Der erste Eindruck täuscht: Aufgrund seines Layouts wird der Hungaroring oft und gerne mit dem eher despektierlichen Attribut "Mickey Maus"-Kurs versehen. So verfügt er über eine äußerst winklige Streckenführung, wodurch sich auf dem 4,381 Kilometer langen Asphaltband kaum Überholmöglichkeiten bieten. Gleichzeitig fallen die auf ihm erzielten Durchschnittsgeschwindigkeiten mit rund 180 km/h vergleichsweise gering aus.
Während die Strecke manche Fahrer an eine Kartbahn erinnern, ziehen andere einen Vergleich zu einem Amphitheater. Die Begründung dafür ist einfach: Schließlich ist die Strecke derart in die Landschaft eingebettet, dass die Zuschauer praktisch von allen Plätzen die Hälfte des durch ein kleines Tal führenden Parcours einsehen können. Wiederum andere vergleichen den Kurs mit dem legendären Fürstentum von Monaco. Schließlich geht es auch dort eng und winklig zu - allerdings fehlen auf dem Hungaroring die berüchtigten Leitplanken.

Bis zur Saison 2003 war der Hungaroring eine drei Komma neun sieben fünf Kilometer lange Rutschpartie in der ungarischen Puszta, welche die heute sowieso schon mit Seltenheitswert ausgestatteten Überholmanöver aufgrund der engen und kurvigen Streckencharakteristik beinahe unmöglich machte. Seit dem Jahr 2003 ist der Hungaroring nun eine vier Komma drei acht eins Kilometer lange Rutschpartie in der ungarischen Puszta, die dank des Umbaus der ersten Kurve zumindest eine klitzekleine Hoffnung auf ein Überholmanöver macht.
Auch nach den umfangreichen Umbauarbeiten blieb die Strecke nach dem Stadtkurs von Monaco die zweitkürzeste Rennstrecke des aktuellen Formel 1-Kalenders. Interessanterweise fahren die Piloten hier sogar mit noch mehr Abtrieb als im Fürstentum.
Aber der Hungaroring hat nicht nur eine hohe Rundenanzahl sowie eine kurze Streckenlänge mit dem Traditionsrennkurs aus dem Fürstentum gemeinsam. Er teilt leider auch die wenigen Überholmöglichkeiten mit dem Jahreshighlight im Leitplankendschungel. So wird der Kurs unweit der ungarischen Hauptstadt nicht nur als "Monaco ohne Häuser und Leitplanken" bezeichnet, sondern verlangt er den Fahrern und Teams - ebenso wie das berühmte "Vorbild" - vor allem im Qualifying und beim Kampf um die Startposition einiges ab. Denn ohne einen guten Startplatz hat man keine Chance auf ein gutes Ergebnis.

Ein großer Unterschied zum Monaco-Grand Prix ist jedoch, dass hier Fahrfehler aufgrund der geräumigen Auslaufzonen, welche den Kurs zu einem der sichersten in der F1 machen, nicht in dem Maße bestraft werden, wie dies in den Straßenschluchten des Fürstentums der Fall ist. Aufgrund der kaum vorhandenen Überholmöglichkeiten stellen aber vor allem Routine und Geduld wichtige Faktoren am Hungaroring dar, was besonders unter Berücksichtigung der großen Hitze zu einer enormen physischen und psychischen Beanspruchung für die Piloten führt.
Eine entsprechend wichtige Rolle spielt die Fitness der Fahrer, da schon die sehr hohe reguläre Rundenzahl die Piloten nah an das Zeitlimit von zwei Stunden bringt. Deswegen gehört der Hungaroring, trotz der wenigen Überholchancen, zu den anspruchsvollsten Strecken des Jahres überhaupt.
Insgesamt zählt der Ungarn-GP mit seiner Durchschnittsgeschwindigkeit von 180 km/h zu den langsamen Rennen. Dafür haben es die Kurven jedoch in sich. Der Schwierigkeitsgrad kann durchaus mit jenem von Monte Carlo verglichen werden. Demzufolge kommt auch weniger Wichtigkeit der reinen Motorleistung, den Bremsen oder der Aerodynamik zu, sondern stehen vor allem die Balance und der Grip im Vordergrund. Die Strecke selbst verlangt aufgrund der vielen und engen Kurven zusätzlich nach viel aerodynamischem Anpressdruck, um auch in den langsamen Kurven eine optimale Haftung erzielen zu können.
Entsprechend werden die Boliden mit hohen Flügeleinstellungen und einer weichen Federung auf die Strecke geschickt. Die weich eingestellte Federung soll für eine gute Traktion sorgen, damit die Piloten aus den Kurven gut herausbeschleunigen können. Eine gute Beschleunigung ist auch am Start notwendig, da man sich mit einem Blitzstart angesichts der Streckencharakteristik mit ihren wenigen Überholmöglichkeiten einen entscheidenden Vorteil sichern kann.



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