und nicht nur Schweiß, aber er sah wirklich mitgenommen aus. Er hatte sich für seinen vierten Platz voll verausgabt und freute sich darüber.
Bei Toyota wollte man sogar einen Podestplatz. Nach dem Rennen gingen wir zum Team und fragten, ob sie ein Feierbild nach dem vierten Platz machen wollten, aber sie lehnten ab. Ihre Begründung war einfach: sie wollen auf das Podest, sie wollen einen Sieg. Das ist ihre Mentalität. Sie wollen einen vierten Platz nicht feiern. Die Punkte nehmen sie aber natürlich gerne mit, immerhin treten sie gegen Honda an, ihren Markenrivalen aus Japan.
Vor dem Wochenende hatten wir zumindest ein paar Tage, um zu entspannen. Wir flogen am Montag und Dienstag sowie Mittwoch war Zeit zum Ausruhen. Ich ging da auch ein bisschen Golf spielen und durfte merken, was ein Gewitter am Rennsonntag bedeutet hätte. Der Regen war wie eine Wand und es hörte sich an wie ein Bombenangriff. Im Vergleich zu den Mechanikern hatten wir es mit dem Regen aber gut. Sie hatten nur den Reisetag frei und mussten ab Dienstag gleich wieder alles aufbauen und hatten viel, viel Arbeit.

Natürlich gab es neben der normalen Arbeit auch in Malaysia wieder ein paar lustige Momente für mich. Ich ging durch den Paddock und da war plötzlich so ein kleines Tier, das sich anscheinend irgendwie am Bein verletzt hatte. Jackie Stewart hat versucht, es aufzuheben, aber das kleine Tier huschte immer davon. Aus dem Paddock wollte es aber auch nicht verschwinden. Da war also der dreifache Weltmeister Jackie Stewart, der vielleicht nicht mehr ganz so fit ist wie früher und er eilte hinterher. Er hat es dann nicht erwischt, sondern ein Einheimischer hat das Tier eingefangen.
Besonderen Respekt rang mir ein japanischer Kollege ab. Er war bei den ersten beiden Rennen mit einem gebrochenen Bein im Gips unterwegs und hat trotzdem voll gearbeitet. Das zeigt auch, welche Hingabe diese Fotografen haben, die zu den Grands Prix reisen. So war er beispielsweise bei Ferrari und hat sich mit seinem Gipsbein vor das Auto gelegt, um die Nase gut zu treffen. Wenn ich ein gebrochenes Bein hätte, wüsste ich nicht, ob ich zu einem Grand Prix fahren und meine Arbeit hundertprozentig erledigen könnte. Hut ab vor meinem Kollegen kann ich da nur sagen. Schön war, dass viele Fahrer auf seinem Gips unterschrieben haben und ihm alles Gute wünschten.
Unter den Fahrern gibt es aber auch welche, die noch ganz auf dem Boden geblieben sind. Am Morgen wartet man als Fotograf immer am Drehkreuz, um die Fahrer zu erwischen. Eines Morgens kam Sebastian Vettel und er hatte sich ein paar Overalls in einem Plastiksack über die Schulter geworfen. Die meisten Fahrer lassen die Wäsche vom Team machen. Einen Fahrer zu sehen, der seine Overalls selber herumträgt, zeigt, dass einige Fahrer wirklich noch nicht abgehoben sind.

Und Humor haben sie auch. Rubens Barrichello hatte sich ein paar T-Shirts gekauft und präsentierte eines stolz. Darauf stand: "Älter und besser". Das war großartig, denn Rubens ist mittlerweile quasi der Senior im Paddock und wird in diesem Jahr ja auch den Rekord für die meisten Grands Prix Teilnahmen übertreffen. Rubens ist echt ein netter Typ. Ich bin irgendwie mit ihm groß geworden. Ich erinnere mich noch daran, als er in der Formel 3 in England unterwegs war - das war 1990. Davor war er noch in der Formel Opel Euroserie unterwegs. Jetzt kenne ich Rubens also schon beinahe 20 Jahre. Bei David Coulthard ist es das gleiche. Der war mit Rubens in der Formel 3 unterwegs. Es ist toll, dass Rubens immer noch da ist. Wahrscheinlich ist dies seine letzte Saison, er hat aber immer noch Spaß mit dem Sport - und zieht sich auch gerne T-Shirts an, um ein wenig Spaß zu machen.
Mir macht meine Arbeit immer besonders Spaß, wenn ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin. Das war in Australien so, als Kimi im Qualifying mit seinem Auto liegen blieb. Ich war gerade am Dach und wartete eigentlich darauf, dass er aus dem Auto steigt und die Boxengasse heruntermarschiert. Er blieb dann zwar im Auto und wurde angeschoben, es war aber immer noch ein schönes Bild und es war nett, zur Stelle zu sein.

In Malaysia blieb Kimi im Training dann wieder stehen und gerade als die Autos zurückgebracht wurden, war ich wieder zur Stelle. Kimi kam auf dem Scooter zurück in den Paddock und ich hielt die Linse auf ihm, als er unterwegs war. Er nahm seine Hand nach oben und fuhr sich an den Kopf. Es sah so aus, als ob er nicht besonders erfreut wäre, dass sein Auto liegen geblieben war. Bei unserem Spiel geht es eben immer darum, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein und es war schön, dieses Bild einzufangen.
Nach dem Rennen war wieder so ein Moment. Ich kam von der Strecke zurück, um mich für die Podiums-Zeremonie bereit zu machen. Massas Auto wurde gerade zurückgebracht und die Mechaniker waren nicht da, um aufzupassen. Wenn ein Auto nach einem Training zurückgebracht wird, dann sind die Mechaniker immer da, um aufzupassen, dass das Auto nicht zu hoch vom Kranwagen gehoben wird und man vom Unterboden nicht zu viel sieht. Diesmal waren sie aber eben nicht da und die Streckenarbeiter hoben das Auto richtig hoch vom Kranwagen. Das ergab natürlich auch ein paar nette Fotos. Keine Sorge, das war nicht aus Spionagegründen, sondern einfach, um einmal einen anderen Winkel vom Auto zu haben.
Darum geht es in der Formel 1 und in der Fotografie eben. Immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, richtige Lichtverhältnisse, die richtige Linse, richtige Belichtungszeit. Es gibt viele Dinge, an die man denken muss. Meistens bekommen wir es richtig hin - nicht immer. Wir werden sehen, wie es in Bahrain läuft.

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