Selbst wenn Fernando Alonso nach seinem vierten Sieg in Folge in Montreal langsam den Titel feiern und Michael Schumacher ihn so gut wie abschreiben könnte, will der Spanier die Saison noch nicht als gelaufen bezeichnen. "Es ist fast die gleiche Situation wie nach Silverstone", meinte Alonso am Sonntagabend im Fahrerlager. "Wenn der WM-Kampf nach 23 Punkten Vorsprung nach Silverstone noch offen war, dann ist er es mit 25 Punkten nach Montreal noch genau so. Die erste Hälfte der Saison ist zwar besser gelaufen als erwartet. Aber in der zweiten Hälfte könnte ich diesen Vorsprung noch verlieren."
Damit erlebt die Formel 1 2006 genau denselben Tiefstapler Alonso wie schon vor einem Jahr. Mit dem Unterschied, dass McLaren-Mercedes in der vergangenen Saison deutlich schneller war als Renault, Ferrari dieses Jahr dagegen bisher dem hellblauen Auto noch eher hinterher fährt. "Wir wissen aber, dass sie früher oder später bei der Musik sein werden, weil das Team das Auto ständig weiter entwickelt", meint Alonso.
Dennoch sieht der Spanier das Rennen in Montreal als vollen Erfolg. "Es war ein perfektes Wochenende", sagte er. "Es ist nur schade, dass nicht mehr Autos zwischen mir und Schumacher waren. Er hätte genau so gut Sechster oder Siebter werden können, was mir sehr entgegen gekommen wäre."
Die große Schwäche von Renault bleibt eben der zweite Fahrer, Giancarlo Fisichella, der auch in Montreal wegen eines Frühstarts die Chance auf einen Doppelsieg zunichte machte. Alonso wollte seinen Teamkollegen aber nicht sehr hart kritisieren. "Die Sachen laufen einfach nicht so günstig, wenn wir die Chance dazu haben", meinte er. "Man muss sich erinnern, wie er schon letztes hinter Räikkönen blieb, genau wie dieses Jahr hinter Schumacher. Aber immerhin sammelt er Punkte für die Konstrukteurs-WM."
Vom Rennen in Indianapolis erwartet Alonso ebenfalls eine starke Vorstellung. "Ich erwarte, dass ich auch dort auf dem Podium bin", sagte er. "Es ist bisher das einzige Rennen, wo ich noch nie auf dem Podium war und von der Statistik her noch schlechter für mich als das Rennen in Montreal. Aber der R26 ist bisher auf jeder Strecke sehr gut gewesen. Deswegen erwarte ich, dass es in Indy endlich besser läuft, obwohl es sicher ein schwierigeres Rennen wird als die in der ersten Saisonhälfte."
Mit dem Sieg in Montreal hat Alonso auch den bisherigen Rekord von Michael Schumacher geknackt, der 2002 nach neun Rennen 82 Punkte auf dem WM-Konto hatte. Alonso hat jetzt 84. Außerdem ist er auf dem besten Wege, mehr als jene 148 Punkte zu erreichen, mit denen Schumacher 2004 Weltmeister wurde.
"Jetzt ist es nur wichtig, weiter Rennen zu gewinnen und den Vorsprung bis zum Ende der Weltmeisterschaft zu verteidigen", meinte Alonso. "Aber so oft wie dieses Auto zur Zeit aufs Podium kommt, muss man sich eigentlich bei keinem Rennen keine großen Sorgen machen."

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