Formel 1 / Kolumne

Massedämpfer: Die Lehren des 15. WM-Laufs - Japan GP

Japan ist immer eine Reise wert. Hier lernt man viel über Berge, Mäuse und Tunnel.
von Stephan Heublein

Die Lehre vom Taxi

Japaner sind freundlich, Japaner sind pünktlich und Japaner halten Wort. Deshalb wollte Alex Wurz kein Risiko eingehen, als er sich am Dienstag vor dem Grand Prix auf machte, den Mount Fuji zu besteigen. "Wir hatten Glück und schönes Wetter [das sollte am Rennwochenende anders sein] - es war wie im Bilderbuch, ein richtig formschöner Berg", sagte der Österreicher, der seinen Aufstieg aber nicht bis zur Spitze fortsetzen konnte. "Ich hatte ein bisschen zu wenig Geld dabei und der Taxifahrer wollte nur zwei Stunden warten, also bin ich bis auf 2.500 Meter hoch gelaufen, musste dann leider Gottes umkehren, weil mitten in Japan wollte ich nicht ohne Taxi da stehen."

Bilderbuchwetter in Fuji. - Foto: Sutton

Die Lehre vom Kennenlernen

Auf der neuen Rennstrecke brauchten die Piloten kein Taxi, das sie einmal herumfuhr. Wobei: Sebastian Vettel hätte sich beinahe eines genommen, ein Oranges obendrein. "Es ist eine neue Strecke, keiner kennt sie - außer den Spyker-Fahrern. Also werde ich mich morgen hinter die Spyker klemmen." Das hat noch gut geklappt, erst als er sich hinter Mark Webber klemmte, kam es zu Problemen...

Die Lehre vom Hybrid

Zukünftig sollen Formel 1-Motoren zu Hybridmotoren werden. Energierückgewinnung aus Brems- und Auspuffwärme soll einen zusätzlichen PS-Vorteil ermöglichen. Aber wie genau funktioniert so ein Hybridmotor? Nick Heidfeld sollte es dem Laien einmal erklären. "Tja, das würde ich auch gerne einmal erklärt bekommen." Nick scheint seine Energie ohnehin eher aus dem Bart zu gewinnen.

Die Lehre von Mickey Mouse

Keine Mickey Mouse, aber so etwas Ähnliches... - Foto: Sutton

Von Hybridmotoren versteht Nick Heidfeld nicht so viel, das Verhalten der Japaner in Vergnügungspark versteht er hingegen überhaupt nicht. Vor dem Wochenende war er mit seiner Freundin Patricia und den Kindern Juni und Joda im japanischen Disneyland. "Wir hatten sehr viel Spaß", freute er sich. "Vor allem fand ich es witzig, wie viele Erwachsene dort unterwegs waren. In der Schlange vor dem Haus von Mickey Mouse waren so viele, die sich mit großen Ohren und der ganzen Verkleidung fotografieren lassen wollten. Ich dachte, was ist denn hier los? Lasst doch mal die Kinder nach vorne. Die erwachsenen Japaner haben sich gefreut wie Kids, völlig aufgeregt und hibbelig."

Die Lehre von Japan

Japan ist eben anders. Es gibt beheizte Toilettendeckel (Nico Rosberg: "Das ist phänomenal!"), sprechende Getränkeautomaten, eine Rolltreppe an der Rennstrecke und Fernsehkameras mit Scheibenwischern - nur das Wetter können die Japaner nicht kontrollieren; noch nicht.

Die Lehre von der Post

Der Zug brachte nur Spyker aus dem dunklen Tunnel ins Licht. - Foto: Sutton

Wieder waren es E-Mails, wieder waren sie einigen unbekannt und wieder waren alle unschuldig. Ohne die elektronische Post scheint heutzutage gar nichts mehr möglich zu sein - weder Spionageanhörungen noch Regenrennen. Die angeblich verspätete E-Mail an Ferrari, welche die Verwendung der 'heavy wets' vorschrieb, veranlasste einen britischen Kollegen bei der Ferrari-Pk nach dem Rennen zu folgender Frage: "Erkennen Sie die Ironie, dass vor zwei Monaten McLaren gesagt hat, dass sie unschuldig sind, weil sie von den Unterlagen nichts wussten und nun sagt Ferrari, dass man unschuldig ist, weil man von der Mitteilung nichts wusste?" Jean Todt war von dieser Frage wenig angetan. Dem technologischen Fortschritt tut dieser Vorfall nicht gut, ab sofort wird die FIA neben E-Mails auch wieder ausgedruckte Papierversionen an alle Teams verteilen. Dass die Bedingungen zu schlecht für Intermediates sind, müssen die Teams aber weiterhin selbst erkennen...

Die Lehre vom Licht

Für einige Stunden hielten Tonio Liuzzi und die Scuderia Toro Rosso ihren ersten WM-Zähler der Saison in Händen. Nach dem Frust über den Webber-Vettel-Zwischenfall war das wenigstens eine klitzekleine Wiedergutmachung. Bis die Rennkommissare Liuzzi den Punkt wieder wegnahmen, weil er Adrian Sutil unter Gelb überholt haben soll. "Wir dachten, dass wir das Licht am Ende des Tunnels sehen würden", hieß es in einem Toro Rosso Press Release, "aber in unserem Fall war es nicht das Licht am Ende des Tunnels, sondern nur ein entgegenkommender Zug!" Der Zug war Orange und brachte Spyker aus dem langen, dunklen Tunnel heraus.


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