2 Titelanwärter, 8 Rennen, 23 Punkte Unterschied - soweit die Fakten vor dem Halbzeitrennen der Formel 1-Saison 2006. Für Niki Lauda ist das Titelrennen damit bereits entschieden: "Renault ist Lichtjahre voraus, noch stärker als 2005 - und schon 0,5 bis 0,6 Sekunden pro Runde schneller als die anderen. Das kann bis Saisonende keiner mehr aufholen."
Der WM-Leader gibt sich da weniger optimistisch; für ihn ist der Titelkampf noch lange nicht entschieden. "Ganz bestimmt nicht", betont Fernando Alonso. "Die Saison ist noch nicht einmal halb um, und mit Ferrari haben wir einen ganz starken Gegner. Vergangenes Jahr kämpften wir gegen Teams, die mehr mit ihrer Zuverlässigkeit beschäftigt waren als mit Rennsiegen - das wird bei Ferrari ganz sicher nicht der Fall sein. Sie können uns in jedem Rennen gefährlich werden, auch in Kanada."
Michael Schumacher wird das gerne hören. Seiner Zuversicht kommt es jedenfalls entgegen. "Wir können hier gut aussehen", prophezeit er. "Wir haben allen Grund zuversichtlich zu sein. Unser Auto hat bislang all unsere Erwartungen erfüllt und wir haben uns ständig weiter entwickelt. Für eine wirkliche Einschätzung würde ich aber gerne den Freitag abwarten. Dann erst wird man sehen können, wer dort wie unterwegs ist."
Mindestens 23 minus 2
Das Ziel steht jedoch fest: "Wir wollen im Kampf um die WM Boden gut machen. Das wird mit Sicherheit nicht einfach, aber einfach ist sowieso nichts in der Formel 1." Gerade das beflügelt den Ex-Champion: "Ich freue mich auf die Aufgabe, und ich denke, wir können einen guten Kampf erwarten. Wie wir dabei im Endeffekt abschneiden werden? Am besten: gut!"
Schumacher sieht jedenfalls "keinen Grund", warum man nicht konkurrenzfähig sein sollte. Der Titelkampf gegen Fernando Alonso motiviert ihn zusätzlich. "Solche Kämpfe und solche Herausforderungen liegen mir im Blut. Klar kann man nicht immer gewinnen, aber es kann nichts Schöneres geben als in einem solchen Kampf zu stehen. Das ist Inspiration pur."
Allerdings muss es schnell gehen: Aus eigener Kraft kann Schumacher den Titel nicht mehr holen; selbst wenn er alle 10 noch ausstehenden Rennen gewinnen sollte, könnte Alonso ihm mit 10 zweiten Plätzen einen Strich durch die Rechnung machen. Der Spanier hat jedoch Größeres vor: "Kanada stand schon zu Saisonbeginn ganz oben auf meiner To-do-Liste. Ich bin hier noch nie aufs Podium gekommen, also muss das in diesem Jahr mein Ziel sein. Ich werde alles tun, um das zu erreichen."
Maximal 23 minus 2
Sein Technikchef Bob Bell hat eine "satte Punkteausbeute" als Ziel ausgegeben. "Es gibt keinen Grund, warum wir nicht um den Sieg fahren und den Abstand zu Ferrari halten könnten. Genau genommen, möchten wir in den beiden bevorstehenden Rennen die WM-Führung sogar noch ausbauen. Wenn wir mit einem derartigen Vorsprung in die Saisonhalbzeit gehen, bedeutet das, dass unsere Gegner bei den folgenden neun Rennen nicht nur genau so gut sein müssen wie wir bisher, sondern dass sie sogar noch mehr punkten müssen. Das dürfte nicht einfach werden."
Die beiden Nordamerika-Rennen sind also ein strategisch wichtiger Punkt im Titelkampf. "Zu diesem Zeitpunkt treffen viele Teams die Entscheidung, wie weit sie ihre Entwicklungsprozesse bis zum Saisonschluss noch forcieren können und wollen. Wenn wir unsere derzeitige Führung behaupten können, wird sich das bei unseren Gegnern entscheidend auf deren Planungen auswirken. Eine starke Nordamerika-Kampagne wird uns einen psychologischen Vorteil bringen, so dass wir mit offensiver Einstellung nach Magny-Cours reisen können. Diesen Vorteil wollen wir in den kommenden beiden Rennen erringen."
Damit wären wir wieder bei Ex-Weltmeister Niki Lauda, der genau dieses Szenario voraussagt: "Jetzt kommen für Kanada und die USA noch die Entwicklungsschübe, wenn es auf die schnellen Strecken geht. Da müsste die Konkurrenz schon einen Riesenschritt nach vorn machen - um eine volle Sekunde. Und das ist völlig unmöglich." Michael Schumacher wird das nicht stören, er sagte schon in Silverstone: "Aufgeben gibt es bei uns nicht."



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