Ferrari-Teamchef Jean Todt war nach dem Rennen in Indianapolis ein äußerst glücklicher Mann. "Wir waren lange nicht mehr in einer so starken Position", sagte er. "Das Qualifying war schon sehr stark. Aber danach gab es noch zwei Fragezeichen: die Zuverlässigkeit und den Reifenverschleiß. Am Ende waren wir dann sehr zuverlässig, was sehr wichtig ist, denn es war das zweite Rennen für die Motoren. Und der Bridgestone-Reifen war hier fantastisch."

Es ist Ferrari in Indianapolis zum ersten Mal in dieser Saison gelungen, ein perfektes Paket zu haben. "Wenn man Rennen gewinnen will, dann muss es auch so sein", sagte Todt. "Das Resultat war großartig. Wenn es uns weiter gelingt, dass alles so zusammen passt, dann werden wir weitere solche Resultate haben. Und wenn nicht, dann eben nicht. Es hängt aber nur von uns ab."

Dass das Paket in Montreal nicht funktioniert hat, in Indianapolis aber schon, führt Todt nicht nur auf die Reifen zurück. "Das ist eine Kombination", sagte er. "Vielleicht hatten wir in Montreal nicht die beste Strategie. Daher haben wir dort auch nicht den besten Job gemacht. So einfach ist das."

Die Stärke, die das Team von einem Wochenende wie diesem bekommt, sei jedoch von kurzer Dauer. "Man fühlt sich nur bis zum nächsten Rennen stark, wenn man so ein Rennen hinter sich hat. Das hilft aber nur für den Rückflug, und morgen arbeiten wir weiter", sagte Todt. "Wir sind aber immer noch hinten sowohl in der Fahrer- als auch in der Konstrukteurs-WM, daher sind wir eigentlich nicht in der Position, uns stark zu fühlen."

In Indianapolis war es offensichtlich, dass Felipe Massa Michael Schumacher vorbei lassen musste. Als Grund dafür, dass Schumacher nach dem Boxenstopp von Massa plötzlich vor dem Brasilianer lag, gab Massa ein "Kupplungsproblem" an. "Die Kupplung ist etwas gerutscht", meinte Todt.

Auf die Frage danach, ob Massa und Schumacher wirklich frei kämpfen durften, antwortete Todt nur indirekt. "Sie arbeiten beide für Ferrari und werden von Ferrari bezahlt", sagte er. "Daher ist es ihr Job, das Beste für die Firma zu tun." Und das ist ganz offensichtlich die Unterstützung von Michael Schumacher.

Als Entschädigung dafür fand Todt äußerst lobende Worte für seinen Nummer-zwei-Piloten. "Felipe ist ein fantastischer Typ, ein Teamplayer", meinte er. "Er ist sehr bescheiden und schüchtern, vielleicht sogar zu sehr für dieses Geschäft, denn er wird oft unterschätzt. Aber das wichtigste ist, dass Ferrari ihn schätzt. Wenn ich sehe, was er für Noten nach einem Wochenende bekommt, dann sind es drei oder vier Zahlen zu niedrig. Das zeigt nur, dass die Leute, die ihn bewerten, keine allzu guten Juroren sind."

Es ist logisch, dass Todt immer noch die Chance sieht, dass Schumacher den Titel gewinnt. "Alles hängt davon ab, was wir tun und was die anderen tun", sagte er. "Wenn er so fährt, wie er heute gefahren ist, dann kann es schon zu unseren Gunsten ausgehen. Aber es wird sicher nicht ganz einfach."