Es gibt diese Meldungen im Leben, die sind einfach zu schön, um wahr zu sein. Die angebliche Einigung im Streit um die zukünftige Motoren-Einfrierung ist so ein Fall. Zunächst blickten wir relativ ungläubig auf dieses Press Release der FIA, in dem der Motorsportweltverband nicht nur eine Motoreneinfrierung ab dem China GP des Jahres 2006 (!) ankündigte. In diesem Schreiben wurde auch gesagt, dass sich die FIA und die Herstellervereinigung GPMA nach einem Treffen von FIA-Präsident Max Mosley und GPMA-Vorstand Burkhard Göschel "in allen Belangen bezüglich der Zukunft der Formel 1" einig seien.
Da lag also ernsthaft ein offizielles Dokument vor uns, das von einer Einigung sprach! Angesichts der langen und komplizierten Vorgeschichte brachte das nicht nur uns zum staunen. Leider kam schon wenig später der fast schon erwartete Rückschlag: Auf Nachfrage bestätigte uns ein GPMA-Sprecher, dass die von der FIA veröffentlichten Punkte zwar "korrekt" seien, aber von einem Deal noch lange nicht die Rede sein könne. Die Freude war "verfrüht". Denn zu diesem Zeitpunkt hatten sich nur Mosley und Göschel auf die vorliegenden Punkte einigen können, die anderen GPMA-Hersteller (sprich Renault, Honda, Toyota und Mercedes) mussten diesen Plänen erst noch zustimmen. Allerdings schien dies nur noch eine Formsache zu sein, da BMW bislang wohl die härtesten Verfechter einer freien Motorenformel waren.
Zwei Tage später drang nun ein Brief von FIA-Technikchef Charlie Whiting an die Öffentlichkeit, in dem er weitere Pläne für die Motoreneinfrierung an die Teams übermittelte, dabei wurden die Homologierungszeitpunkte unter anderem auf die Grand Prix in Japan und Brasilien festgelegt. Weitergedacht bedeutet dies: Man widersprach damit zumindest in einem Punkt der Vereinbarung vom Montag - die ja angeblich laut FIA zu aller Zufriedenheit gewesen ist, aber bisher noch immer nicht von der GPMA abgenickt wurde.
Damit wären wir beim nächsten Problem: Die FIA war mit ihrem Schreiben vom Montag wirklich zu voreilig. Die fünf Automobilhersteller sehen noch zu viele offene Fragen, um dem als Fakten verkauften "Vorschlag" vom Montag zuzustimmen. Die Tatsache, dass Max Mosley den Herstellern anbietet, schon 2009 mit Hybrid-Motoren und weiteren Energiesparenden Technologien wie spritsparenden Motoren zu fahren, macht ihnen zwar das Angebot schmackhaft, das Finden einer Lösung wird dadurch aber nicht gerade einfacher.
Damit bleibt weiterhin unklar, welche Motoren als Grundlage für die Homologierung dienen sollen. Zur Auswahl stehen jene V8-Triebwerke, die im Juni fristgerecht nach dem Silverstone GP abgegeben wurden, jene die beim China GP demnächst zum Einsatz kommen werden, jene die in Japan oder Brasilien eingesetzt werden oder solche Motoren, die zu irgendeinem anderen späteren Zeitpunkt einmal bei der FIA eingereicht werden. Zu allem Überfluss schwebt noch immer das Damoklesschwert der Arbitration über der Formel 1: Denn noch ist nicht geklärt, ob einige der Teams gegen die FIA vorgehen werden. Die Freude über die angebliche "Einigung über absolut alle Belange der Zukunft der Formel 1" war also wahrlich nur von kurzer Dauer. Es war wohl wahrlich zu schön, um wahr zu sein...



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