In Monaco verging vor zwei Wochen keine Diskussion ohne einen Kommentar über Michael Schumachers Qualifying-Ausrutscher in der Rascasse. Sven Heidfeld wünschte dem Deutschen nach der harschen Kritik aus dem gesamten Fahrerlager, dass bald Ruhe einkehren würde. Zumindest am Donnerstag in Silverstone war davon noch nichts zu spüren.

"Ich bin immer noch überrascht", sagte Jacques Villeneuve über den Vorfall. "Es ist unglaublich, aber nicht jeder reagiert genauso wie du es tun würdest. Manchmal muss man einfach eingestehen, dass man ein Idiot gewesen ist. Jeder macht in kritischen Momenten Fehler, aber man muss dann die Größe besitzen zu sagen: Sorry, das war einfach nur dumm von mir."

Wenn man stattdessen aber versuchen würde alle glauben zu machen, dass es nur ein Fehler gewesen sei, dann sehe man "nur wie ein Trottel aus". Villeneuve könne sich jedenfalls "keine Erklärung" vorstellen, die ihm die Aktion verständlich machen würde. Für den Kanadier ist Schumacher deshalb nicht mehr als GPDA-Präsident tragbar. "Jemand der sich so benimmt, sollte die GPDA nicht führen. Aber das ist nur meine Meinung und alle Diskussionen dazu werden hinter verschlossenen Türen geführt."

Die gleiche Meinung vertritt Nico Rosberg, der offen sagte: "Vor Monaco gab es eine Diskussion darüber, im Qualifying fair zu sein. Darüber haben wir 20 Minuten geredet. Es war also ein großer Teil der gesamten Diskussion. Michael war dabei der Anführer. Er sagte, dass wir uns im Qualifying gegenseitig respektieren müssen und uns nicht blocken dürfen. In diesem Sinne ist er nun nicht mehr glaubwürdig."

Jeder mache "Fehler", das sei normal. Demnach wäre Michael Schumacher nicht der einzige Fahrer, dem so etwas in der letzten Minute in Monaco hätte passieren können. "Andere Fahrer sehen die Situation auch nicht so kritisch, mit einer Entschuldigung wäre alles okay. Er wurde bestraft und die Sache ist abgehakt. Aber ich kann mir vorstellen, dass er uns gegenüber nicht die Wahrheit sagen wird."

Zumindest am Freitag gab es eine Entschuldigung seitens des Deutschen: "Es tut mir leid, dass einige Fahrer durch meinen Fehler eine Runde verloren haben." Rosberg wünscht sich jedoch keine Entschuldigung für den Fahrfehler, sondern für die angeblich absichtliche Aktion.

"Ich bin nicht im Auto gesessen - Michael sagt, dass es keine Absicht gewesen ist und dann war es wohl auch so", nimmt ihn sein Bruder Ralf in Schutz. "Die großen Kritiken kenne ich nur aus der Presse. Wenn man die Fahrer dazu befragt, sagt niemand etwas dazu. Einige Fahrer machen sich gegenüber den Journalisten wichtig, ich bin jetzt gespannt, ob sie morgen den Mund aufmachen werden. Das ist nämlich nur blödes Geschwätz."

Mit ähnlicher Spannung sieht David Coulthard dem morgigen GPDA-Meeting entgegen. "Ich hoffe, dass morgen alle die gegenüber der Presse mit ihren Worten schnell waren, dies auch Michael ins Gesicht sagen werden. Das macht einen richtigen Mann aus."

Ralf führt derweil als einziger sein Verteidigungsplädoyer weiter: "Jeder sollte sich an die eigene Nase fassen. Keiner von uns war dabei. Etwas zu vermuten und auf jemanden einzuschlagen ist einfach. Ich habe gehört, dass sich Fisichella aufgeregt hat. Er sollte beim nächsten Mal vielleicht selbst in den Spiegel schauen und Coulthard durchlassen. Das wäre dann auch fair."

Die viel zitierte Entschuldigung erwartet Ralf nicht. "Ich weiß nicht, wofür er sich entschuldigen soll. Zwischen komisch aussehen und dem Unterstellen von Absicht ist ein großer Unterschied", so der Toyota-Pilot. "Ich kann es nicht beurteilen."

Sein Bruder möchte die Diskussion hingegen nicht weiter vertiefen. "Ich habe kein Problem damit, dass andere Fahrer eine andere Sichtweise haben. Es kommt nur darauf an, wie die Diskussion geführt wird", sagt er über das morgige Meeting. "Der ein oder andere wird sicherlich darüber sprechen wollen. Das ist okay, so lange man dabei vernünftig bleibt."

Der in Monaco herumgereichte Brief, der seine Absetzung als GPDA-Präsident fordert, ist Schumacher geläufig. "Ich weiß woher der Brief kommt und wer ihn verfasst hat. Da sind im Hintergrund viele politische Ziele mit verbunden."

"Die Mehrheit schlägt auf mich ein, aber es gibt auch genügend Leute, die das aus einem anderen Blickwinkel sehen." Bis auf Ralf und das Ferrari-Lager scheinen sich diese Leute aber wohl nicht outen zu wollen. "Wer das von vorneherein nicht möchte, der nutzt es eben als Schlachtfeld um sich auszutoben."

Für Schumacher sei es hingegen "viel wichtiger, dass er "mit sich selbst im Reinen" ist. "Das ist viel wichtiger, als das alle es nachvollziehen können. Ich fühle mich ungerecht behandelt, aber ich bin in der Vergangenheit schon gegen solche Dinge angegangen und da hat es auch nichts gebracht."

Jarno Trulli möchte beim morgigen Meeting vor allem die "allgemein anstehenden" Fragen diskutieren. "Aber wenn es zu einer Diskussion darüber kommt, werde ich schon meine Meinung sagen. Unter uns sind wir ja frei zu diskutieren. Ob es zu einer Abstimmung über seine Funktion in der GPDA kommen wird, muss man sehen, das ist die Entscheidung aller Fahrer."

Durch die Bestrafung sei der Fall für ihn aber an sich erledigt. Genauso beurteilt Nick Heidfeld die Situation. "Für mich sah es von außen so aus, als sei es Absicht gewesen. Ich denke, die Bestrafung geht in Ordnung, und damit ist das für mich eigentlich erledigt."

Für Fernando Alonso ist es schon heute erledigt. Der Spanier hat nicht vor dem Meeting beizuwohnen. "Ich war schon bei den letzten drei oder vier GPDA-Meetings nicht dabei", enthüllte er. "Morgen wird das wohl genauso sein. Mir ist das egal." Für ihn war der Zwischenfall sofort nach der Bestrafung durch die FIA "vergessen" und "abgeschlossen".

Das GPDA-Meeting könnte übrigens genauso schnell abgeschlossen sein. Denn Fußball-Fan Michael Schumacher geht "natürlich" davon aus, dass er morgen um 18:00 Uhr mitteleuropäischer Ortszeit das Eröffnungsspiel der Fußball-WM sehen könne. Zu diesem Zeitpunkt findet jedoch die seit Wochen diskutierte Sitzung statt. "Die wird dann also kurzfristig ausfallen müssen."