Lange sah es nur nach Zweckoptimismus aus, doch jetzt haben Michael Schumacher und Ferrari doch wieder realistische WM-Chancen! Gründe scheint es dafür zwei zu geben, die wie üblich in der Formel 1 durch viele andere Bereiche miteinander verknüpft sind und auf diese Weise die Wirkung noch verstärken: Die Reifen und die Verbote.

Rein beim Speed der Autos dürften Ferrari und Renault weiterhin gleichauf liegen, aber bei der Nutzung und der Performance der Reifen gibt es seit drei Rennen eklatante Unterschiede, die jetzt in Hockenheim besonders stark zum Tragen kamen; auch weil hier die Schwingungsdämpfer von Renault nicht zum Einsatz kommen durften. Einzeln dürfte das nicht so viel ausmachen, aber in Kombination mit den Reifen und anderen Faktoren kann dies schnell zu den fehlenden Zehnteln führen. Ein modernes Formel 1-Auto muss eben immer als Komplettkunstwerk gesehen werden und wenn dann ein Teil nicht mehr passt, werden gleich die anderen in Mitleidenschaft gezogen.

Erschwerend kam für Renault hinzu, dass Honda, McLaren, Williams und Toyota schneller waren - vor allem bei Honda war dies eine erstaunliche Entwicklung. Ferrari kam das natürlich sehr entgegen: Ohne die Hilfe der Konkurrenz wäre ihr Angriff auf die WM-Titel aussichtslos geblieben, so aber haben sie ernsthaft wieder eine reelle Titelchance. Es wird also spannend!

Hockenheim bewies wieder einmal eindrucksvoll, wie wichtig die Strecke für ein spannendes Rennen ist: Kaum beinhaltet ein Kurs die typische Tilke-Haarnadel im Anschluss an eine lange Gerade, schon gibt es hinter den überlegenen Ferrari-Piloten etliche Überholmanöver und Zweikämpfe. Hilfreich sind in diesem Zusammenhang auch die geräumigen Auslaufzonen, die es den Piloten erlauben, auch einmal etwas zu riskieren, ohne dass sie gleich in der Mauer kleben. Im Gegensatz zum eher überholfeindlichen Nürburgring, ist Hockenheim also klar die bessere Strecke für packende Rennen - ganz zu schweigen von Imola oder Magny Cours...

Da ist es umso ärgerlicher, dass Hockenheim nur noch alle zwei Jahre im Rennkalender sein soll. Andererseits zeigten die enttäuschenden Zuschauerzahlen deutlich, dass die Goldgräberstimmung der 90er Jahre längst vorbei ist - die Tribünen im Motodrom wiesen an allen Tagen große Lücken auf. Man konnte richtig fühlen, dass es nicht richtig voll war.

Die schwarz-rot-goldene Zukunft

Wenn aber selbst ein siebenfacher Weltmeister, der sich vielleicht auf dem Weg zu seinem achten Titelgewinn befindet, die Tribünen nicht mehr zu füllen vermag, wer soll es dann zukünftig schaffen? Die Auswahl an möglichen Nachfolgern ist groß: Adrian Sutil, Markus Winkelhock, Timo Glock, Michael Ammermüller, Sebastian Vettel, Maro Engel, Peter Elkmann...

Sutil und Winkelhock haben den ersten Schritt schon geschafft: Sie sind Testfahrer bei MF1 Racing. Allerdings ist es für beide schwierig ohne Testfahrten immer nur an den GP-Freitagen ins Auto zu steigen und sofort Topleistungen abzurufen. Adrian hat das zuletzt perfekt hinbekommen und auch mein alter Formel 3-Teamkollege Markus war in Hockenheim gut unterwegs - ein Vergleich zu Adrians Top-10-Ergebnis aus Frankreich ist jedoch nicht möglich, da Midland in Deutschland wesentlich weniger konkurrenzfähig war als in Magny Cours.

Beide sind starke Piloten, wobei Adrian den Vorteil hat, dass er in Japan viel Rennpraxis sammeln kann, während Markus in diesem Jahr nur einmal bei einem Porsche Supercup-Rennen im Cockpit saß. Als überlegener Tabellenführer in der japanischen F3 heimst Adrian zudem viel Aufmerksamkeit ein, denn in dieser Serie fahren bei Leibe keine schlechten Piloten mit.

Gleiches gilt für die GP2: Dort mischen zwei Deutsche mit - beim einen läuft es jetzt endlich, beim anderen läuft es hingegen nicht mehr. Timo Glock ist nach seinem frustrierenden Saisonstart mittlerweile der schnellste Mann im Feld; bei mindestens acht Top-Fahrern heißt das schon etwas. Ohne seinen verkorksten Start bei BCN hätte er Hamilton das Leben in diesem Jahr mehr als schwer machen können. Für Timos Ansehen in der Formel 1 ist das natürlich Gold wert, gerade da Hamilton zuletzt stark gehypt wurde.

Für Michael Ammermüller lief es genau anders herum: Er startete mit riesigen Erfolgen in die Saison, wurde mittlerweile aber durch etliche Probleme und technische Defekte eingebremst. Somit fährt er jetzt zwar in einem Bereich, der für einen Rookie aller Ehren wert ist, aber wer zu Saisonbeginn bereits auf dem obersten Stockerl gestanden hat, will auch am Ende des Jahres vorne dabei sein.

Damit bleiben uns noch drei Formel 3-Fahrer. Den Anfang macht ganz klar Sebastian Vettel, der ja auch schon für BMW Sauber in einem F1-Auto gesessen hat. Er gehört zu den Top-Leuten in der Formel 3 Euro Series und muss sich dort mit einer verdammt starken Konkurrenz herumschlagen. Wie groß sein Talent ist, hat er bei seinem Gastspiel in der World Series by Renault bewiesen: Ohne jemals in einem solchen Rennwagen gesessen zu haben, gewann er in Misano beide Rennen! Um es harmlos auszudrücken: Ein bisschen was, muss er also schon drauf haben - mehr braucht man dazu nicht zu sagen...

Ebenfalls in der F3 Euro Series am Start ist Peter Elkmann. Der deutsche Formel 3-Champion von 2005 fährt nicht für das beste Team und hat nicht das größte Budget, gewann in Brands Hatch aber sein erstes Rennen - und bei so vielen starken Gegner ist das auf jeden Fall eine Topleistung.

Am letzten Wochenende meldete ein weiterer Deutscher Ansprüche auf eine erfolgreiche Motorsportzukunft an: Maro Engel gewann sein erstes Rennen in der britischen Formel 3 - und das ist keineswegs eine kleine Miniserie, dort wird viel getestet, auf für ihn unbekannten Strecken gefahren und gibt es jede Menge starke Konkurrenz. Es wird auf alle Fälle interessant, wo er im nächsten Jahr fahren wird: Wieder in der britischen F3 oder in der Euro Serie oder vielleicht direkt in der GP2? So ungerecht es auch sein mag: Am Ende entscheidet wohl nicht nur bei ihm das liebe Geld...