Wald, Geraden und Schikanen: Das waren bis 2001 die Stichworte für den alten, langen Hockenheimring. Davon ist nicht mehr viel übrig gebliebenen: Die neue, kürzere Strecke enthält nur noch das stadionartige Motodrom und einen modernen Streckenbereich mit Auslaufzonen und Überholmöglichkeiten - eine wahre Rarität in der heutigen Formel 1.

Aber wie alt ist neu? Nach mittlerweile drei WM-Läufen auf der umgebauten Strecke dürfte Hockenheim eigentlich nicht mehr als "neu" gelten. Aber da sich die alte Streckenführung mit den endlosen Waldgeraden in der Erinnerung der Fans unauslöschlich eingegraben hat, wird der verkürzte Hockenheimring dieses Etikett wohl noch Jahrzehnte mit sich herumtragen - wenn ihn Bernie Ecclestone & Co das denn lassen. Selbst die größten Traditionalisten müssen jedoch einräumen, dass sich der vom Team des deutschen Architekten Hermann Tilke gezeichnete Kurs bislang immer als Garant für packende Zweikämpfe erwiesen hat.

Das Motodrom wartet auf die 22 Heroen., Foto: Sutton
Das Motodrom wartet auf die 22 Heroen., Foto: Sutton

Die Fans dürfen sich demnach auf ein spannendes Rennen freuen: Im Vergleich zum klassischen, aber auch ziemlich eintönigen Highspeed-Layout von Hockenheim - das bis 2001 von den scheinbar endlosen Waldgeraden dominiert wurde - steht der Hockenheimring Baden Württemberg seit dem Umbau 2002 für abwechslungsreiche Rennen und interessante Zweikämpfe. Vor allem die Spitzkehre am Ende der leicht gebogenen Parabolika-Geraden stellt eine ideale Gelegenheit dar, einen Kontrahenten zu passieren. Nach Ansicht vieler existiert im gesamten Formel 1-Kalender keine bessere Stelle, um einen Gegner auszubremsen. Aber auch die Bremszone vor der Mercedes-Arena sowie die Einfahrt ins Motodrom nutzten die Grand Prix-Fahrer in den vergangenen vier Jahren mehrfach für Angriffe auf ihre Vorderleute.

Eine echte Herausforderung wartet am kommenden Wochenende auf die Ingenieure: In puncto Setup stellt der badische Grand Prix-Parcours äußerst gegensätzliche Anforderungen. Wie alle Strecken des deutschen Architekten und Hobby-Rennfahrers Hermann Tilke zeichnet sich der 4,547 Kilometer lange Kurs durch lange Geraden aus, auf die langsame Kurven folgen, aus denen heraus wieder lange Geraden folgen. Die Piloten und ihre Ingenieure müssen die richtige Mischung aus gutem Grip und hoher Endgeschwindigkeit finden. Ganz so schwierig wie zu Zeiten der legendären Waldgeraden ist der berüchtigte Setup-Kompromiss heutzutage aber nicht mehr.

Die Fans warten auf den roten Sieg-Hattrick., Foto: Sutton
Die Fans warten auf den roten Sieg-Hattrick., Foto: Sutton

Dennoch gibt es nach wie vor große Abtriebs-Unterschiede zwischen dem engen Motodrom und dem Rest des Kurses. Auch wenn dieser Spagat nicht mehr so groß wie auf der alten Strecke ist, fahren die Teams noch mit mittlerem Abtriebsniveau, um auf der Geraden überholen oder ihre Position verteidigen zu können. Wegen der relativ flach gestellten Flügel rutschen die Autos in der Stadion-Sektion zur Freude der Fans deutlich mehr als in der modernen Formel 1 üblich und eröffnen Raum für Attacken.

Gehörte der Hockenheimring bis ins Jahr 2001 noch zu den schnellsten Strecken des F1-Kalenders, so ist der neue Kurs mittlerweile bei den langsamsten Strecken der F1-Welt einzuordnen. Statt der Motorenpower und wenig Abtrieb auf den langen Geraden durch den Wald, ist nun ein durchweg gutes Kurven-Verhalten gefragt.

Die Skepsis nach dem Umbau der Hochgeschwindigkeitsstrecke ist mittlerweile verflogen - der neue Kurs von Hockenheim gilt nach seinem Umbau als Garant für packende Rennverläufe. Dies liegt vor allem an der großen Bandbreite verschiedenartiger Kurven. Die superschnelle Gerade - die gemäß ihrem Namen "Parabolika" jedoch einen leichten Bogen beschreibt - endet in einer Spitzkehre, die wegen der großen Fahrbahnbreite zu Ausbremsmanövern einlädt und unterschiedliche Linien erlaubt. Die anschließenden Kurvenkombinationen sind ein Augenschmaus für die Zuschauer der vorgelagerten Mercedes-Tribüne, und das dann folgende Motodrom hat nichts von seiner Faszination eingebüßt.