Droht jetzt doch noch einmal der große Krach in der Formel 1 - oder ziehen die Hersteller, allen voran die deutschen und die japanischen, doch wieder den Kopf ein und akzeptieren endgültig, dass die Formel 1 nun einmal nicht demokratisch geführt wird und man daher nichts anderes tun kann als sich der Diktatur einzelner zu unterwerfen oder zu gehen?

Es geht natürlich wieder einmal um das leidige Einfrieren des Motorenreglements ab 2008: Bei einer Sitzung der Sporting Working Group in Montreal wollten die Motorenhersteller noch einmal einen abgemilderten Vorschlag durchbringen, der zumindest in gewissen Bereichen Veränderungen und Innovation zugelassen hätte - und damit auch nicht die bestehenden Kräfteverhältnisse auf Dauer festgeschrieben hätte.

Die Abstimmung aus dem Mai, als sich die Teams mit 8:4 komplett gegen das Einfrieren aussprachen, hatte FIA-Präsident Max Mosley ja per Handstreich einfach für nichtig erklärt und zuletzt in Silverstone darauf bestanden, die Regeln würden gemacht, wie er und die FIA das für richtig hielten. Doch Charlie Whiting als FIA-Vertreter und Leiter der Sitzung ließ jetzt in Kanada eine Abstimmung über das Thema gar nicht erst zu. Erstens sei der Punkt zu spät auf die Tagesordnung gesetzt worden - und zweitens sei für eine solche Entscheidung nicht die Sporting, sondern die Technical Working Group zuständig.

Komisch - damals vor dem Barcelona GP war es Whiting gewesen, der genau an gleicher Stelle plötzlich eine Abstimmung über genau dieses Thema gefordert hatte.

Dass in der Ausschreibung für die Formel 1 ab 2008 ein eindeutiges Mitspracherecht für die Teilnehmer vorgesehen ist, bis zum 30. Juni 2006 auch mit einfachen Mehrheiten, danach allerdings nur noch einstimmig, wischte Mosley schon in Silverstone vom Tisch. Jetzt werden Beobachter den Eindruck nicht los, dass anscheinend verhindert werden soll, dass es innerhalb der Frist überhaupt noch einmal zu einer Abstimmung kommt, deren Ergebnis nicht den Wünschen der FIA entspricht.

Die Hersteller hoffen offiziell immer noch, dass es vielleicht noch vor dem Ende der Deadline beim Indy GP am 2. Juli zu einer weiteren Sitzung und einem Voting kommt. Die Frage ist, ob sie diesmal auch bereit wären, den Weg zu Ende zu gehen, sollten Mosley und FIA erneut alle Kompromisse abblocken. Dieser letzte Weg könnte dann eigentlich nur heißen, endlich einmal wirklich vor den Europäischen Gerichtshof zu gehen und die Fragen der rechtlichen Grundlagen der heutigen Führung in der Formel 1 überprüfen zu lassen. Tun sie es wieder nicht, dann dürfen sie sich auch nicht wundern, wenn nicht nur Mosley, Ecclestone & Co ihre ja durchaus berechtigten Beschwerden nicht mehr ernst nehmen.