Manchmal ist die Formel 1 empfindlicher als jeder Seismograph. Kaum ist der Wanderzirkus von Bernie Ecclestone in Montreal angekommen, schon sind plötzlich fast alle der Meinung, dass Räikkönen bei Renault landet. Die Zukunft von Räikkönen ist zwar nun wirklich kein neues Thema. Aber plötzlich ist es Mode geworden, seine Zukunft hellblau zu sehen.

Den Grund dafür lieferte die Verlängerung des Vertrages von Giancarlo Fisichella bei Renault. Und wohl auch der Satz von Fisichella direkt nach der Bekanntgabe, dass sein Teamkollege natürlich ein Finne sein werde. "Das war ein Witz", sagte Fisichella heute in Montreal. Doch geglaubt hat es ihm keiner mehr.

Aber warum eigentlich nicht? Weil Fisichella kein Fahrer mit Nummer-eins-Status ist, und es auch in Zukunft nicht sei, sagen jetzt alle. Und daraus folge wieder, dass Briatore nun auch einen Top-Piloten haben müsse. Und der kann ja bekanntlich nur Räikkönen sein, da Schumacher das Team nicht mehr wechseln wird und Alonso bei McLaren-Mercedes bereits unterschrieben hat.

Nur hätte Briatore dann ein Problem mit Heikki Kovalainen, dem Testfahrer von Renault, den Briatore schon als den nächsten Alonso preist und der eigentlich den zweiten Renault-Sitz bekommen sollte. Auch dazu hat die neue Räikkönen-geht-zu-Renault-Theorie eine Lösung. Dadurch, dass Renault mit Red Bull über die Lieferung von Kundenmotoren verhandelt, könne Briatore den Finnen nun auch bei Red Bull parken.

So weit die eine Theorie. Ohne Fakten lassen sich aber genau so viele Argumente für die bisher vorherrschende Variante finden, dass Räikkönen zu Ferrari wechselt. Zum einen die Ruhe im Lager von Ferrari. Denn auch die Roten müssen für den Fall gerüstet sein, dass Schumacher nicht weiter macht. Bisher waren alle der Meinung, dass Räikkönen wenigstens einen Vorvertrag mit Ferrari besitzt. Was ist also nun daraus plötzlich geworden?

Zum anderen gibt es laut Information von motorsport-magazin.com zwar Gespräche zwischen Renault und Red Bull über Motoren, nicht aber das Mitbringsel Kovalainen. Und so lange das nicht der Fall ist, muss man eher davon ausgehen, dass Kovalainen bei Renault landet. Man könnte die Bestätigung von Fisichella auch so verstehen, dass Briatore es eingesehen hat, dass er Räikkönen nicht haben kann.

Schon mit diesen Argumenten lässt sich Fragen, wie viel Neues es zur Vertragssituation von Räikkönen überhaupt gibt. Anscheinend gar nichts. Räikkönen selber räumte in Montreal die Frage nach seiner Zukunft wieder mal cool aus dem Weg. "Ich bin noch nicht hundertprozentig sicher, was ich tun werde", sagte er. "Aber mir gefällt es schon, wie sich alles jetzt entwickelt. Irgendwann in diesem Jahr werde ich schon wissen, was für mich da ist."

Mit dieser Seelenruhe hat Räikkönen schon den McLaren-Teamchef Ron Dennis in den Wahnsinn getrieben. Ist es ein Wunder, wenn er das auch mit dem Rest der Formel 1 schafft?