Eigentlich ist die silberne Geschichte schnell erzählt: Ferrari war schneller als McLaren. Das gaben beide Fahrer offen zu. Doch diese Erklärung wäre etwas zu einfach und einfach ist in der Formel 1 bekanntlich nichts. "Lewis hatte Probleme mit den Reifen", gesteht McLaren-CEO Martin Whitmarsh. "Im ersten Stint konnte er nicht davonziehen, aber er hatte eine gute Pace. Der zweite Stint war dann etwas enttäuschend, manchmal hatten die Reifen nicht den richtigen Druck. Im 3. Stint hätte er schneller sein können, aber heutzutage musst du am ersten Rennwochenende die Motoren schonen." Genau das befahl McLaren beiden Piloten für den Schlussabschnitt.
"Es gibt viele positive Dinge an den langlebigen Motoren", so Whitmarsh, "aber eben auch negative Seiten wie diese. Manchmal muss man den Fahrern sagen, dass sie ihre Motoren nicht zu hart heran nehmen sollen." Zusätzlich klagte Hamilton darüber, dass er das ganze Wochenende kein perfektes Setup gefunden hat. "Er hat nicht die perfekte Balance gefunden", bestätigte Whitmarsh im zweiten Nachfragen. Hatte Alonso also die bessere Wahl getroffen? "Wir teilen die Daten und Infos im Team, das war schon immer so. Aber sie haben nie das gleiche Setup, das entwickelt sich mit dem Fahrer und Ingenieur weiter." Der Erfahrungsrückstand von Hamilton spiele dabei keine Rolle, da sein Team ja sehr erfahren ist. "Und ihre Setups liegen auch nicht eine Million Meilen auseinander."
Der einzige wirkliche Fehler von Hamilton war also sein Zucken beim ersten Boxenstopp. "Nachdem er seinen Heim-GP angeführt hat, kann man einen kleinen Adrenalinstoß verstehen. Er versuchte, so schnell wie möglich zurück ins Rennen zu gehen." Dabei übersah er beinahe den Lollipop. Immerhin gab der Vorfall die Richtung für die nächsten Rennen vor: "Lewis und Fernando wollen das ganze Team dazu antreiben, die Lücke zu Ferrari zu schließen", weiß Whitmarsh. Noch führe man in beiden WM-Wertungen, aber Ferrari sei stark. "Wir wollen jetzt zu jedem Rennen ein schnelleres Auto mitbringen. Es ist ein echter Kampf, genau darum geht es in der F1 - große Fahrer und große Teams kämpfen gegeneinander."
Whitmarsh ist zuversichtlich, dass sich sein Team verbessern wird. "Wir wollen wieder Rennen gewinnen und unsere Führung verteidigen. Das ist das Schöne an unserem Sport: Man weiß es nie genau. Es wird hart, sie zu schlagen, aber das ist das Interessante und antreibende an dieser Sache. Wenn wir beim Test nächste Woche ein schnelleres Auto hervorbringen, dann können wir gewinnen." Die WM sei jedenfalls noch weit offen. "Alle vier Topfahrer leisten sehr gute Arbeit, ich sehe keinen anderen in diese Phalanx einbrechen, aber auch keinen herausfallen."



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